Das in 18 Ländern operierende hochprofitable Porsche-Handelshaus geht spätestens 2011 um satte 3 Mrd. € netto im neuen Wolfsburger Imperium von Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch auf. Ob dieser Deal die 51 % wert sein wird, die Porsche und Piëch am Volkswagen-Konzern in Wolfsburg dann halten, wird sich weisen.
Während die Salzburger die Entwicklung der Ereignisse in allen Phasen der Zusammenarbeit mit Volkswagen „konzertiert“ und daher nicht in Gefahr sehen, soll Volkswagen-Krösus Martin Winterkorn bereits ähnliche Charakterzüge ausprägen wie der zuvor hoch- und dann weggelobte Wendelin Wiede„king“, der immerhin Porsche verzockt hat.
Auch für einen Professor Winterkorn ist unbarmherziger Gradmesser der Markt. Ein Plan B, wenn der Automarkt nicht hält, was er sich davon alles verspricht, ist in seiner Rhetorik (noch) nicht vorgesehen.
Zur Finanzierung des Status „weltgrößter Automobilkonzern“ wird also das wertvolle Salzburger Tafelgeschirr versilbert. Zu den Merkwürdigkeiten, die sich aus den Folgen derartiger Entscheidungen ergeben, gehört, dass Winterkorn mit der gruppierten PGA einen formidablen Vielmarkenhändler bekommt, der in Frankreich, in den Niederlanden, in Polen und in Griechenland (als Renault-Importeur) Marken vorwiegend französischer Provenienz vermarktet.
Für Porsche Austria geht es um viel, auch wenn der Reflex ihrer geradezu angeborenen Selbstsicherheit weiter bestens funktioniert und sowieso alles beim „Alten“ bleibt.
Die Fachöffentlichkeit mutmaßt anderes: Der Pufferwirkung als Importeur zwischen Hersteller und Handel beraubt, der Großhandelsspanne beschnitten, das alles wird einen zügigen Personalabbau nach sich ziehen. Den Geldbedarf, den die künftige Nummer 1 der Welt weiter benötigen wird, kommt auch aus der Mozart-Stadt. Geht die Rechnung auf, sind Piëch und Porsche die Stars auf der automobilen Weltbühne. Porsche Austria ist dann nicht nur Vorstandsposten, sondern auch Perlen wie Banken, Versicherungen, IT und Teilelager los. Und einige hundert Leute verlieren ihre Jobs – was augenblicklich dementiert wird.

Als abgestempelte „Defätisten“ schreiben wir „miesmacherisch“ und freuen uns, wenn wir uns geirrt haben sollten. Als wir vor 3 Monaten die eintretende Entwicklung als Frage an die Porsche Holdung stellten, ernteten wir bloß Häme.
Hoffentlich hat der Volkswagen-Konzern – nach den Wahlen in Deutschland wird die Wirtschaftsrhetorik neu definiert – nicht auch Schulden. Bis zu 17 % steuern die Ölscheichs aus Katar bei und wächst der Markt für Winterkorn nicht in zweistelliger Millionen-Stückzahl, wie er groß tönt, dann hat er ja noch die China-Karte im Talon. Im Abtausch von Technologien lässt sich weiteres Tafelsilber verscherbeln. Global tragen dann vielleicht fünf Sterne Rotchinas den Autoriesen weiter. Die Salzburger sind schon vor Ort.
So oder so, Porsche und Piëch leisten mit der Verlagerung nach Wolfsburg einen großen Beitrag zum Ausverkauf österreichischer Wirtschaftsleistung. Aber das ist – vorerst – alles wieder nur ein Hirngespinst!

Porsche Austria sieht sich mit ihrem nachgewiesenen Erfolgsausweis stolz als Benchmark für Volkswagen. Das ist richtig. Aber auch, dass die Wolfsburger Konzernpolitik rascher imstande ist, den Autohandelsriesen zu destabilisieren als den Salzburgern lieb sein kann.