Ihr zehnminütiger Schrei nach unternehmerischer Freiheit, Herr Kammerpräsident und Abgeordneter zum Nationalrat, erlangte zunächst unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Besonders, als Sie davon sprachen, mit einer Stimme für die Wirtschaftsinteressen in der Öffentlichkeit eintreten zu wollen. Im Auditorium saßen ja gut 500 Unternehmer und Unternehmerinnen, die mit ihren Firmen u .a. Kammerumlage bezahlen.
Kaum waren Ihre Worte im Saal verhallt, erlosch auch schon Ihr Interesse an der Automobilbranche und mitten in der darauf folgenden Diskussion um E-Mobilität stahlen Sie sich aus der Veranstaltung. Baff blieb ein Saal voller Unternehmerpersönlichkeiten zurück. Ihr zuvor politisches Manifest verlor sich zur geistigen Makulatur. Wir wissen schon, der nächste Termin drängte im Kalender.
Ihre politische Welt ignoriert das wirtschaftliche Schicksal der Automobilwirtschaft. Aber – das zeigt die Brisanz Ihres flammenden Appells im Marriott-Hotel – in erster Linie verachten Sie die Automobilwirtschaft. Sie bringt Ihnen ja kaum persönliche politische Vorteile.
Mit fortdauernder „ideologischer Scheiße“ (O-Ton aus dem Publikum) vermiesen Sie Unternehmern ein selbstbestimmtes Leben. Die Angst vor solchen Unternehmervertretern wächst. Große Reden halten und hernach gedanklich den Stinkefinger zeigen. So kam es bei vielen an. Ausgenommen vielleicht die Parteitreuen.
Es ist eine Frage der Zeit, dass Ihresgleichen nicht mehr eingeladen werden, vor großem und noch dazu einflussreichem Unternehmerpublikum sprechen zu dürfen. Die Autowirtschaft – und dafür kann ich reden – ortet ein bösartiges Krebsgeschwür, das alle Gedanken und Träume abtötet. „Wir wollen ehrliche Unterstützung, unternehmerischen Freiraum, Existenz sichern“, fordert sie. Wer kann es ihr verdenken!
Wissen Sie Herr Leitl, warum Lederers Lebenswerk bereits 50 Jahre überstanden hat? Weil er den Unternehmensgegenstand immer aus der Politik herausgehalten hat. Politik hat ihm nie als Ausrede gedient.
