Mit einem APA in der Klammer legitimierten sich Tageszeitungen, der ORF und Online-Dienste zu Partenschreibern nach „Copy-and-paste-Methode“: Die Hersteller tricksten, steht im Nachruf, um die Abgaswerte ihrer Dieselautos zu schönen. In Europa verursacht die erhöhte Stickoxid (NOx)-Belastung jährlich 5.000 vorzeitige Todesfälle, berechnete forsch das Forscherteam rund um Borken-Kleefeld vom in Laxenburg angesiedelten IIASA-Luftforschungsinstitut. „Unter den 170 Opfern sind jeweils 80 Österreicher.“ UND keine Österreicherinnen? Laut Umweltphysiker passiert diese Modellrechnung jährlich, solange diese Stickoxid beladenen Fahrzeuge im Einsatz sind und das sei sicherlich 10 bis 15 Jahre der Fall. UND liebe LeserInnen, fahren Sie ja nicht nach Italien, dort kommen laut diesem Berechnungsmuster jährlich gleich 1.250 Menschen durch die erhöhte Stickoxid-Belastung vorzeitig zu Tode.

 

Irritierend ist jedoch, mit welcher Gleichgültigkeit diese verbreitete Nachricht in der Öffentlichkeit hingenommen wird. Ohne auf die daraus folgernden, realitätsfernen Forderungen des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) einzugehen, ist die mit beträchtlicher öffentlicher Unterstützung ausgestattete Verkehrsorganisation vielmehr von der Automobilwirtschaft aufzufordern, die ventilierte Modellrechnung auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Stimmen die IIASA-Angaben, ist Gefahr in Verzug und der Gesetzgeber darf keine Minute verlieren, alle in Zusammenhang stehenden Schadstoffverursacher sofort zu verbieten: Rettung, Feuerwehr, Polizei, Öffis, Militär, die Dienstfahrzeuge unserer Politiker, Manager, Unternehmer, die Industrie, Flugunternehmer, Reeder. Alle, die Verbrennungsmotoren verwenden. Auch das Notstromaggregat gehört dazu.

 

Todesangst lässt keine Kompromisse zu. Automobiles Volksvermögen muss vernichtet werden. In diesem Kontext fällt einem der Rinderwahn(sinn) ein oder wie erst kürzlich geschehen, das europäisch verordnete Eier(weg)werfen. Die angesagte Veränderung sind Worte wie Bilder, sie zielen auf Stimmungen ab. Damit kann man Wahlen schlagen, jedenfalls Medienreaktionen verursachen. Aber mit realer Politik hat das nichts zu tun.

 

Borken-Kleefeld vom „Air Quality and Greenhouse Gases Program“ kam bisher unserem und dem Wunsch der Branche nach Veröffentlichung der Berechnungsmethode nicht nach, bedauerte aber im Gespräch, welche Eigendynamik seine Ausführungen bekamen. Seine Fakten basieren auf alten Berechnungen. Das Wichtigste aus aller Umwelt wird in Minuten abgehandelt, unreflektiert, offensichtlich politisch gewollt. Schließlich muss man das Feindbild Auto am Leben erhalten.

 

Anbei in unten angefügtem PDF die Originalstudie – und die Zahlen für Österreich, wie Borken-Kleefeld sie laut Eigenangaben auch dem ORF gesagt hat, und dazu 2 Informationszugänge www.iiasa.ac.at/web/home/research/researchPrograms/air/policy/TSAP-Report-_9-v1_final-MA.pdf aus März 2013 und www.iiasa.ac.at/web/home/research/researchPrograms/air/policy/TSAP_12_final_v1.pdf (Version 1.0) aus Oktober 2014.

Die Quellenzuordnung für Österreich ist auf S.9 abgebildet. •