Kompetenz schlägt Preis

Kompetenz schlägt Preis

Die Komplexität und Vielfalt der Schmierstoffe erfordern hohe Kompetenz der Werkstätten. Hier sind sich die etablierten Anbieter einig und unterstützen ihre Kunden. Das klärte unsere Umfrage; nur online in voller Länge inklusive aller Fragen.

A&W: Auf der einen Seite steigen Preistransparenz und Preissensibilität, auf der anderen Seite wachsen Anforderungen und Leistungsfähigkeit bei den Schmierstoffen. Wie können die Werkstätten diese aufgehende Schere geschlossen halten und wie können Sie die Betriebe dabei unterstützen?

Günther Katzengruber, Total: Vernünftige Spannen wird man auch in Zukunft mit vernünftigen Produkten erwirtschaften. Unsere Produkte haben natürlich dementsprechende Freigaben und unsere Strategie, unsere hochwertigen Produkte nicht in Supermärkten zu verschleudern, helfen den Partnern, die Erträge auch in Zukunft zu lukrieren.

Miso Curcic de Jong, Lukoil: Wir sehen hier eine große Chance in der Digitalisierung unsere Services und neuen Produkt-Innovationen. Mit dem neuen BiB-System helfen wir den Werkstätten, Geld&Platz zu sparen und reduzieren den Müll. Durch unseren Neuen B2B Shop können unsere Partner auf einfachste Weise ihre Bestellungen tätigen. Darüber hinaus werden wir ein iLearning Tool auf den Markt bringen, welches den Mitarbeiter in Werkstätten und unseren Partnern den Zugang zum Schmierstoff Know-how auf einfachste Weise zugänglich macht.

Thomas Paukert, Liqui Moly: Mit unseren Additiven kann die Werkstatt individuelle Servicepakete für den Kunden schnüren. So kann sie aus einem schnöden Ölwechsel einen Performance-Ölwechsel machen, bei dem der Ölkreislauf zuerst mit der Pro-Line Motorspülung gereinigt wird, dann der Ölwechsel gemacht wird und anschließend noch Cera Tec als Verschleißschutz ins Öl gegeben wird. Dafürbezahlt der Kunde einen Paketpreis, was den Preisdruck beim Öl verringert.

Wolfgang Schneider, Motorex: Im Jahr 2019 haben wieder jede Menge an Änderungen und Neuerungen bei Herstellerfreigaben und Ölspezifikationen stattgefunden. Eine fundierte Beratung der Werkstätten seitens der Schmierstoffhersteller ist damit umso wichtiger. Werkstätten sollten dieses Wissen dementsprechend ihren Kunden weitergeben. Dann rückt das Preisthema eher in den Hintergrund. Der Preis rückt eher dann in den Vordergrund, wenn die Beratung ausbleibt.

Andreas Obereder, Castrol: Durch die zunehmende Komplexität in der gesamten Branche ist es wichtig, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, der immer dann unterstützen kann, wenn es notwendig ist. Hier ist es meines Erachtens auch wichtig, dem Kunden die Unabhängigkeit zu bewahren und die Abhängigkeit von Konzernen gering zu halten. Auch in schwieriger werdenden Zeiten ergeben sich Chancen für jeden Betrieb, die es gilt herauszuarbeiten. Hier spielen wir wiederum eine wichtige Beraterrolle, um auch langfristig das Überleben eines Betriebes zu sichern.

Armin Bolch, Motul: Am Ende des Tages entscheidet die Werkstatt, welches Öl beim jährlichen Ölwechsel eingefüllt wird. Der Kunde bezahlt in dem Fall gleichermaßen das Know-how, die Beratung und den Service mit. Wir verstehen uns hier als Konzeptanbieter mit einem Rundum-sorglos-Paket für unsere Kunden: Das fängt beim Thema Getriebespülung an, wo unser MotulEvo-Konzept bereits fest etabliert ist und nicht nur Produkte, sondern auch technische Schulungen und eine umfassende Datenbank beinhaltet. Es geht weiter mit dem Umweltkonzept "Das Grüne Dach", welches Arbeit übernimmt, die sonst von Werkstätten gemacht werden muss. Auch hier werden Werkstätten in Bezug auf Entsorgungs- und Umweltaspekte geschult. Unsere modernen Hybridöle, die ein neues Ölzeitalter einläuten, schließen das Angebot unseres Rundum-sorglos-Paketes ab.

