Es gibt Zeit, sich anzupassen

Es gibt Zeit, sich anzupassen

Dipl.-Ing. Peter Wagner, Leiter des Geschäftssegments Independent Aftermarket bei Continental, spricht über Strukturwandel, elektrifizierten Antriebsstrang und Herausforderungen für freie Werkstätten.

A&W: Lässt sich der Strukturwandel in den Werksstätten schon erkennen?

Dipl.-Ing. Peter Wagner: Es geht langsam damit los. Wenn die Reparaturleistungen, die abgefragt werden, durch die Elektrifizierung des Antriebsstranges weniger werden, wird der Strukturwandel in der Werkstätte sicher weiter an Fahrt gewinnen. Die Werkstätten werden also ihre Reparaturkompetenzen im Einklang mit der Technik ausbauen müssen, die immer komplexer wird.

Welche Technologie wird sich wie entwickeln?

Wagner: Das ist aktuell sehr schwer vorherzusehen. Mein Wissenstand ist, dass wir bei der Verbrennungstechnologie den Produktionshöhepunkt global noch nicht erreicht haben, das wird ungefähr 2022 bis 2023 der Fall sein. Dann bleibt das Niveau einige Zeit gleich oder schmilzt langsam ab. Bei uns im Aftermarket kommt die Spitze der Verbrenner-Technologie vier Jahre später an, also rund 2027. Die Verbrennungsmotoren werden für die freien Werkstätten in den nächsten 10 Jahren also noch die wichtigste Antriebstechnologie sein, mit der sie sich beschäftigen werden. Es gibt also keinen Grund zur Panik vor dem neuen Antrieb, da wird es die Zeit geben, sich anzupassen.

Wie können sich die Werkstätten für die zukünftigen Herausforderungen rüsten?

Wagner: Da gibt noch ganz andere Bereiche als die reinen Technikthemen, zum Beispiel wie die Generation der heute 25-bis 35-Jährigen kommuniziert. Das erfolgt über WhatsApp oder Facebook Messenger und die jungen Menschen wollen auch mit der Werkstätte auf diese Art kommunizieren.

Der nächste Punkt ist die Kommunikation, die aus dem Auto selbst kommt. Wenn wir in eine gesteuerte Reparatur- und Wartungsumgebung kommen, dann sollten Werkstätten auch offen gegenüber solchen Themen sein und vernetzt daran teilhaben. Über Dongle-Technologie bieten wir beispielsweise eine Nachrüstlösung für Telematik an.

Welche Rolle wird bei den kommunizierenden Fahrzeugen die Diagnose spielen?

Wagner: Eine tiefgreifende Fahrzeugdiagnose wird immer noch wichtig sein, aber zum anderen gibt es viele Themen, die heute in der Werkstatt abgearbeitet werden, Serviceaufträge, Klimaanlagenwartung, Inspektions- Check, Bremsenservice oder das Freibrennen des Dieselpartikelfilters. Es gibt also auch einige Tätigkeiten, die keine tiefe Diagnose benötigen, sondern Servicetools. Dabei unterstützen wir die Betriebe mit einfachen, werkstattorientierten Lösungen.

Das bieten wir in Form einer Plug-in-Lösung an. Diese verbindet sich mit dem Fahrzeug und braucht keine umständliche Eingabe von Fahrzeugdaten. Das Tool liest über die Fahrgestellnummer automatisch alle notwendigen Daten aus und dann wird der gewünschte Service ausgewählt.