Was mich stutzig macht, ist das eiserne Schweigen der Autogranden einschließlich ihrer Gewerkschaften. Wäre dem so, dass die Automobilität politisch sozusagen „von heute auf morgen“ abgedreht würde, müssten die Gewerkschaften längst mit ihrem Anhang auf der Straße sein und für ihre berufliche Existenz protestieren. Nichts, gar nichts von alledem! Die Gewerkschaft Verdi bläst zu keinem Triumphmarsch der Arbeiterbasis. Die Bosse sind höchstens auf den Meeren dieser Welt auf einer „Aida“ unterwegs und atmen dort das riechbar und sichtbar giftige Schweröl ihrer Schiffe ein, angereichert von den begleitenden, riesigen Seeflotten gleichen Antriebs.
Die technisch so stolze Autoindustrie gebärdet sich inhalts- wie ahnungslos. Unbeschreiblich die Grimassen ihrer Spitzenleute, ihr versiegender Redefluss hat nicht einmal das Format eines Wirtshausdisputs. Die Autobranche lässt sich herabwürdigen, in ihrer Glaubwürdigkeit besudeln und verächtlich machen.
Man fragt sich, wie der Autohandel bei allen Einengungen durch die Hersteller, durch die Politik überhaupt noch ein gewisses Niveau halten kann, dass das Interesse am Automobil nicht sofort erlahmt. Jetzt holt der Autohandel die Kastanien aus dem Feuer, um im Nachgang dafür von der „kriminalisierten“ Autoindustrie bestraft zu werden. Dennoch dienen sie in Demut.
Die Wirtschaftsbosse, gleichermaßen nur dem Profit gehorchend, dienen nicht dem Konsumenten, sie bedienen sich nach Meinung der Öffentlichkeit am Volk – und die Politik hilft ihnen dabei. Unter der Drohung für das „rasche“ und unwidersprochene politische Aus von Verbrennungsmotoren in Autos korrigieren Hersteller zunächst auf kaltem Weg ihre durch Eigenzulassungen befeuerten, irrealen Marktzahlen. Nach den Bundestagswahlen greifen sie sich über das Datenmonopol das Handels- und Servicegeschäft beziehungsweise was davon übrig bleibt.
Eines bleibt dabei Tatsache und gibt Hoffnung: Unternehmer mit Intelligenz, Mut und Entschlossenheit zu Neuem werden ein neues Kapitel der Mobilität aufschlagen. •