Gernot Wendl, Haberkorn: Gleichzeitig mit den steigenden Anforderungen steigen auch die Komplexität und die Motorölvielfalt. Werkstätten können mit Kompetenz bei der korrekten Produktauswahl ihren Mehrwert gegenüber dem Kunden demonstrieren. Wir unterstützen unsere Kunden dabei mit dem Shell Eco-Pack Ölregal, welches eine Vielzahl an Motorölen auf engstem Raum bereithalten kann und dem Kunden gegenüber die Komplexität und Vielfalt der Motoröle anschaulich demonstriert.

Reinhold Amschl, Fuchs: Wir möchten nicht, dass unsere Kunden hier in die "Nur-der-Preis-zählt"-Falle stolpern. Daher bieten wir als einer der wenigen direkt noch vor Ort befindlichen Schmierstoffproduzenten entsprechende Betreuung und Unterstützung über unseren Außendienst. So können wir auch durch unsere Kundenberater das hohe technische Wissen über unsere Produkte an unsere Partner transferieren. Die Komplexität der Anforderungen und die Leistungsfähigkeit eines Schmierstoffes darzustellen ist durch die fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiter gewährleistet. Die Unterstützung durch eine starke Marke mit herausragenden Produkten ist heute für die Fachwerkstatt von essenzieller Bedeutung.

Magdalena Donaubauer, MaierKorduletsch: Die Preissensibilität steigt, da stimme ich Ihnen zu. Bei der Preistransparenz hingegen sehe ich eine andere Entwicklung. Denn deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Produkten am Markt erschweren den Preisvergleich. Und dieser macht nur dann Sinn, wenn auch die richtigen Qualitäten gegenübergestellt werden. Hier müssen die Werkstätten ansetzen, denn man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Deshalb wird die Öl-Beratung immer wichtiger. Premiumprodukte haben zwar einen höheren Preis, aber auch eine andere Leistungsfähigkeit und Sicherheit beim Kunden. Das müssen die Werkstätten erklären und anschaulich vermitteln können. Dabei unterstützen wir unsere Kunden mit Beratung und Schulung sowie passendem Marketingmaterial.

Gerhard Graf, LSA: Händler müssen ihre Bemühungen fortsetzen und intensivieren, um Kunden an ihre Werkstätten zu binden. Neben der optimalen Nutzung der digitalen Medien müssen die Händler in der Lage sein, ihren Kunden den Wert ihrer Leistungen/Services und Reparaturarbeiten demonstrieren zu können. Unter dem Druck unbedingter Preis- und Kostenführerschaft wird teilweise eine regelrechte qualitative Abrüstung betrieben. Den Wettlauf um die niedrigsten Kosten kann man nicht gewinnen, weil jeder Vorsprung nur von kurzer Dauer ist. Langfristig erfolgreich wird ein Unternehmen erst dann, wenn es neben der Kostenseite auch die dem Kunden zugewandte Seite seines Geschäfts, die Ertragsseite, systematisch unter Kontrolle bringt. Dazu müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden:

• Schaffung einer stabilen Nachfrage nach der spezifischen eigenen Leistung;

• Stabilisierung der eigenen Preispositionierung und damit verbunden die Zahlungsbereitschaft der Kunden für den Wert der erbrachten Leistung.

Wir möchten nicht nur sehr hochwertige Schmierstoffe verkaufen, denn hier hört unser Leistungs-Portfolio nicht auf. Auch bieten wir die entsprechenden Konzepte an, um unsere Kunden zu unterstützen, die höchste Wortschöpfung aus dem Öl-geschäft generieren zu können.

Wie wirkt sich die fehlende Rückwärtskompatibilität der Schmierstoffe (vor allem bei älteren Fahrzeugen in freien Werkstätten) bei Kundenberatung, Lagerhaltung und Logistik aus?

Schneider, Motorex: Die Freigaben der Hersteller nehmen zu. Jedoch können Werkstätten bei Motorex mit dem 20-Liter-Bag-in-Box-System die notwendigsten Öle, ohne zu hohe Lagerkosten und gebundenes Kapital, in Kleinmengen lagern. Darüber hinaus beliefert unser Partner, die Fa. Derendinger, ihre Kunden mehrmals am Tag auch mit den aktuell benötigten Ölen und genau in der gewünschten Menge.

