In der Automobilwirtschaft tut sich was. Nicht bloß im Internet, noch viel turbulenter geht es an der Basis zu. Dort, wo die Arbeitsplätze verloren gehen. Es wird ausgeforstet – und die Kriegsbeile fliegen tief. Man kann auch sagen, das Umorganisieren ist in vollem Gang. General Motors will wieder einmal Opel entsagen und zaubert die PSA-Gruppe aus dem Hut. Eine der ersten Erkenntnisse, die wir als strenge Marktbeobachter ziehen können, ist die Tatsache, dass, egal welches System auch angewandt wird, nicht berechenbar ist.
Man könnte dabei an den Bauern denken, der über seine Felder geht und gnadenlos gute Pflänzchen und böses Unkraut ausreißt, damit im Herstellerinteresse die Vertriebspflänzchen, die sein geschulter Blick erwählt und zum Überleben auserkoren hat, genug Sonne bekommen. Das Bild suggeriert tatsächlich eine gewisse Härte, aber so funktionieren die Welt und das Wirtschaften. Neuer Vertrag, neues Geschäftsmodell, weniger Händler: Auch bei VW bahnt sich als weiteres Beispiel die Vertriebsrevolution an.
Die Märkte werden enger und die Umsätze kleiner, was wiederum auf die Margen drückt. Also wird ordentlich ausgedünnt. Was in den Händlernetzen Usus ist, greift jetzt auch auf die Konzerne über: Die Unberechenbarkeit des Auslesevorgangs mündet schnurgerade in die Chaostheorie, schließlich ist sie ja in der Wirtschaft erklärende Managementgrundlage. Sie ist kompliziert und nur von ihren Anwendern durchschaubar, was das Erklären der Resultate einerseits leichter, andererseits überflüssig macht. Aber wer weiß, vielleicht funktioniert es.
Durch die aktuelle Opel-Entwicklung sind die Menschen – Arbeitnehmer wie Kunden – baff. Nach Jahren harter und erfolgreicher Wiederaufbauarbeit der Markenkraft soll mit PSA der Boden für Opel neu aufbereitet werden. Mit Blitz und Löwengebrüll im wirtschaftlich ausgelaugten Markt soll es für die Aktionäre wieder Gewinne geben. Ob davon auch die Händlerbasis in ausreichendem Maß profitieren kann, bleibt offen.
