Mit einem Missverständnis will Mag. Ing. Johann Jobst, seit 4 Jahrzehnten Autohändler und seit 13 Jahren Obmann des Verbands Österreichischer Kfz-Betriebe (VÖK), gleich zu Beginn aufräumen: dass Händlerverbände ausschließlich Kampforganisationen zum Durchkreuzen der jeweiligen Herstellerpläne seien. "Nicht permanente Konfrontationen sind das Ziel, sondern tragfähige Lösungen für beide Seiten", sagt Jobst. Diese seien schlussendlich auch im Interesse der Importeure: "Zufriedene Kunden gibt es nur mit zufriedenen Händlern und nur zufriedene Händler sind erfolgreiche Händler."

Wenige Verbände

Zu dieser Erkenntnis hat sich freilich noch nicht jede Importorganisation durchgerungen. Das zeigte sich zuletzt im vergangenen Herbst, als bei zwei japanischen Marken die Gründung von Händlerverbänden scheiterte. In Summe gibt es derzeit zwar rund 20 größere Automarken, doch nur 12 Händlerverbände -von denen wiederum zwei (Toyota und Chevrolet) nur mehr am Papier existieren. In Deutschland ist der Organisationsgrad der Branche dagegen viel höher.

Freilich existieren auch Gegenbeispiele wie dieösterreichischen Peugeot-,Fiat-oder Opel-Vereine: Sie haben allesamt kürzlich Verhandlungserfolge für ihre Mitglieder errungen.

Unterstützung bei der Vereinsgründung

"Bei der Gründung neuer Händlerverbände sind wir mit Rat und Tat zur Stelle", unterstreicht Jobst die Aufgabe des VÖK, der als Dachverband der Markenvereine fungiert. Die Unterstützung reiche von Informationsveranstaltungen bis hin zu konkreten Anleitungen für die Vereinsgründung. "Der Impuls muss freilich aus einer Händlerorganisation selbst kommen", so Jobst: Das erfordere zumindest eine Handvoll an Unternehmerpersönlichkeiten, die bereit seien, sich für das Wohl der Markenkollegen einzusetzen.

Händlerrechte in Gefahr

Zu tun gibt es genug. "Viele Errungenschaften, die dem Fahrzeughandel bisher ein Mindestmaß an Planbarkeit und Zukunftssicherheit gewährt haben, werden ab dem 1. Juni 2013 nicht mehr gelten", verweist Jobst auf das bevorstehende Auslaufen der Kfz-GVO. Die EU beschäftige sich kaum mit dem Los der Branche, was sich zuletzt an der eineinhalb Jahre lang verzögerten "Frage-und Antwortsammlung" zur Service-GVO gezeigt habe: "Entweder ist die Kfz-Branche für die EU-Kommission völlig uninteressant oder aber der Einfluss der Hersteller ist so groß, dass die Informationen bewusst erst möglichst spät herausgegeben wurden."

"Auf Sachebene sprechen"

Wenngleich Jobst wie viele andere Brancheninsider auf die (nach wie vor eines parlamentarischen Beschlusses harrende) Kfz-Mittelstandsinitiative hofft, steht für ihn fest, dass markenintern ausgehandelte Lösungen an Bedeutung gewinnen werden. Themen wie Kündigungsschutz, Mehrmarkenvertrieb oder Garantie-und Gewährleistungsvergütung lassen zweifellos die Standpunkte von Importeuren und Händlern aufeinander prallen. "Gut geführte Händlerverbände zeichnen sich aber dadurch aus, dass auch über solche Dinge auf der Sachebene gesprochen werden kann", so Jobst. "In 8 von 10 Fällen" würden Groß-und Einzelhandel aber an einem Strang ziehen - etwa bei der Aktionsplanung, beim Marketing oder bei der Optimierung von Logistik und Kommunikation: allesamt Dinge, bei denen laut Jobst Händler wie Importeure gleichermaßen von einer organisierten Standesvertretung profitieren.