„Michelin als langjährig gegenüber dem Reifenhandel distanziert auftretender Lieferant ist jetzt noch der beste im Vergleich zu dem, was die anderen Marktführer aufführen“, alteriert sich Varga. „Die Landesvertriebsdirektoren, die leider nichts mehr zu sagen haben, da oder dort ausgenommen, werden von den Europazentralen an die Kandare genommen und ihre Entsandten schlagen langjährige Abnehmer laufend vor den Kopf. Die zeigen uns gedanklich den Stinkefinger!“
Dabei, so Vargas’ deklarierte und deckungsgleich mit den anderen nicht genannt werden wollenden Reifenhändlerkollegen Analyse, ist es mit der Verfügbarkeitsproblematik nicht weit her: „Mit Ausnahme der einen oder anderen teureren Dimension ist bei Sommerreifen zurzeit kein Lieferengpass zu bemerken.“ Tatsächlich sind die Händler gut sortiert und was sie in Österreich nicht einkaufen können, bekommen sie von den Internetportalen. „Oft auch günstiger!“
Über kurz oder lang werde sich diese Arroganz in der Lieferbereitschaft rächen: „In 3 bis 5 Jahren werden sich die etablierten Markenlieferanten um ein Drittel, jedoch neue heute noch markanteilsschwache Premiumanbieter um zwei Drittel unseres Marktes matchen.“ Und über das Internetportal bekommst du alles, zeichnet Varga den Weg seiner Lieferanten vor.
Selbst im heimischen Winterreifen-Einlagerungsgeschäft für die nächste Saison (!), das im Augenblick überhitzt ist, zeichnet sich international bereits Entspannung ab. „Leute mit guten Kontakten zum Internethandel werden rasch ihre allfälligen Fehlbestände kompensieren können“, erzählt Varga.
Goodyear weiche, so meinen Varga und viele seiner Kollegen, direkten Gesprächen gerne aus, Bridgestone habe sich dem heimischen Markt völlig entfremdet, lediglich Continental spreche wenigstens beim Neinsagen Klartext. Schwierig sei der Kontakt zur Pirelli-Spitze geworden, „von den gelackten Herren“ sei nichts zu hören. Kumho mit einer neuen Führung zeige wieder Engagement; auch Hankook, Toyo, Marangoni und Konsorten versuchten, Boden gut zu machen.
Eines ist signifikant: Die Sommerreifenpreise steigen im Moment zwischen 7 und 10 %, Pkw-Winterqualitäten bis 15 % und die Endkunden zahlen das auch. Allerdings beginnen sich Flottenkunden wie Konsumenten im Internet über die Preise schlau zu machen, was im nächsten Jahr im Reifenhandel bereits schlagend werden könnte, auch Randdimensionen günstiger als hierzulande einzukaufen.