Nicht weniger als eine Neuordnung der Zusammenarbeit zwischen Politik und Automobilwirtschaft fordert Prof. Bratzel (Center of Automotive Management) per Aussendung von den Verantwortlichen im Vorfeld des Gipfels.

 

Denn während die Hersteller zwar für die Fehler der Vergangenheit die Verantwortung hätten, sei die deutsche Verkehrspolitik puncto Umweltschutz „bisher eher Teil des Problems als Teil der Lösung“ gewesen, so Bratzel. Die Industrie solle zu den Fehlern der Vergangenheit stehen und die volle Verantwortung übernehmen, gleichzeitig aber auch auf moderne Antriebsarten fokussieren und so von der Defensive in die Offensive gelangen, so Bratzel.

 

Die Politik wiederum müsse von der „Kultur des Wegschauens und Symbolhandels“ wegkommen, mit der sie der Wirtschaft indirekt geschadet habe. Weiters fordert Bratzel die Einführung eines Quotensystems für Null-Emissions-Fahrzeuge. Die Politik solle strenge Grenzwerte für Schadstoffe einführen und Mobilitätskonzepte anstatt bestimmter Technologien fördern.

 

Im Vorfeld schaut es allerdings eher nach „Kirchenspaltung“ zwischen Politik und Wirtschaft aus: Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Dr. Horst Seehofer liebäugelte am Wochenende im ZDF-Sommerinterview mit Sammelklagen gegen die Industrie. Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) meinte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir werden den Autoherstellern einen Forderungskatalog vorlegen." Der Gipfel werde „kein gemütliches Kaffeekränzchen“.

 

Schlag nach bei Grimmelshausen: Die Zeit wird zeigen, wer beim Gipfel und in dessen Nachhall den bitteren „schwedischen Trunk“ nehmen muss und ob es zur großen Reformation der Automobilwirtschaft kommt.

 

Umfassende Informationen zum „Nationalen Forum Diesel“ am 2. August in Berlin finden Sie in der AUTO-Information Nr. 2381, die am Freitag, den 4. August, erscheint.