Jede des sinnerfassenden Lesens mächtige Person kann sich zusammenreimen, was da auf uns alle zukommt. Die 67. IAA gerät zur Märchenmesse. IAA-Gastgeber Matthias Wissmann umschmeichelt Angela Merkel, die amtierende und vermutlich am Schlusstag der IAA, am 24. September, wiedergewählte Kanzlerin, mit märchenhaften Worten. Gesteht Fehler ein, die NIE hätten passieren dürfen, die dem Selbstverständnis der Industrie WIDERSPRECHEN und die JETZT erkannt wurden und mit ALLER Konsequenz nachgegangen wird. Ja und das verloren gegangen Vertrauen wird auch wieder zurückgewonnen – Integrität auf allen Ebenen hat für Wissmanns Getreue denselben Stellenwert wie technische Lösungen.
Eingedenk warmer Worte für alle Beteiligten am Meinungsbildungsprozess für die Zukunft der Mobilität lud Wissmann Frau Merkel ein, die Debatte rational, sachlich und differenziert zu führen.
Zu den faszinierenden Zukunftsoptionen gehört es wohl, den Verbrenner eines Tages mit klimaneutralen Kraftstoffen (E-Fuels) zu betreiben. Gegenüber den anwesenden EU-Granden wird Energieoffenheit inszeniert und in den Ausstellungshallen präsentiert, Milliardenbeträge schwirren durch die Luft. Das Märchen nimmt Fahrt auf. Ohne standardisierter Infrastruktur damit den Massenmarkt zu erreichen, wird Gutgläubigen zugemutet. Namhafte Autohersteller kehrten dem Messeort Frankfurt den Rücken. Sie warten ab, was passiert. Belauern sich also, wer den ersten Schritt wagt, aus visionären Ideen die Mobilität in Realitätsnähe zu führen. Nicht wenige Branchenteilnehmer sehen die IAA im Wandel zu einer New Mobility Worldshow à la Las Vegas. Der Scheinwelt ist in Sieben-Meilen-Stiefeln in Wort und lange noch ohne Tat Tür und Tor geöffnet. Der Konsument wird dabei nicht gefragt. Der hat zu nehmen, was er bekommt und das ist in der bunten Themenvielfalt weit weniger gerecht verteilt als bisher. In seinem Märchen an die Welt bot Wissmann doch allen Ernstes die gerade laufende und an Schwindsucht leidende IAA als Gesprächsangebot in maximal unübersichtlichen Zeiten an. Allen!
Autos mögen sich heute schon ohne Vernetzung nicht mehr denken lassen, der Gegenwart die Zukunft zu nehmen ist ein starkes Stück Arroganz, was in der zurückgelassenen Bevölkerung glatt als böse ausgehendes Märchen aufgenommen werden könnte. Und wenn wir an der Abgaslüge nicht gestorben sind, leben wir auch noch morgen und besinnen uns dann wieder der Normalität. Nach der Bundestagswahl ist der ideale Zeitpunkt gekommen, das Märchenbuch aus der Hand zu legen und wieder in Sachthemen zu investieren. Die breite Kundschaft wird das honorieren.
P.S.: Bei all diesen Betrachtungen wird schlicht auf eine Berufsgruppe vergessen: Auf den Autohandel und das reparierende Gewerbe. Vollkommen ohne sie wird auch die „New Mobility World“ nicht auskommen!
