Nachdem der Autohandel eine nach der anderen auf die wirtschaftliche Backe bekommt und dennoch die Zulassungszahlen ins Unermessliche steigen, geht es dank Digitalisierung nun auch dem Service an den Kragen. Das Weniger im Markt wird von den Giganten zum eigenen Erfolg zusammengerafft. Ober sticht den Unter!

 

Wer so verbohrt ist, heutzutage mit Scheinzahl-Slogans à la „Minimalertrag = Erfolg“ zu nerven, der schnallt es nie und ist einfach zu blöde zum Gewinnen. In tiefster Verzweiflung wendet sich beispielsweise ein Wiener Autohändler auf der direkten Zufahrt zum Zentralfriedhof immer wieder an die Kammer, um als Mitglied für einen gerade anstehenden Gerichtsstreit Geld zu erbetteln, geht es doch um Vertragsstreitigkeiten zu seinen Ungunsten. Jedes Mal verspricht der gewichtige Mann, das Verfahren auszujudizieren, um für den Autohandel einen Präzedenzfall zu schaffen. Eigenartigerweise kommt es nie dazu, denn der betroffene Importeur vergleicht sich mit ihm, ehe es für den Hersteller brenzlig wird. Bruder Funktionär, stehst in eigener Sache der Interessengruppe nicht gerne bei – bei Not und Gefahr.

 

Haben Sie den Namen Josef Schirak schon mal gehört? Vielleicht nicht. Das ist jener Einzelhandelssprecher, der unentwegt vor den immer neuen Gefahren im Autohandel warnt und dennoch seine Worte im Winde verhallen. Diejenigen unter der Leserschaft, die über ausreichende Unternehmererfahrung verfügen, wissen natürlich, dass Stückzahlboni allein nie zum wirtschaftlichen Überleben ausreichen. Seit Jahren werden sie mit dieser Droge gefüttert, das Servicegeschäft macht ja alles wieder gut. Jetzt – Stichwort Datenhoheit – droht der Hersteller mit Drogenentzug!

 

Werter Autohändler! Nach Auswertung unserer historisch fundierten Risikoanalysen – ergo Kaffeesudlesereien – möchten wir 2 Optionen darlegen, die Erfolg bei der kommenden Händlervertragsfeilscherei versprechen:

1. Richten Sie für den konventionellen Autohandel am Zentralfriedhof ein Mausoleum ein; dort kann jeder über den Sinn und Unsinn im Autohandel mit den verblichenen Wegbegleitern meditieren. An diesem Ort wird man über Jahre nicht beim Nachdenken gestört.

2. Die letzte Chance des Autohandels, wirtschaftlich doch noch zu gewinnen, besteht darin, dass Sie den Schalmeienklängen der Hersteller durch Austritt entrinnen und von den in guten Zeiten hoffentlich angehäuften Latifundien zehren. Dies hätte den Zusatzvorteil, dass Sie damit dem Drängen der Sparmeister in den Vorstandsetagen zuvorkommen. Dafür wird es jedoch den meisten im Autogeschäft nicht (mehr) reichen. •