Paukert, Liqui Moly: Noch lässt sich das halbwegs gut handhaben, weil viele Automodelle mit besonders exklusiven Schmierstoffspezifikationen noch nicht im freien Aftermarket angekommen sind. Aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Wir beraten Werkstätten bei der Zusammenstellung eines maßgeschneiderten Ölsortiments, mit dem sich, abgestimmt auf ihren individuellen Kundenstamm, möglichst viele Fahrzeuge mit möglichst wenig verschiedenen Ölen abdecken lassen. Wichtig ist, dass Werkstätten verinnerlichen, dass heutzutage Öl ein flüssiges Ersatzteil ist, das genau zu dem jeweiligen Motor passen muss. Falsches Öl einzufüllen ist wie ein falsches Ersatzteil einzubauen: Pfusch, für den die Werkstatt haftbar gemacht wird. Unser Ölwegweiser auf www.liqui-moly.at sagt mit wenigen Klicks, welches Öl für welches Modell das richtige ist.

Wendl, Haberkorn: Die fehlende Rückwärtskompatibilität ist ein Segen für das Schmierstoffgeschäft der Werkstätten, weil ihre Kompetenz bei der Auswahl des korrekten Motoröls gefragt ist. Wir sehen das als Chance. Die Kundenberatung wird dadurch natürlich auch aufwendiger, weshalb wir unsere Kunden eingehend schulen. Für die herausfordernde Lagerhaltung haben wir mit dem Shell EcoPack Ölregal eine perfekte Lösung, um zahlreiche Öle auf engstem Raum bereit zu halten. Zusätzlich profitieren unsere Kunden von einem 24-Stunden-Lieferservice.

Bolch, Motul: Aufgrund der immer weiter steigenden Komplexität beim Thema Rückwärtskompatibilität werden unsere Mitarbeiter im Außendienst hervorragend geschult, um der Werkstatt die passgenaue Produktpalette an die Hand zu geben. Der Werkstattleiter muss sich deshalb keine Gedanken mehr machen, sondern stellt sich sein Sortiment mithilfe unseres -Außendienstes quasi selbst zusammen.

Graf, LSA: Mobil 1 Schmierstoffe haben nach wie vor eine große Freigabenbandbreite pro Produkt, somit können durch den Einsatz von einigen wenigen Mobil 1 Schmierstoffen ein Großteil der Fahrzeuge ordnungsgemäß den Betriebsstoffvorschriften gewartet werden.

Curcic de Jong, Lukoil: Wir tragen der unvermeidlichen gestiegenen Komplexität mit neuen Gebinden Rechnung, siehe BiB-System. Diese ermöglicht dem Werkstätten-Partner, auch für exotische Anwendungen das richtige Öl in ausreichenden Mengen und kompakter Form lagernd zu haben. In jedem Fall sind die neuen Produkte ohne Rückwärts-Kompatibilität für Fahrzeuge, wo so ein Produkt nicht vorgeschrieben ist, nicht verwendbar. Eine Verwendung dieser modernen Produkte für alte Motoren kann zu Verschleißproblemen und im schlimmsten Fall zu Motorschäden führen. In jedem Fall ist die Herstellerempfehlung, über die sie sich gerne bei unserem technischen Dienst (technics.lubes@eu.lukoil.com) informieren können, maßgeblich.

Donaubauer, MaierKorduletsch: Um die Bedürfnisse der verschiedensten Kunden zu erfüllen, benötigen Werkstätten heute weitaus mehr verschiedene Motoröle als früher, das heißt die Kompetenz der Werkstatt gewinnt an Bedeutung. Kundendienstberater, die ihr Wissen um das richtige Motoröl dem Kunden vermitteln, sind gefragt. Mit unserer Kompetenz und Erfahrung als Schmierstoffhändler stehen wir den Werkstätten beratend zur Seite und stärken mit Schulungen die Serviceorientierung und das Schmierstofffachwissen der Werkstätten. Die herstellerspezifische Freigabenvielfalt bei den Motorölen verändert die Bewirtschaftung in den Werkstätten. Die zu bevorratende Produktvielfalt nimmt zu und die Lagermengen je Produkt sinken. Neue Lösungen mit kleineren Gebinden sind gefragt. Hier punkten wir mit der MobilBoxx sowie unserem Oiltainer System als zukunftsweisende, nachhaltige und umweltfreundliche Bewirtschaftungssysteme. Auf kleinem Raum kann so eine große Vielfalt an verschiedenen Motorölen praktisch bereitgestellt werden. -Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Logistik. Dank eigenen Logistikzentrums mit hoher Sortimentsbreite und kurzen Lieferwegen können wir unsere Kunden optimal unterstützen.

