Die Bedeutung der Causa ist der Verlagsleitung erst klar geworden, nachdem die Bundesinnung die Herausgabe ihres eigenen Mängelkataloges angekündigt hat. Noch dazu mit Mag. Karl-Heinz Wegrath, der die letzten 10 Jahre den Katalog inhaltlich verantwortete. Genau das bringt Geschäftsführer Thomas Zembacher (B.) in Rage und lässt ihn im Realisierungsfalle alle nur zur Verfügung stehenden Rechtsmittel gegen den Autor androhen. Wie seine Juristen diesen Standpunkt ohne Vertrag mit Wegrath rechtlich vertreten wollen, wird ebenso mit Interesse verfolgt werden wie die dahinter stehende Dienstleistungskonstruktion überhaupt.
Die „moralische Instanz“ Alt-Innungsmeister Alois Edelsbrunner vertraute auf Erhard Zagler, inzwischen entlassener Redakteur im Wirtschaftsverlag, der sich um die finanziellen Belange zur Finanzierung des Mängelkataloges hätte kümmern sollen. Sein Credo: „Der Katalog darf unsere Mitglieder nichts kosten.“ Die finanzielle Deckung dafür sollte aus dem ministeriell umflorten Pickerl-Schilling erfolgen. Herausgekommen ist eine signifikante Preiserhöhung für die Kfz-Betriebe – immerhin 5.800 ermächtigte §-57a-Betriebe.
Die Funktionäre treibt die Sturheit des Wirtschaftsverlages auf die Palme. Sie rechnen vor: Aus dem Pickerl-Schilling – bei aktuell 19 Cent von jährlich 6 Mio. verkauften Vignetten ist das ein Topf voll mit 1,1 Mio. € – werde vom Wirtschaftsverlag die Redaktion (Wegrath z. B.) bezahlt, 5.800 ermächtigte Fahrzeug-Begutachtungsbetriebe zahlen heuer extra 395 € pro Lizenz an den Verlag. Das Verlängerungsjahr gibt es für 365 €. Zusätzlich vermarktet der Verlag auf eigene Rechnung Inserate. Sozusagen eine eierlegende Wollmilchsau, kann sich jeder selbst ausrechnen.
„Mehr Leistung, mehr Qualität, mehr Möglichkeiten, Umsatz zu steuern“, steht es im Werbefolder des Anbieters. Alle diese Attribute nutze nur der Verlag, ätzt eine sich „übervorteilt“ fühlende Kundenschar.
Zembacher droht Ungemach. Er muss sich zwischen Umsatzverlust und Herausgeberinteressen neu positionieren: eine Bewährungsprobe für seine bislang besonnene und auf Korrektheit bedachte Geschäftsführung.