Nur die Basis hat sich längst von dieser Veranstaltung verabschiedet!
Die Reifenhändler untereinander sind weitgehend uneins. Die Industrieleute unterhalten sich auf deren Veranstaltung über ihre Strategien mit dem Handel. Der VRÖ steht daneben und schaut tatenlos zu. Die früher vom Reifenhandel zelebrierten Jahresgespräche, zu denen sich jeder Reifenhersteller einzufinden hatte, wollte er im Geschäft bleiben, sind inhaltsleerem Smalltalk gewichen.
Die angeblich im Reifenhandel Ärger erzeugende Vertriebsschiene Autohaus wird nicht einmal ignoriert. Die wenigen, die dabei waren, diskutierten nicht über Maßnahmen in der Krise. Das Forum blieb stumm – auf beiden Seiten. Oder wurde nur der Sinn des Veranstaltungsorts verwechselt, weil das ein Wellness-Hotel ist!
Wo seinerzeit ein Günter Deschka senior mit abgewogenen Statements den Anspruch seines Verbandes auf Kompetenz unterstrich, sitzt heute stumm in einem nahezu leeren Veranstaltungssaal der vierköpfige Vorstand – allesamt der Gründergeneration des VRÖ entstammend.
Stattdessen Vogels stereotype „Wer ist dafür, wer dagegen, keine Stimmenthaltung, daher einstimmig angenommen!“ in routinierter Abwicklung seiner 27. Generalversammlung. Von 9 bis 11 Uhr schob er einen „Jazz-Brunch“ vor, um überhaupt beschlussfähig sein zu können. Roland Dorfner, der neue Kassier im Vorstand, fand es nicht der Mühe wert, persönlich zu seiner Kür zu erscheinen. Von kolportierten 13 Neuzugängen waren 12 Reifenhändler nicht anwesend. Wozu sind die denn Mitglieder geworden?
Das ist aktuell die Visitenkarte des VRÖ!
Die Söhne und Töchter der Gründergeneration verweigern sich. Ein Otmar Bruckmüller sowieso. Stefan Deschka nimmt sich ebenso keine Zeit mehr dafür, wie auch die Söhne von Walter John. Barbara Plankenauer? Kärnten ist weit weg vom Schuss! Ein in der Branche geschätzter Herbert Varga aus Innsbruck fuhr am Veranstaltungswochenende durch Bad Häring – im Rahmen der Kitzbühel-Classic-Rallye!
VRÖ-Mitgründer Walter Antosch war da: Er stellte brav die Entlastungsanträge für Kassier und Vorstand. Kompliment auch an Obmann James Tennant. Der nette „Engländer aus Kärnten“ reduzierte sich in drei Sätzen auf das Erkennen der Krise in der Wirtschaft, outete sich als „unverbesserlicher Optimist“ und wünschte den 30 Anwesenden im Saal – drei Viertel davon Lieferanten – ein erfolgreiches Winterreifengeschäft.
Symptom einer Verbandskrise – finanziert von der Industrie. Ein Schabernack sondergleichen. Der VRÖ torpediert sich selbst!
Wenn einmal die Big Player ihre Niederlassungen in Österreich aufgeben, ist es für die heimische Reifenwirtschaft zu spät. Das ist kein finsteres Klischee und gilt auch für die Reifen-&-Räder-Mitglieder im Top-Reifen-Team oder anderswo gruppiert. Alle sind und bleiben sie Reifenhändler! Schon was vom Leaseplan-Diktat gehört, das als eindeutiger Eingriff in das Hofgeschäft jedes einzelnen Reifenhändlers angesehen werden darf? Die Industrie verliert in der Erstausrüstung zurzeit die Hosen, wird also selbst von ihren Großflottenkunden vor sich hergetrieben
Geistiger Boykott verbietet sich von selbst. Junge, geht zu Euren Vätern, lasst Euch erzählen, wie Verbandsarbeit funktioniert, kehrt zurück zu Euren Wurzeln!
Ohne Landeslobby wird vieles nicht funktionieren, vor allem nicht die der Basis zunehmend arrogant wirkende Großhandelsschar, die so gern auf die Dienste des VRÖ pfeift.
Es ist höchste Zeit, dass sich der VRÖ wieder als Rückgrat des gesamten österreichischen Reifenhandels selbst wahrnimmt. Modern und effizient. Die Veranlagung dazu wäre vorhanden. Ansonsten wird sich die Industrie das Sponsorgeld für den VRÖ sparen. Die regelmäßige Aktualisierung der Rechtsfibel zum Thema Bereifung finanziert sie so und so – wie auch alle zwei Jahre die „VRÖ-Award“ genannte Lieferantenauszeichnung.