Amschl, Fuchs: Die fehlende Rückwärtskompatibilität ist ein Punkt, der absolut zu beachten ist. Für Motoren, die technisch nicht für diese Hightech--Schmierstoffe gebaut worden sind, würde eine falsche Befüllung nicht unbedingt zur Kundenbindung führen. Die Fass- und Tankmengen sind in Bezug auf Sorten stark zurückgegangen. In der modernen Werkstatt stehen heute meist nur mehr 2 bis 3 Hauptsorten. Oft bestellen die Kunden die Menge fahrzeugspezifisch, die sie für das Fahrzeug benötigen. Auch hier können wir mit entsprechendem Produktportfolio und Auslieferungsstandort direkt in Österreich punkten. Dazu kommen bei dieser Thematik immer mehr unserer Autoteilehändler ins Spiel. Aufgrund des oft sehr guten Spezialproduktsortiments sind diese der zuverlässige Partner für Fuchs Premiumprodukte vor Ort. So können sich unsere Kunden und Fachwerkstätten das vorgeschriebene Öl blitzschnell, in exakt der Menge, die sie benötigen, bei ihrem Autoteilepartner abholen.   

Katzengruber, Total: Die Logistik für unsere Kunden übernehmen wir. Wir beliefern ja auch österreichweit unsere Kunden zwei Mal pro Woche sowohl mit gepackter Ware als auch mit Tankware, und das ist aus unserer Sicht ausreichend. Die Anzahl der verschiedenen Schmierstoffe wird aber weiter steigen – gibt es ja gefühlt für jeden neuen Motor ein eigenes Motorenöl. Hier ist eine technische Unterstützung unserer Kunden sowohl mit dem Außendienst-Mitarbeiter vor Ort, aber auch mit unserem -Techniker wichtig.

Obereder, Castrol: Wiederum wird es wesentlich komplexer für den Anwender. Dieser kann im Schmierstoff-Freigaben-Dschungel nicht mehr den Überblick behalten, da es ja zusätzlich auch noch etliche Ausnahmen gibt. Deswegen sind unsere Experten speziell auf die Bedürfnisse im Autohaus geschult: Sollte einmal unser Außendienst nicht weiterwissen, haben wir intern noch mehrere Möglichkeiten, die Anforderungen noch abzuklären. Es muss hier ein Schmierstoffkonzept für jeden Kunden erstellt werden, damit keine Unklarheiten für den Mechaniker auftreten, welches Öl für welches Fahrzeug benötigt wird.

Von welchen Neuheiten bei Produkten, Dienstleistungen bzw. beim Marketing können Ihre B2B-Kunden aktuell bzw. in naher Zukunft profitieren?

Wendl, Haberkorn: Wir haben vor Kurzem den H-Level Füllstandsensor eingeführt. Die innovative Plug-and-play-Lösung kann auf jedem Tank montiert werden – ohne Kabel, ohne Bohren, ohne Schrauben. Die Werkstatt erspart sich das ständige Kontrollieren des Inhalts und eliminiert das Risiko leerzulaufen. Über PC, Laptop, Tablet oder Smartphone kann der aktuelle Füllstand eingesehen werden. Das Gerät informiert bei Erreichen eines vorher definierten Levels per E-Mail oder kann auf Wunsch sogar selbstständig bestellen.

Katzengruber, Total: Wir sind gerade dabei, unsere Gebinde den steigernden Anforderungen anzupassen – mit einem groß angelegten Projekt werden sämtliche Flaschen modernisiert, leichter gemacht, aber auch vor Fälschungen sicherer gemacht. Unsere Kunden können ab dem 2. Quartal 2020 damit rechnen und wir hoffen, dass die neuen Verpackungen Gefallen finden.

