Der in der Sozialpartnerschaft verankerte "Interessenausgleich" ist an sich eine schöne Sache. In der Praxis wird er zuweilen zum Diktat: Beispielsweise dann, wenn die bei der jüngsten Wirtschaftskammerreform in das Korsett des Fahrzeughandels gezwängten freien Teilehändler Werbung für sich und die freien Werkstätten machen wollen. Ein solcher Vorstoß von BerufsgruppenobmannIng. Wolfgang Dytrich führte im Frühjahr zu heftigen Kontroversen mit übermächtigen Markenhändlerfunktionären, die Konkurrenz im eigenen Gremium witterten.

Mediales Echo

Schlussendlich konnten die Teilehändler zumindest eine entschärfte Kampagne durchsetzen. "Dadurch ist etwas in Bewegung gekommen", resümiert Dytrich nach den Schaltungen in der Tageszeitung "Heute", auf die redaktionelle Artikel in anderen Medien folgten: Ob "Konsument" oder "Format", die Endverbraucher wurden über den Garantieerhalt bei Servicearbeiten in markenfreien Betrieben ebenso informiert wie über die Tatsache, dass baugleiche Teile der Zulieferindustrie um nichts schlechter sind als jene mit Herstellerlogo.

Hinaus in die Bundesländer

Bestärkt durch diese Erfahrung, wollen Dytrich und sein Stellvertreter Walter-Michael Jordan ihren Einsatz intensivieren. Allerdings planen sie zur Mitte der Funktionsperiode einen Ämtertausch, sodass ab 2013 Jordan an vorderster Front stehen wird. Zu tun gibt es genug: Im Rahmen der Salzburger Fachmesse "AutoZum" wird sich die Bundestagung des Teilehandels mit der GVO-Umsetzung befassen, in Graz ist im März 2013 parallel zur "AutoEmotion" eine Informationsveranstaltung geplant. Weitere Tagungen in den Bundesländern könnten folgen. Schließlich gebe es zwischen Neusiedler See und Bodensee rund 1.000 Teilehändler in angemessener Größe, so Jordan. Da die Kammerstruktur aber nur in Wien eine Berufsgruppenvertretung vorsieht, können davon lediglich 250 direkt erreicht werden.

Musterverfahren in Frankreich

Darüber hinaus beobachten Dytrich und Jordan das internationale Geschehen. Aktuell sorgt beispielsweise Frankreich für brancheninterne Schlagzeilen: Dort haben die Behörden ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Kfz-Hersteller und Importeure eingeleitet. Sie vermuten Wettbewerbsverstöße, weil die Ersatzteilpreise zwischen 2000 und 2010 um 13 Prozent sowie die gesamten Reparatur-und Wartungskosten um 28 Prozent gestiegen sind. Dies könnte auf den Designschutz für sichtbare Karosserieteile, den behinderten Zugang zu Teilen und Informationen für unabhängige Marktteilnehmer, den Missbrauchvon Garantie-und Gewährleistungsbestimmungen sowie strikte Teilepreisempfehlungen zurückzuführen sein, argwöhnen die Wettbewerbshüter.

InÖsterreich kann von einer derartigen "französischen Revolution" noch nicht die Rede sein. Gewisse grundlegende Probleme gebe es aber auch hierzulande, beklagt Dytrich wiederkehrende Diskriminierungen seiner Standeskollegen: Nötig sei ein Umdenken, "bevor es auch in Österreich so weit kommt wie in Frankreich".