Dass Anrainer, die sich bereits vor der Autobahn angesiedelt haben, jeden nur möglichen Lärmschutz verdienen, habe ich bereits vor gut zwei Jahren in info4you („Nur die Überdachung fehlt noch“, vom 22.7.2007) zum Ausdruck gebracht. Ebenso evident ist, dass infolge der Errichtung von Lärmschutzwänden auf Autobahnen zahlreiche Menschen (auch unschuldig) in grausliche Unfälle verwickelt werden.
Nun hat die Asfinag eine neue Variante des Lärmschutzes entwickelt: den Schutz derer, die zwar auch schon ewig an der Autobahn sind, den Lärm- und vor allem Sichtschutz aber gar nicht wünschen. Alle Proteste ignorierend, stellte der mächtige Straßenerhalter in Baden auch die Gewerbebetriebe mit Brettlwänden zu, die sich dort eigentlich angesiedelt haben, um Interessenten quasi im Vorbeifahren mit ihrem Angebot anzusprechen.
„Die Anrainer haben Anspruch auf diese Wände, die projekts- und bewilligungsgemäß ausgeführt werden“, betont Dipl.-Ing. Dietmar Schalko von der Asfinag. Er meint auch, das Autohaus sei weiterhin sichtbar. Eine Frage der Perspektive, zugegeben. Aktuelle Bilder von Asfinag, die das beweisen sollen, zeigen wir unten.
Den Wunsch des Autohändlers, diese Wände – wie anderswo auch – doch bitte mit Plexiglas („Acryl-Carbonat“) durchsichtig zu gestalten, damit das Publikum sein Autohaus, seine Neu- und Gebrauchtwagen wieder sehen könnte, quittierte die Asfinag mit der Politik der empfangsbereiten Hand: Der betroffene Autohausbesitzer möge ihnen doch bitte, wenn er die Lärmschutzwand schon nicht wolle, das Plexiglas Quadratmeter für Quadratmeter abkaufen. Gesamtpreis: 19.000 €, um die Sicht wiederherzustellen, die man vorher auch von der Autobahn kommend auf das Autohaus hatte. Und damit der Autohausbesitzer auch sicher wusste, dass die Lärmschutzwand nicht nach seinem Wunsch war, verlängert sie die Asfinag noch um neun Felder in die Bundesstraße.
Da die Asfinag dem Autohändler nicht helfen wird, Autos und Servicestunden zu vermarkten, geht der jetzt rechtlich gegen die Bretterlandschaft vor. Während Österreich mit Lärmschutzwänden zuwächst, auch wenn es die Betroffenen gar nicht wollen ...