Curcic de Jong, Lukoil: Mit dem neuen Bag-in-Box-System haben wir einen weiteren großen Schritt in Richtung nachhaltige Produktion gemacht. Durch das innovative Verpackungssystem für Motorschmieröle wird der Plastikverbrauch um 90 Prozent reduziert. Die Verantwortung gegenüber Mensch und Natur ist fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie von LUKOIL und wird in sämtlichen Bereichen schrittweise umgesetzt. Zusätzlich werden wir die Digitalisierung vorantreiben. Unser Ziel ist es, durch unsere Services und E-tools unseren Kunden einen Mehrwert zu bieten. Schon jetzt haben wir alle unsere Produktkataloge als E-folder (www.LUKOILfolder.com) verfügbar. Weitere Online-Tools wie B2B Shop, iLearning Plattform für Werkstätten-Mitarbeiter und unsere Partner folgen in Kürze.

Paukert, Liqui Moly: Wir haben gerade mit dem Top Tec 4410 ein Motoröl herausgebracht, das speziell für aktuelle Modelle von Renault entwickelt wurde. Außerdem gibt es seit Kurzem für einige Modelle von Honda, Lexus, Suzuki und Toyota das Special Tec AA 0W-16, unser bislang dünnflüssigstes Motoröl.

Schneider, Motorex: Wir werden im Jänner 2020 wieder neue Produkte mit neuen Herstellerfreigaben auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um Treibstoff sparende Leichtlauföle, die mithelfen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Nach wie vor werden wir unser Bag in Box System – zur vereinfachten Lagerhaltung – weiter beratend anbieten. Und natürlich beraten wir unsere Partner betreffend DYNCO. (Automatikgetriebeöl Wechselgerät)

Obereder, Castrol: Neben unserer Hauptmarke Castrol bieten wir auch die Marke ARAL für unsere Kunden an. ARAL ist in Österreich noch immer eine sehr bekannte Marke und mit unserer Lieferlogistik ist die Verfügbarkeit in Österreich auch gesichert – trotz Lubrizol-Additiv-Engpass in der gesamten Branche. Wir sind im Aufbau von einer Bestellplattform für unsere bestehenden Kunden, damit die letzten Lieferungen jederzeit einsehbar sind und Bestellungen leicht und schnell vollzogen werden können. Das heißt aber nicht, dass wir den Außendienst abbauen wollen, sondern im Gegenteil, wir suchen derzeit neue Mitarbeiter für den Ausbau unserer Mannschaft im Vertrieb. Im Jahr 2020 werden wir ebenfalls unser Tankmanagementsystem für Schmierstoff- und AdBlue-Tanks launchen, welches uns ermöglicht, die Lagerhaltung des Kunden zu optimieren. Ziel ist es, keine Leerstände zu verursachen und auch die Routen für die Belieferung so zu optimieren, damit so wenig wie möglich Treibhausgase produziert werden müssen. Natürlich soll es für den Kunden einfacher werden, der sich dann nicht mehr um die Nachbestellung kümmern muss, sondern bei Wunsch automatisch beliefert wird.

Graf, LSA: Wir sehen weiter das Mobil 1 Werkstattprogramm – welches bereits 2015 gegründet wurde und bereits über 4.000 Teilnehmer in 28 europäischen Ländern hat – als wichtigen Baustein zur Unterstützung unserer Kunden. Die Partner profitieren neben der herausragenden Qualität von Mobil 1 vor allem von technischen und verkaufsfördernden Trainings sowie exklusiven Marketingmaterialien. Betreffend Produktneuheiten gab ExxonMobil auf der IAA 2019 die weltweite Markteinführung von Mobil EV bekannt. Das Angebot umfasst eine ganze Produktreihe von Fluiden und Schmiermitteln, die auf die sich wandelnden Anforderungen der Antriebstechnik von batterieelektrischen Fahrzeugen zugeschnitten sind. Prognosen zufolge werden Plug-in-Hybride, batterieelektrische und Brennstoffzellenfahrzeuge zusammen bis 2040 mehr als 20 Prozent der weltweiten Flotte an Leichtfahrzeugen ausmachen.

