Den Namen Hawtai werden bisher wohl die wenigsten Österreicher gehört haben; doch das wird sich ab sofort wohl ändern: Denn Dienstag früh wurde bei einer Pressekonferenz in Peking bekannt gegeben, dass die Hawtai Motor Group in den kommenden Jahren 120 Mio. € bei Saab investieren will. Außerdem wollen die Chinesen mit dem schwedischen Autohersteller eine strategische Allianz bilden. Damit gehört nun auch die zweite schwedische Automarke den Chinesen: Bereits im Vorjahr hatte der chinesische Autohersteller Geely von Ford die Marke Volvo gekauft.
Saab-Vorstandsvorsitzender Victor Muller sagte, dass die neue Partnerschaft die Fortsetzung des Weges erlaube, den man nach der Abnabelung von General Motors vor 15 Monaten eingeschlagen habe. Außerdem werde es nun viel leichter, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen, wo Saab mit seinen Modellen eine große Rolle spielen wolle.
Richard Zhang, Vice President von Hawtai, sprach von einem „großen Tag in der noch jungen Geschichte“ seines Unternehmens. Er erwartet sich durch die Partnerschaft nicht nur Zugang zu den innovativen Technologien von Saab, sondern auch zu einem internationalen Netzwerk, dessen Aufbau ansonsten Jahrzehnte gedauert hätte. Saab werde dank der neuen Partnerschaft ein europäischer Premiumhersteller bleiben.
Hawtai wurde im Jahr 2000 gegründet und hat zwei Fabriken: In Ordos (Innere Mongolei) und Rongcheng (Provinz Shandong). Derzeit produziert Hawtai mit 350.000 Fahrzeugen etwa zehnmal so viel wie Saab im Vorjahr hergestellt hatte. Außerdem wurden 300.000 Dieselmotoren und 450.000 Automatikgetriebe hergestellt. Bis 2015 will Hawtai jeweils 1 Mio. Autos, Motoren und Getriebe herstellen. Hawaii stellt unter anderem Limousinen (B11, B21) und SUVs her, unter anderem eine Lizenzversion des Hyundai Terracan (seit 2003) und des Santa Fe (seit 2006).
Bereits am Montagabend hatte Saab-Eigentümer Spyker Cars mitgeteilt, man habe sich mit dem Fonds Gemini Investment über eine Wandelanleihe über 30 Mio. € geeinigt. Außerdem erwarte man 29,1 Mio. € von der Europäischen Investitionsbank (EIB).
Saab stoppte das Werk in Trollhättan Anfang April, weil dem Unternehmen bisher das Geld zur Begleichung von Lieferantenrechnungen fehlte.
Muller entschuldigte sich bei den Beschäftigten, Zulieferern, Händlern und Kunden für alle Schwierigkeiten, die in den vergangenen Wochen entstanden waren: „Wir werden alles tun, um das Vertrauen in unsere Marke so rasch wie möglich wiederherzustellen.“
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