Umbruch in einem ruhelosen Status quo

Umbruch in einem ruhelosen Status quo

Wir haben in den vergangenen 50 Jahren schon schlechte Zeiten durchgemacht. Aber niemals sahen die schlechten Zeiten auf Dauer so mies aus wie eben jetzt.

Werden vielleicht nicht gar die falschen Autos gebaut? Wirft sich die internationale Autoindustrie nicht in die falsche Richtung hin zu Mobilitätslösungen mit E-Autos im Mittelpunkt bzw. Angeboten, die sich ein Normalverbraucher kaum leisten kann - weder den Erwerb, noch die Nutzung.

Sind die Marktplaner mit ihren App-basierten Lösungen nicht schon ganz und gar weltfremd geworden mit ihrer Modellpolitik? Ihren technischen Verfeinerungen? Ihren alle Tage changierenden Vermarktungsideen?

Ich gestehe ganz offen, dies zu glauben: trotz aller Jubelei und Trubelei über einen technischen Superfortschritt nach dem anderen. Der scharfsinnige Lustig glaubt, da wird die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das werden als eine Art Vorgeschmack die Gesetzesmacher bald beim Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen zu spüren bekommen.

Mit Verlaub, die Menschen insbesondere in Österreich, werden nicht vom Hin und Her mit dem Klimaschutz, sondern von der großteils daraus resultierenden misslichen wirtschaftlichen Lage verunsichert. Die KMUs heimischer Prägung verlieren an Finanzkraft, werden von den Herstellern ausgepresst, bis sie aufgeben müssen. Wie zum Beispiel Peugeot-Händler Bertsch im vorarlbergischen Bürs, dem seine Fachkräfte abgeworben werden, weil Industriebetriebe mehr zahlen, als ein Autohaus zu leisten imstande ist, die Standards aber erfüllen muss.

Was machen die Autohersteller? Sie lassen unter Ausnützung der grandiosen Möglichkeiten der elektronischen Betriebsteuerung eine Sintflut von neuen Sparmodellen über uns hereinbrechen. Gerade jetzt in strukturbelastenden Zeiten werden diese Fahrzeuge den Händlern richtig hineingetreten. Eine Zeit lang spielte das keine Rolle. Doch jetzt beginnt die Blase der Scheinwelt, in der viele Autoproduzenten noch immer leben, zu platzen.

Dann kommt es zu Überraschungen wie jetzt die Fusionsankündigung von PSA (Peugeot) und FCA (Fiat Chrysler). Dass Auto nur schöner und teurer sein muss, um erfolgreich verkauft werden zu können, erweist sich nun als Trugschluss. So einfach steht es immer noch in den lehrbuchartigen Vertriebsverträgen. Nur die Wirklichkeit ist nicht mehr so.

Die rosigen Zeiten sind vorbei. Selbst die Konzerne sehen sich mit krassen Machtverschiebungen konfrontiert. Die politische Gemengelage hat die Probleme der Wirtschaft verkompliziert, Entscheidungen im grünen Nebel nur noch schwer zu fällen und Irrtümer mangels genügend Kaufwirkung kaum noch zu verkraften sind.

Die Standesvertreter orakeln vom Autohauskahlschlag, immer weniger können die ihnen aufgebürdete überschwere Last noch tragen. Währenddessen wagen die Autohersteller auf dem Rücken ihrer Vermarktungspartner erste, unbeholfene Schritte in eine neue Zeit, doch sind noch keine Wegweiser zu erkennen. Wir wissen nur, dass die Großkonzerne-Krankheit eingetreten ist und die Basis von diesem Virus befallen ist.