Der fehlende Baustein

Der fehlende Baustein

Effizienzdruck und rasche technische Weiterentwicklungen bringen die duale Lehre an ihre Grenzen. Zusatzmodule in Kooperation mit Lackherstellern wie Axalta sollen entstehende Lücken für angehende Karosseriebauer und Lackierer schließen.

Drei Tiroler Lehrlinge und eine Gesellin sind im Axalta Refinish Training Center (RTC) in Traiskirchen zur Fortbildung angetreten. Sie sind die "Testgruppe" für die Axalta Lehrlings-Akademie. Als Trainer sind die für Tirol zuständigen Kundenbetreuer Wolfgang Gruber (Anwendungstechniker) und Thomas Kiefler (Fachberater) im Einsatz. Der Grundgedanke: Lehrlingen wird an drei Tagen pro Lehrjahr in Theorie und Praxis Wissen und Kompetenz des Lackierens vermittelt und vertieft -das duale System wird zum "trialen". Die Themen reichen von der Werkstoffkunde über Farbenlehre bis hin zur spezifischen Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.

Der Tiroler Landesinnungsmeister Elmar Schmarl ist mitgekommen nach Traiskirchen -er istüberzeugt davon, dass es vertiefende Lehrgänge für die Jungen braucht. "Wer motiviert ist und Interesse zeigt, muss besonders gefördert werden", so sein Credo.

Auch der Leiter des RTC, Harald Dögl, ist überzeugt, dass die Weiterbildung ein Segen für Betriebe und Schulen ist. Je mehr im Betrieb Effizienz gefordert ist, um wirtschaftlich überleben zu können, desto weniger Zeit bleibt, auf den Lehrling individuell einzugehen. Auch in den Berufsschulen ist aufgrund schnell fortschreitender Technologie, voller Lehrpläne und steigender Komplexität die Zeit knapp. "Auch die Berufsschullehrer werden bei uns hier im Axalta Trainingszentrum weitergebildet", so Dögl, der auf das umfassende Programm an Aus-und Weiterbildungen -vom Dellendrücken bis hin zum ganz neuen Chromlackseminar,bei dem die CSM- Technologie geschult wird -verweist.

Vorbild Baubranche Schmarl denkt lautüber Akademie-Systeme wie im Spitzensport nach, mit Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen. Auch der Bausektor zeige mit den Bau-Akademien vor, wie man motivierte und talentierte Lehrlinge vertiefend fördern könne. Dort würden die Lehrlinge ein zusätzliches Ausbildungsmonat pro Lehrjahrabsolvieren, so Schmarl. Finanziert werde das durch eine Art Topfsystem: Alle Betriebe zahlen ein; wer seinen Lehrling zur Weiterbildung schickt, bekommt eine Entschädigung für die Zeit, die der Lehrling nicht im Betrieb ist.

Für die Karosseriebetriebe gibt es noch keine solche Finanzierung. Aber der Bund schütte eine Förderung von 2.000 Euro pro Lehrling aus, die man für Weiterbildungen verwenden könne. "Allerdings müssen wir auch da den Chefs helfen und die Antragstellung vereinfachen – schon dafür ist oft wenig Zeit, die Bürokratie macht die Sache kompliziert."