„Opel muss das Geschehen als Chance sehen“, ereifern sich die Branchenexperten in ihren Kommentaren, weil mit einer „richtigen Produktstrategie“ ein neues europäisches Automobilschwergewicht entstehen kann. Nun sind Wahlen in Frankreich und in Deutschland und da macht sich niemand an den wahren Belastungen für Opel die Hände schmutzig. Erst danach wird das Treiben bunt und für die Basis im Vertrieb und bei den Mitarbeitern ruppig. Die geparkten und natürlich in der Bilanz rückgestellten Sozialleistungen (Pensionen etc.) werden dann rasch von den Amis ausgelagert und der deutschen Regierung zur Erledigung überantwortet. Währenddessen kümmern sich die Franzosen um ihre chinesischen Freunde, die im Endeffekt das mit Peugeot, Citroën, DS, Opel und Vauxhall „belegte“ Brötchen gleich zur Gänze schlucken können.

 

Wie es bei Opel und auch PSA mit den Werken und den Jobs weitergehen kann, wird unter dem Kapitel „Synergien“ geführt. Einsparungen sind Konzernangelegenheit und gehen zu Lasten der Basis. Das Spiel geht weiter – auch bei anderen Konzernen gibt es keine Hemmschwelle mehr und man fragt sich, warum in wachsenden Verkaufsmärkten dennoch so brutal gespart werden muss, wo solche Maßnahmen doch nur die Kaufkraft lähmen.

 

1,3 Mrd. € für Opel sind schon der Hammer. Doch 900 Mio. € für das Finanzgeschäft, darin verbirgt sich die wirtschaftliche Explosivkraft. Die Fahrzeuge gehören über Bankkonstruktionen letztlich dem Hersteller und belasten jedes Ergebnis. Das nur als eine Randnotiz!

 

Und nun zu Herrn Dr. Karl-Thomas Neumann, für den die Pariser Kaufentscheidung „ein historischer Tag“ ist. No na, was soll er anderes sagen (dürfen)! Opel wird zusammengestaucht zwischen den Lizenzinteressen und globalen Marktauflagen von General Motors und den Führungsansprüchen von PSA und folglich den Ambitionen der an den Franzosen beteiligten Chinesen, die nun mit einem Schlag den Fuß in der ersten Liga der europäischen Autoindustrie haben. Prof. Rupert Stadler, als Audi-Vorstandsvorsitzender in der Abgasaffäre für Volkswagen eine zunehmende Belastung, könnte nun von Neumann beerbt werden. Schließlich war er schon einmal als Winterkorn-Nachfolger im Gespräch gewesen. Und er brächte einiges strategisches Wissen über den PSA-Deal mit General Motors ein.

 

Das wäre übrigens keine neue Praxis, erinnern wir uns nur an den López-„Krieg“ (Zitat „Der Spiegel“) 1996 zwischen GM-Boss Richard Wagoner und VW-Chef Ferdinand Piëch. Aber was soll's: sind ja alles nur Verschwörungstheorien und alternative Wahrheiten. Hauptsache den NZL-Statistiken und damit den Aktienkursen geht es weiter gut! •