Die Wirtschaft wird wohl rasch zur Wahrheit zurückkehren müssen, denn schlimm sind die Lügen, noch schlimmer ist, sie nicht wahrhaben zu wollen. In Bezug auf den Wahrheitsmissbrauch ist die Wahrheit in unserer Gesellschaft zumutbar (Ingeborg Bachmann). Wer behauptet, es könne so weitergehen wie bisher, belügt sich selbst und die anderen. Darauf aufbauend entstehen brüchige Entscheidungsgrundlagen, die weniger erfahrenen Managern leicht das unternehmerische Rückgrat brechen können. Inzwischen orten wir eine tiefe Skepsis gegen die Politik und die Äußerungen vieler Wirtschafttreibenden.
Die ureigenste Aufgabe von Politik und Verantwortungsträgern ist das Entscheiden und Handeln. Tun wir das nicht und weichen den Problemen aus, entsteht jene Missstimmung, jenes diffuse Unbehagen, das wir alle spüren. Wir haben kein Erkennungs-, sondern ein Umsetzungsproblem.
Gleichzeitig mit dem Vertrauensverlust in der Gestaltungskraft der öffentlichen Akteure stellen wir eine kompromisslose Durchsetzung der Einzelinteressen auf Kosten der Gemeinschaft fest. Jeder pocht auf seine wohl erworbenen Rechte, wer keine Lobby hat, bleibt auf der Strecke.
Unsere Mobilitätswirtschaft, die bei allen Einzelerfolgen generell um ihre lokale Existenz bangen muss, weil die Globalplayer nur den Blick für die BRIC-Staaten gerichtet haben, muss sich selbst helfen. Mit Lobbying wie beim Weinskandal, der vor der Öffentlichkeit ausgetragen wurde. Heute ist Österreichs Weinvermarktung in der Weltspitze etabliert. Der EU-Beitritt oder der Wechsel vom Schilling zum Euro bedurfte einer alle Parteien übergreifenden Betreuung, um realisiert zu werden. Lobbying ist teuer und dauert seine Zeit. Richtig umgesetzt, ist das wohl unsere einzige Chance, freie Mobilität als demokratisches Recht zu verankern.
