Ja, ich gebe zu, dass es mich trotz meiner grenzenlosen Befangenheit elendiglich bedrückt, wenn ich mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs bin und auf dem angrenzenden braun-gelben Wiesenland Kühe beobachten muss, die – auf der Seite liegend – sich vor Schmerzen krümmen und markdurchdringende Laute von sich geben. Oder: Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass all die Schafe, welche entlang von Straßenverkehrswegen ihre Freilandkultur ausleben, welche ihren Fleischpreis hochtreibt, noch ehe sie vakuumverpackt in den Kühlregalen von Großverteilern landen und letztlich im Kauapparat der motorisierten Umweltverschmutzer enden, pechrabenschwarz sind? Weiße Schafe sind nur noch selten auszumachen, was der Psyche des Menschen höchst abträglich ist, denn: Das wuschelige, weiße Lamm steht doch seit dem ersten Krippenspiel für Frieden und Erlösung. Aber: Wo immer der Straßenverkehr ins Spiel kommt, trifft man nur auf schwarze Schafe.
Großen Kummer bereitet mir auch jeder Spaziergang in Städte, egal wo. Dort schlägt mir die Tatsache aufs Gemüt, nurmehr von Hustenanfällen geplagte Stadtbewohner anzutreffen, die nicht mal mehr die Luft finden, ein Grußwort zu entrichten, geschweige denn, zu erwidern. Mit Stöpseln in den Ohren, scheinen sie sich immerhin noch künstlich am Leben erhalten zu können. Weiß der Geier, wie das funktionieren kann.
Geradezu depressiv stimmt mich der Anblick der bizarren Holzgerippe, welche die Autobahnen säumen und einst als herrlich grüne Wälder Motiv standen für die Tourismuswerbung. Nun erinnern sie an das Vietnam der berüchtigten 68er-Jahre. Der Verdacht kommt auf, Bush, Obama und sowieso Trump hätten sich in der Zeit und Geografie geirrt und unser Lebensgebiet mit dem Entlaubungsmittel „Agent Orange“ bombardiert. Grenzenlos dann aber meine Dankbarkeit, wenn ich mir angesichts meines fortgeschrittenen Alters zu Bewusstsein bringe, dass ich überhaupt noch am Leben bin. Ich wurde nämlich in eine Zeit hineingeboren, als die Technik fortgeschritten und rückständig zugleich war. Schadstoffe wurden praktisch als Nährstoffe verkauft.
Haben Sie all das für bare Münze genommen? Vergessen Sie es... und viele tun es dennoch, sonst hätten wir nicht all die krankhaften Diskussionen, welche uns durch den Alltag begleiten. Die Experten, oder was sich so schimpfen darf, stehen förmlich Schlange, um die große Bühne der Massenerreichbarkeit zu erklimmen und ihrem fortwährenden Drama einen weiteren Akt hinzuzufügen. Das Publikum, durch die Dauerberieselung regelrecht zersetzt, beschränkt sich nicht mehr auf den Status des kritischen Betrachters, sondern schlüpft mehr und mehr in die Rolle des Souffleurs, der wiederum in die weite Welt hinauszieht und mit kummervoller Miene die Botschaften des Theaterstücks verbreitet. Breitenwirkung nennt sich das, genährt von einer Lebensfurcht, die jenen, welche solche Probleme herbeireden, erst eine Existenz bietet – zumindest im materiellen Sinne, denn auf der geistigen Ebene scheint mir der Bankrott schon längst eingetreten zu sein... Die Historie spricht von Dekadenz.
Was ich andeuten will: Hackt weiter auf dem Diesel herum, wie zuvor schon auf... (sorry, die Liste sprengt jeden Rahmen!). Irgendwann werden die gleichen Kreise, welche ich nun hier auf die Schippe genommen habe, in der E-Mobilität ein neues Betätigungsfeld finden, wetten? Als Stichworte gebe ich ihnen schon mal „elektromagnetische Felder“, „Gesamtenergiebilanz“ und „Versorgungs- und Entsorgungsproblematik“ mit auf den Weg. Wie meinen? – Oh, gern geschehen! •
