Oldtimer: Was ist ein Original?

Oldtimer: Was ist ein Original?

Durch den jährlich wachsenden Kfz-Bestand steigt auch die Zahl jener Fahrzeuge, die entgegen dem normalen Lebenszyklus nicht in der Schrottpresse landen.

Doch wann und welche können und sollen zu Oldtimern geadelt werden? Das wurde bei einem Round Table erörtert. "Wenn wir morgen noch Oldtimer fahren wollen, müssen wir sie jetzt als Kulturgüter schützen, das müssen wir auch der Regierung klarmachen", sieht Komm.-Rat Franz Steinbacher bei diesem Thema die Politik in der Pflicht. Vorerst soll es jedoch auf Expertenebene erörtert werden. Denn die Erhebung in diesen "Adelsstand" hängt in erster Linie von einem entsprechenden "Adelsbrief" ab. Und den stellen in der Regel Kfz-Sachverständige in Form entsprechender Gutachten aus.

Für diese erhebt sich jedoch die Frage, nach welchen Kriterien sie ihre Gutachten erstellen sollen. Es geht um Kriterien, die im Streitfall auch von Gerichten und Verwaltungsbehörden akzeptiert werden. Als ersten Schritt hat der Kfz-Sachverständigenverband unter der Federführung von Dr. Wolfgang Pfeffer dafür einen Round Table veranstaltet.

Endziel ist es, eine Richtlinie zur Originalität von historischen Fahrzeugen zu schaffen. Unter Berücksichtigung, wofür das jeweilige Gutachten dient: zur Typisierung im verwaltungsrechtlichen Verfahren, als Privatgutachten zur Einstufung bei einer Versicherung oder als Wertgutachten zum Ankauf eines historischen Fahrzeugs. Davon hängen derAufwand für diese Gutachtenserstellung, die Haftung und letztlich auch die Kosten ab. "Die bisherige Werteskala ist da zu wenig, es wird eine möglichst genaue Abstufung erforderlich sein", zeigt Pfeffer die Marschrichtung des dafür frisch ins Leben gerufenen Arbeitskreises vor.

Direkt aus dem Werk, ohne Ersatzteile

"Der 'Originalzustand' ist der meist missverstandene Begriff in der Branche", sagt Steinbacher: Denn diesen gibt es nur einmal. "Wenn einer nachgearbeitet hat, kann es kein 'Original' mehr sein." Faktisch gilt der Begriff nur für Fahrzeuge, die direkt aus dem Werk kommen, die mit dem Originallack und ohne Ersatzteiltausch überlebt haben. "Das wirft vor allem bei Sportwagen eine Menge Probleme auf." Aus seiner Sicht wird eine Abstufung des Grades der "Originalität" erforderlich sein. Im Gegensatz zu den sonst gesammelten Kunstgegenständen handelt es sich bei Oldtimern letztlich um ehemalige Gebrauchsgegenstände. "Da gibt es über Jahrzehnte Beschädigungen, daher muss auch die Qualität der Instandsetzung stets mitberücksichtigt werden."

Anhaltspunkte liefert dazu die sogenannte "FIVA- Charta von Turin". Da hat die "Fédération Internationale des Véhicules Anciens" als Weltverband der Oldtimer-Clubs 2012 einen Leitfaden zur Beurteilung von Oldtimern erarbeitet. "Um den Fahrzeugbesitzern nachhaltige und sinnvolle Entscheidungen zu ermöglichen", erläutert Mag. Christian Schamburek als Generalsekretär des "Kuratoriums Historische Mobilität Österreich" diese Charta. "Da gibt es noch immer viele Unsicherheiten, für die man entsprechende Kriterien schaffen muss."

Welche Autos sind als historisch zu genehmigen?

"Was wir bei der Behörde zu sehen bekommen, sind Gebrauchsgüter", verweist Hofrat Dipl.-Ing. Georg Hönig vom Amt der NÖ-Landesregierung auf die Zielsetzung der Überprüfung. "Wie überprüfen wir diese und was ist davon als 'historisch' zu genehmigen?" Das können in den Standardfällen - etwa bei einem VW Käfer Baujahr 1960 - die Überprüfer selber entscheiden. "Nur bei seltenen Fahrzeugen wird ein Sachverständigengutachten erforderlich sein." Wobei er diesen rät, dabei der Fahrgestellnummer besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Vor allem England, das "Mutterland" der Oldtimer, ist bei Fälschungen ein beliebtes Einfallstor in die EU. "Dort herrscht die echte Zulassungsanarchie", sagt Steinbacher. Laut seinen Erfahrungen wandert dort "die Zulassungsnummer mit dem Motor mit". Das bedeutet, dass das übrige Fahrzeug durchaus kein Original sein muss - sofern es nur einen Motor mit der Originalnummer hat.

Steinbacher rät daher, beim Import derartiger "Originale" auf der Hut zu sein. Die Originalität lässt sich - wenn überhaupt - nur an der Fahrgestellnummer erkennen. "Bei einer Überprüfung kann es dann durchaus sein, dass die Eigentümer nachträglich die historische Zulassung verlieren."

Warnung vor Fälschungen

"Die Motornummer ist wie eine Urkunde", warnt Rechtsanwalt Mag. Günter Lippitsch - selbst ein Porsche-Sammler - vor den strafrechtlichen Folgen von Fälschungen und Verfälschungen. Vorsicht sei auch bei einer Oldtimer-Zustandsklassifizierung als "Stufe drei" geboten.

