Über Generationen mussten Autohändler investieren, um den Markenvertrag zu erhalten. Die Auflagen wuchsen ins Unermessliche, die Erträge schrumpften zur Nebensache. Wer nicht mindestens 500 NW pro Jahr abzusetzen imstande ist, steht heute auf verlorenem Posten. Zähneknirschend nahm man das alles zur Kenntnis, die Faust wurde maximal in der Hosentasche geballt. Man konnte sich ja auf das Servicegeschäft verlassen und damit den Autohandel stützen. Manche Liebesszene mit einer anderen Marke spielte sich ab, in der Hoffnung, sie würde frischen Wind ins Geschäft bringen. Die Mitgift war rasch verbraucht, die Last trug weiter schwer. Am Ende dieser Entwicklung wird ein Mitglied ausgeschlossen, ein anderes stirbt. Die großen Spieler nehmen sich, was ihnen schmeckt.
Für die verbleibenden kleineren Einheiten wird Optimismus zur unternehmenspolitischen Einstellung, denn auch Elefanten sterben. Findige, regional verankerte Autohausunternehmer überlegen bereits Schauraumkapazitäten dem Importeur zu vermieten. Der Importeur nennt den Preis, um der Rabattschleuderei Herr zu werden. Klingt doch schön, wenn da nicht die blöden Überkapazitäten wären. Darauf will der Hersteller nach wie vor keinen Einfluss nehmen. Überall werden weniger Autos gekauft, wird weniger gefahren und dennoch steigen die NW-Zulassungen. Längst wird neuen Mobilitätsformen Raum gegeben und immer noch wachsen die Statistiken. Neuerdings reißen sich die privaten Käufer um gebrauchte E-Autos, weil es davon ja schon so viele gibt bei uns und deren Werte nicht verfallen. Das Auto ist ein Wunder, auch der Verkaufsmechanismus.
Daher wundert es, dass die Importeure jetzt beginnen, ihre Händlernetze zu konzentrieren bzw. massiv auszudünnen. Der wahrscheinliche Hauptgrund für diese Maßnahme dürften schwindende Absatzzahlen sein, denn die ersten 2 Monate 2017 waren nicht prickelnd, weder im Autohandel noch im Service. Der Horror wächst: Die Importeure erwägen den Abbau ihrer Haupthändlerstrukturen. Da kann es glatt vorkommen, dass der eine oder andere über Generationen geführte Markenhändler aufgefordert wird, sich dem Diktat des Elefanten zu beugen. Es sieht alles danach aus, als würde die Elefantenherde alles Kleinwüchsige zertrampeln.
Das alles klingt absurd und inakzeptabel. Nur wer ist imstande, das kleinteilige, regional verankerte Mobilitätssystem mit Vertrieb und Service von der Aneignung unbefugten Einflusses durch den globalen industriellen Komplex zu schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Macht ist vorhanden. Derzeit stürmen die Elefanten durch die Autoläden. Irgendwann stellt sich die Demokratie, die Schule der Langsamkeit, wieder der digitalen Dynamik entgegen. •
