18 Mio. Pkw-Reifen umfasst zurzeit die Produktionsüberkapazität in Europa. Zudem ist das Geschäft mit Lkw-Reifen zusammengebrochen. Weiter anhaltende Markteinbrüche in der Erstausrüstung bringen zunehmend die bisherigen Spielregeln im Ersatzgeschäft durcheinander. Europas mächtiger Flottenbetreiber LeasePlan steht in der Absicht, seine Lieferantenlistung neu zu gestalten. Aktuellen Informationen zufolge werden die Marken Goodyear, Dunlop, Fulda zugunsten von Bridgestone und Firestone ausgelistet. Zusammen mit Michelin/Kleber sowie Continental/Semperit gibt – dieser Logik folgend – nun LeasePlan vor, welche Marken in ihren Leasingfahrzeugen montiert werden dürfen. „LeasePlan fordert marktwidrige Strukturen und kassiert, ohne dafür arbeiten zu müssen“, lautet das Klagelied von Marktteilnehmern. „Wir Reifenhändler verkommen zum Provider.“ Bei Nichterfüllung der Abnahmequoten werden 10 % des Handelswertes fällig, den sich wiederum die genötigten Händler von ihren Lieferanten holen wollen.
Das habe Goodyear-Dunlop-Tire zum Ausstieg aus dem Kontrakt bewogen, bestätigt Mitchell Peeters von der Österreich-Niederlassung. Bridgestone hingegen rechnet sich mit diesem Schritt in die Listung von LeasePlan eine positive Auswirkung auf die Marktanteilsentwicklung aus und zahlt entsprechende Listungsgebühren.
Goodyear wolle in seiner Aufgabe als Partner des Reifenfachhandels geeignete Strategien entwickeln, um die erreichte Marktposition abzusichern, erklärt Peeters. Der freie Reifenhandel kommt weiter unter Druck. LeasePlan beziffert das im Marktspiel der Kräfte befindliche Absatzvolumen mit rd. 70.000 Reifen.
Derartige Eingriffe in den Markt kennen die Lieferanten bereits aus dem Lkw-Flottengeschäft, wird allgemein hinzugefügt.
Unabhängig davon hat LeasePlan eine neue Ausschreibung für die kommenden zwei Jahre annonciert. Erstmals dabei: Pirelli!
Mit diesen Vorgängen bringt sozusagen eine „fremde“ Einkaufsmacht die bisherige Marktverteilung durcheinander. Kleinere werden marktführenden Markenlieferanten sozusagen vor die Nase gesetzt. Der freie Reifenhandel verliert weiter Einkaufsmacht und bekommt außerdem seinen bisherigen Kundenzugang erschwert.
Der bei Semperit für Leasing zuständige Wilhelm Krejci erklärt: „Eine Listungsgebühr ist nicht unüblich, wenn man im Produktportfolio bleiben will und wir wollen Partner von LeasePlan sein.“ Was die Absatzmittler betrifft, sind die sich ihrer Stärke noch nicht bewusst!

„Wir wissen, dass für den Reifenhandel eine Umstellung gegeben ist", erklärte Renato Eggner, Operations Manager und Mitglied der Geschäftsleitung von LeasePlan Österreich, auf Anfrage. „Es ist aber genügend Markenauswahl vorhanden, um alle Marktchancen in Verbindung mit LeasePlan abzudecken.“