Amschl, Fuchs: Im Rahmen unserer ständigen Marktanalysen haben wir festgestellt, dass sowohl die Nachfrage nach „Universal“-Produkten mit einem breiten Einsatzbereich als auch für „Spezial“-Produkte für spezifische Anwendungen besteht. Als Folge dessen haben wir die Produktreihe Titan Flex ins Leben gerufen. Spezialprodukte werden weiterhin mit unserer Titan Pro Serie abgedeckt. Unser neues Titan GT1 Flex 5 SAE 0W-20 ist Teil unserer Titan-Flex-Reihe und eignet sich optimal zur Sortenrationalisierung mehrerer Hersteller. Es kombiniert diverse Freigaben, um eine möglichst breite Marktabdeckung zu erlangen. Im First-Fill werden bereits eine Vielzahl an Fahrzeugen mit Motorölen der Viskosität 0W-20 befüllt. Dementsprechend wird auch der zukünftige Bedarf an niedrigviskosen Motorenölen im Service weiter zunehmen. Im Dienstleistungssektor ist unser Werkstattkonzept als professionelles Werkstatt Tool ab 2020 geplant. Dies beinhaltet je nach Betriebsgröße die Möglichkeit einer Fluid-Handling-Ausstattung bis hin zur Verfügungstellung eines ATF Spülgeräte Packages.

Bolch, Motul: Unsere Kunden werden von einem besseren und effektiveren Kundensupport profitieren. Die Impulse werden durch unseren neuen Head of Sales D-A-CH, Thomas Vierheller, gesetzt. Auch die 2020 startende strategische Partnerschaft im Bereich Motorrad mit der Marke Kawasaki strahlt auf die Autobranche aus. Was produktseitig zu erwarten sein wird, sind neue Öle für Subaru, ein Ausbau unserer Hybrid-Range und der Launch einer brandneuen Car-Care-Linie, damit Kunden auch hier von unserer erweiterten Produktpalette profitieren können.

Donaubauer, MaierKorduletsch: Mit der Komplexität der Motoren steigen die Anforderungen an das Motoröl, das mittlerweile Konstruktionsbestandteil moderner Aggregate ist. Das führt zur zunehmenden Diversifikation bei den Motorölqualitäten und den Wegfall der Rückwärtskompatibilität. Marke, Qualität, Beratung und die Wahl des richtigen Produktes gewinnen an Bedeutung. Hier profitieren B2B-Kunden von unserem weiterentwickelten Werkstattprogramm. Das Mobil Branding im Werkstatt-Auftritt schafft Vertrauen. Regelmäßige Technik- und Serviceschulungen sorgen für die richtige Beratung und Kundenansprache und unterstützen den Servicegedanken der Werkstatt. Im Marketing steht z. B. die Motorenölgarantie als zusätzlicher Schutz, die über die Herstellergarantie hinausgeht, für Sicherheit auf Kundenseite und wirksame Kundenbindung aus Sicht der Werkstatt.

Sind die von den Automobil-Herstellern vorgegebenen Wartungsintervalle immer passend oder gibt es Anwendungsfälle für kürzere Ölwechsel-Intervalle (Anhängerbetrieb, Kurzstrecken, …), welche die Werkstätte erfolgreich argumentieren kann?

Obereder, Castrol: Aus unserer Erfahrung und aus Gesprächen mit Schmierstofftechnikern verschiedener Mineralölkonzerne sind die Wartungsintervalle zum Teil deutlich zu lang. Allerdings werden diese natürlich als Vorteil für den Kunden verkauft. Diese verlängerten Wartungsintervalle sind sicherlich nicht förderlich für die Langlebigkeit eines Motors. Aus dem Nfz-Bereich kann man berichten, dass es hier verschiedene Wechselintervalle für Kurzstrecke, erhöhten Einsatz (Bau) und für die Langstrecke gibt – diese Unterteilung müsste eigentlich auch mit jedem Kunden besprochen werden – wie generell auch beim Autokauf beraten werden müsste, welcher Antrieb der richtige für den Einsatzzweck des Kunden ist. Somit würde eine gewisse Beratungskompetenz wieder in die Werkstatt zurückkehren und sich das Profil einer Werkstatt in Richtung Beratung und Service schärfen.

Donaubauer, MaierKorduletsch: Die vorgegebenen Wartungsintervalle sind passend und werden durch Hinweise in den Wartungsbedingungen für spezielle Anwendungsfälle ergänzt. Hierauf können sich Werkstätten und Kunden jederzeit berufen. Unabhängig davon ist in jedem Fall die Wahl des richtigen Motoröls entscheidend. Grundsätzlich macht daher die Verwendung von Mobil-Hochleistungsschmierstoffen Sinn.

