Die Radio-, Fernseh-, Print- und Onlineaktivität hat bereits bei Millionen von Menschen und tausenden von Politikern die Rotschwarzzungenkrankheit ausgelöst.
Längst sprechen Experten von einer Pandemie, warten nur ab, ob ein Befall Betroffene nur einige Zeit an Moralinübersäuerung leiden lässt und die Symptome – rotschwarz verfärbte Zunge und angeschwollenes Kurzzeitgewissen – nach einiger Zeit wieder verschwinden oder ob die Epidemie die Persönlichkeit doch irreversibel verändert.
Eine aktuelle immunologische Analyse legt den Schluss nahe, dass in Österreich lediglich Mitglieder der ÖVP Resistenzen gegen das Phänomen entwickeln können. Sämtliche anderen Parteibindungen bieten offenbar wenig Schutz und unterscheiden sich höchstens graduell im Rotschwarzbefall.
Alle Hoffnungen ruhen deshalb auf der FPÖ. Allerdings ist es im Moment noch nicht gelungen, die Rotschwarzzungenkrankheit mit einem Strache-Beitritt zu behandeln, ohne fatale Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen: Alle Probanden entwickeln unkontrollierbare Kausalitätskettenreaktionen.
Hochproblematisch ist aber, dass unsere politischen Mechanismen aus dem vorigen Jahrhundert zunehmend mit der modernen Liveticker- und Instantvoting-Kultur kollidieren. Der Politkritiker von heute möchte die Welt sofort retten und nicht noch lange pragmatische Lösungsvariationen diskutieren. Denn wer weiß schon, welche politische Apokalypse es morgen abzuwenden gilt.
Der Regierung Hirne werden erfolglos mit Wahlschlappen gekühlt, doch weiterhin gelangen ultrakonservative Parteipartikel massiv über jeden Grenzwert in die Wählerwelt. Die Langzeitfolgen für die wirtschafttreibenden Menschen sind politisch inszenierter vorauseilender Gehorsam, Angepasstheit und Stillstand.
Erinnern Sie sich an das jüngste Beispiel mit der von Porsche Austria gegen die politische Vorfeldorganisation VCÖ angedrohten Klage. Ein paar tausend Autos an Staatsbetriebe erstickten bei VW jeden Willen, der Wahrheit in Sachen Umweltverträglichkeit ihrer Automobile an die Öffentlichkeit zu verhelfen. Also lassen wir uns weiter anpatzen, um neue Steuern zu rechtfertigen. Die neuen Minister wissen zwar wenig von ihrem Fach, aber rasch, wo sie Geld eintreiben können.
Und deshalb fordern wir für die Mobilitätsbranche zu Recht ein unabhängiges Lobbying, das wir uns leisten müssen, um politisch nicht zu verrecken.