Ohne die Auftritte vom Kaliber eines Piëch, Ghosn, Toyoda etc. fehlt der Messe das Salz in der Suppe. Die europäischen Granden halten sich dezent im Hintergrund und Österreichs Importeursprominenz war handverlesen vor Ort anzutreffen. Manchem Händler war kein Kontakt mit ihnen gegönnt. Der Sparmeister führt Regie. Man kann es auch übertreiben. Der Mini oder auch der medial hochgerühmte Tesla fehlten in Genf. Dafür waren die Preise rund um die Messe wieder herausragend. Die Blogger-Armee war nur zum Teil vor Ort motiviert und mancher Industrievertreter ging mit Selfie-Stick auf Meinungsjagd, weil für einen eigenen Auftritt kein Geld da war.

 

Fachzeitungen aus unserem Wettbewerbsumfeld traten gleich gar nicht den Weg an den Lac Léman an. Es fehlte ihnen an Einladungen. Farbenprächtige, mächtige Videowalls ersetzen zudem traditionelle Präsentationen. Mancher lokal mächtige Manager wird von der Konzernspitze in Genf vom König zum Knecht reduziert. Opels Weiterreichung für den Wert eines Apfel und eines Eies an PSA ließ die ansonsten so wortmächtigen Amerikaner nach 88 Jahren Ehe spurlos vom Messeparkett verschwinden. Ihre Presseleute mussten Nichtssagendes stottern.

 

Die Händler, die dennoch anreisten, schauten sich beim Wettbewerb um und fanden kaum Neuigkeiten. Laben konnten sie sich auf eigene Kosten an den Raststationen, die sich zahlreich als Lückenfüller für leere Ausstellerflächen auftaten. Die Halle 7, bislang für die Werkstattausrüster eine Art „AutoZum Salzburg“, wurde weiter dezimiert und blickt ihrem Ausstellerende in Genf entgegen. Wären nicht der ESA-Einkaufsverband und im Gefolge SAG dabei, die Halle 7 wäre jetzt schon verwaist.

 

Die Messemacher haben in Verkennung der Entwicklung manchen Aussteller (Ausnahme: die Reifenhersteller) aus den Haupthallen vertrieben, weil sie Platz für die Glitzerwelt der Autoproduzenten schaffen wollten. Der Spartrend der Markenorganisationen schuf im Hallenhauptblock nun wieder genügend Platz die traditionellen Aussteller zu integrieren. Eine große Fläche wurde auch der einst vertriebenen Castrol angedient, die jedoch damit wenig anzufangen wusste. Die im Verbindungsgang präsenten Miniaturauto-Standler können bald wieder mittendrin sein im Scheinwerferlicht. Die Meinungsbildung rund ums Auto in Genf drehte sich um das Diesel-Dilemma, die Opel-PSA-Fusion und die grüne Gefahr.

 

Das Auto wurde medial inzwischen so mies geredet, dass die Konzerne nun mit ihren eigenen, hochspekulativen Mobilitätskonzepten einen besonderen Messeauftritt für entbehrlich halten. Sich zu erweitern, heißt für sie Raum schaffen für neue Pläne, wo der Mensch (= Käufer) immer weniger Bedeutung bekommt. Die Erwartungen der Aktionäre sind hoch, die Erwartungen der Basis mit Händler- und Servicenetz werden auf das Nötigste reduziert.

 

Das Ziel, die Nummer 1 zu sein, reduziert sich in den Strategien der Marktmacher darauf, der Beste zu sein. Die Händler alter Prägung sind der Spielball der Konzerne, über ihre Zukunft entscheiden Investoren. Aber warum in die Zukunft schauen: Im Nachhang zu Genf finden jetzt zahlreich Regionalmessen statt und da wird wieder alles gut sein für die geschröpften Unternehmer im Land – zumindest bis zum 88. Genfer Autosalon 2018. Ÿ