Die sollte der Sachverständige ohne entsprechende §57a-Überprüfung vermeiden. "Die besagt 'Verkehrs- und Betriebssicherheit' - dafür haftet er dann auch." Im Kaufvertrag sollte ohne genaue Überprüfung lieber eine Formulierung wie "Plakettengutachten liegt bei" verwendet werden.

Der Fälschungs-Krimi

Parallel zum Zuwachs an Old- und Youngtimern stieg auch die Zahl der Liebhaber und Sammler. Viele sehen Oldtimer als eine lukrative Anlage - ohne eine Ahnung von Kfz-Technik und ohne Marktkenntnisse. Das ruft auch Kriminelle auf den Plan, die das ausnützen und Klassiker dreist manipulieren. Damit hat auch die Zahl der Auseinandersetzungen stetig zugenommen. Aber auch bei Verlassenschaften und Insolvenzen geht es darum, den Wert derartiger Fahrzeuge verlässlich zu beurteilen. Und letztlich auch, wenn um die Wertminderung nach einem Verkehrsunfall prozessiert wird. Ausgehend vom "Original" gibt es eine breite Palette von "Fälschungen". Das beginnt bei "Fälschungen aus dem Nichts", bei denen überhaupt nichts "original" ist. So wurde 2013 in Spanien eine Fälscherbande ausgehoben, die zahlreiche Sportwagen kopiert hat. In ihrem Betrieb wurden 17 Karosserien von Ferrari F430 und 458 Italia sowie zwei Aston Martin beschlagnahmt. Die Autos wurden um 40.000 Euro auf Websites angeboten und hätten im Original 200.000 Euro gekostet. Komm.-Rat Franz Steinbacher verweist auf vier spektakuläre Fälle, die noch gerichtsanhängig sind. In zwei Fällen wird jeweils um 2 Millionen Euro gestritten. "Alle laufen schon mehr als drei Jahre - mit divergierenden Gutachten" - für Steinbacher eine Folge nicht eindeutiger Standards bei der Oldtimerbeurteilung. Bei einem handelt es sich um einen Mercedes SSK aus 1929. In einem anderen Fall geht es um einen Jaguar, der um 370.000 Euro seinen Besitzer gewechselt hat. Verkauft durch einen deutschen Händler, hat ihn der stolze Käufer als Original nach Österreich importiert. Tatsächlich wurde das gute Stück aus Fragmenten in Holland zusammengebaut. "Da war alles gefälscht; auch die Motornummer war herausgeschliffen." So war es aus Steinbachers Sicht letztlich reiner Zufall, dass dem Käufer dieser Schwindel aufgefallen ist. "Rekonstruktion" ist die elegante Umschreibung für Neubau, Nachbau und Fälschung. Generell ist dies nichts Verbotenes. Auch Eigentümer teurer Originale geben diese in Auftrag. "Bei Rallyes sind solche oft unterwegs", stehen derartige "Zwillinge" beim Eigentümer brüderlich in der Garage. "Mit derselben Fahrgestellnummer und entsprechender Patina werden sie in 20 Jahren schwer zu unterscheiden sein". Für Steinbacher sind da nicht die Werkstätten, sondern die Kunden die Bösewichter. Die geben den Auftrag und veredeln dann anschließend den Nachbau mit der passenden Fahrgestellnummer. Beliebt sind da etwa die Mercedes 300SL Flügeltürer. Die wurden schon vor langer Zeit in Ostdeutschland ganz offiziell auf VW-Basis nachgebaut. "Es ist unwahrscheinlich, was in Amerika alles nachgebaut wird." Nach Ansicht von Steinbacher geht es immer darum, dass dies vom Verkäufer offen deklariert wird. Nicht nur gegenüber dem Käufer, sondern auch beim Zoll. Denn der schaut sich derartige Importe sehr genau an. "Schon vor 20 Jahren hat man aus eins drei gemacht", verweist er auf die vielen Bugatti, die unterwegs sind. "In jedem ist ein Stück Bugatti drinnen." Große Vorsicht ist bei Restaurierungen daher auch bei den Ersatzteilen geboten. "Da sind schon mehr Nachbauten als Originale unterwegs." Diese kosten nur einen Bruchteil und werden von den "Fälschern" als Original angeboten. Nach den Erfahrungen von Komm.-Rat Ing. Werner Fessl haben auch die Werke bei den "Historischen" kräftig nachgearbeitet. "Die haben oft nur lückenhafte Aufzeichnungen." Daher lässt sich etwa bei Ferrari bei manchen Modellvarianten kaum nachprüfen, wie viele davon überhaupt produziert wurden. So kann es sein, dass von ursprünglich fünf Stück nun zehn als "Originale" unterwegs sind. Das betrifft nicht nur teure Marken. Es wurden nie so viele Mini-Cooper produziert, wie unterwegs sind. Kein Problem hat Steinbacher mit deklarierten Repliken. "Wenn die älter als 30 Jahre sind, können sie als 'historisch' zugelassen werden." Kritisch wird es nur bei "Rekonstruktionen". Wo beginnt da die Fälschung? Da bleibt als Maß aller Dinge das Original. "Alles dahinter muss man entsprechend abstufen."