Der selbsternannte „Experte“ ist sich seiner Argumente gegen die urbane Automobilität derart sicher, dass seine Presseaussendung – ungeprüft von allen öffentlichen Medien übernommen – bereits im Befehlston abgefasst ist. „Neben der Stärkung der Ortskerne und einem Stopp der Zersiedelung ist das Mobilitätsangebot für die Bevölkerung durch Carsharing von Gemeinden, Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur zu verbessern“, gibt der Verkehrsclub autoritär Ratschläge, der Automobilität Einhalt zu gebieten.
Ahnungslos wie der VCÖ sich gibt, korrelieren die Zulassungszahlen nicht unbedingt mit den Einwohnerzahlen. Zu Gansterers Entschuldigung sei angemerkt, dass der Klimaschützer vor dem Herrn nicht mit der Tageszulassungsarithmetik vertraut ist. Denn gerade in strukturschwachen Regionen werden Marktanteilstricks angewendet, also zusätzlich Fahrzeuge in den Markt gedrückt, die entweder gar nicht oder erst 4 bis 6 Monate später zur Nutzung kommen. Bei den automobilen Statistikzahlen zählt das Jahr mehr als 12 Monate.
Für Gansterer geht die Schere zwischen Stadt und Land beim Autobesitz immer weiter auseinander. „Eine Folge dieser Entwicklung ist ein weiteres Sinken des Pkw-Besetzungsgrads. Obwohl insgesamt die Autos schwerer und breiter werden, fahren immer weniger im Auto mit.“ Was ist los mit den vom VCÖ propagierten Mitfahrgemeinschaften? Alternativ auf der Fahrradstange mitzufahren ist in der Tat unbequem, gefährlich und zeitaufwändig noch dazu!
„Die Abhängigkeit vom Auto treibt für die Haushalte die Mobilitätskosten in die Höhe, führt zu mehr Autoverkehr und Staus und verhindert das Erreichen der Klimaziele“, geht es munter weiter in Gansterers eigener Faktenwelt. Er rät – natürlich im Interesse der Bevölkerung – auch im ländlichen Bereich Möglichkeiten zu schaffen, „die Alltagsziele in Kombination von Gehen, Öffis, Fahrrad und Carsharing“ gut zu erreichen. „In den Gemeinden sind zudem die Ortskerne und die Nahversorgung zu stärken“, geht es im Befehlston und begleitet von der üblichen Litanei weiter!
An dieser Stelle bleibt von Falschinformationen abgewendeten Journalisten nur im Befehlston der Zuruf an Gansterer, er möge sich schleunigst mit der gesamten VCÖ-Entourage in einer infrastrukturarmen Gegend und zumindest eine Gehstunde (!) von jeder größeren Gemeinde entfernt ansiedeln und zeigen, wie die VCÖ-Mobilitätstheorie funktioniert, anstatt andauernd mitten aus der Großstadt herauszuplärren, wie die Menschen den Verkehr zum täglichen Lebenserhalt wirklich bewältigen müssen. •