Amschl, Fuchs: Der Automobil-Hersteller gibt das Wartungsintervall vor. Dabei geht es nach absolvierten Kilometern und optional nach Zeiträumen, wenn die Fahrleistung sehr gering ist. Grundsätzlich gilt: Die Ölwechselintervalle sind kürzer, wenn das Fahrzeug stärker genutzt wird. Ist das Auto mehr im Volllastbetrieb, entstehen längere Zeit höhere Temperaturen und das Öl verschleißt schneller. Wenn man sich bevorzugt an Zeiträumen orientiert, kann man von 12 bis 18 Monaten einen Wechsel empfehlen. In Betracht zu ziehen ist natürlich auch, dass die modernen Motoren über verschieden Sensoren einen außer Plan erforderlichen Ölwechsel durchaus am Bordcomputer einfordern können.  

Curcic de Jong, Lukoil: Kürzere Intervalle könne immer empfohlen werden, weil die Vorteile von Motorsauberkeit und Verschleißschutz überwiegen. In jedem Fall sind die hochwertigen Produkte gemäß Hersteller-Empfehlungen zu verwenden, das kosteneffektive Produkt ist immer die schlechtere Wahl.

Katzengruber, Total: Das ist aus meiner Sicht schwierig zu beantworten: Natürlich gibt es entsprechende Überlegungen der Hersteller und diese wurden ja in den letzten Jahren wieder auf ein sinnvolles Niveau gebracht. Aus meiner Sicht ist die Argumentation für einen Ölwechsel zwischen 1.000 und 2.500 km durchaus sinnvoll – eine entsprechende Schulung des Kundendienstberaters ist hier immens wichtig.

Bolch, Motul: Bevor ein Öl in den Markt gelangt, unterliegt es zahlreichen Tests der jeweiligen OEMs. Diese garantieren die bestmögliche Performance eines Motorenöls in jeden Zeitraum. Natürlich gibt es aber auch Regionen in Europa, wo klimabedingt andere Intervalle sinnvoller erscheinen, einfach weil andere äußere Bedingungen vorherrschen.

Paukert, Liqui Moly: Grundsätzlich legt der Autohersteller fest, welche Wechselintervalle notwendig und sinnvoll sind. Muss beispielsweise wegen viel Anhängerbetrieb davon abgewichen werden, ist dies in der Regel auch im Handbuch dokumentiert. Davon abweichende, noch kürzere Wechselintervalle sind allenfalls dann angebracht, wenn die Spritqualität deutlich schlechter war, etwa nach längeren Auslandsaufenthalten.

Graf, LSA: Letztlich kann man nur den Werkstätten empfehlen, sich immer an die Betriebsstoffvorschriften zu halten. Motorenöl ist mittlerweile ein Konstruktionselement und bei neuen Motoren/Fahrzeugen nicht mehr grundsätzlich rückwärtskompatibel, bei Nichteinhaltung der Betriebsstoffvorschriften kann es zu kapitalen Motorschäden führen. Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, darüber zu diskutieren, ob diese Intervalle noch zeitgemäß sind. Die Frage ist, werden sie noch weiter ausgebaut? Manche Summenspeicher reichen bis 60.000 Punkte/Kilometer.

Wendl, Haberkorn: Die Ölwechselintervalle sind im Regelfall in den Benutzerhandbüchern der Fahrzeuge genau dokumentiert – ebenso die erschwerten Betriebsbedingungen, die für kürzere Ölwechselintervalle sprechen. Dazu gehören vor allem Stop-and-go-Verkehr, Kurzstreckenverkehr und Anhängerbetrieb.

Schneider, Motorex: Jeder Automobilhersteller gibt die Wechselintervalle vor. Werden Qualitätsöle verwendet, die den Herstellervorschriften entsprechen und die Freigaben haben, können diese ohne Probleme eingehalten werden. Daran sollten sich alle halten. Sollte es Beanspruchungen geben, die ein verkürztes Intervall bedingen, so gibt es dafür ebenfalls genaue Richtlinien vom Hersteller. Im MOTOREX Oilfinder findet man diese Informationen ebenfalls.