Umsatz ist nicht gleich Gewinn!

Umsatz ist nicht gleich Gewinn!

Trotz Zuwächsen im heurigen Jahr leidet der Zweiradhandel unter schwachem Ertrag und darunter, dass die Hersteller dafür kein offenes Ohr haben.

Auf ein positives Jahr 2019 blickt derösterreichische Zweiradmarkt zurück, berichtet Komm.-Rat Ferdinand O. Fischer, Bundessprecher des Zweiradhandels in der WKO: "Bis Ende September 2019 sind die Zweirad-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent gestiegen. Den stärksten Zuwachs mit einem Plus von 11 Prozent haben die Mopeds erlebt, in der 125-Kubik- Klasse waren es 10 Prozent. Motorräder bis zu 650 Kubikzentimetern haben ebenfalls einen Zuwachs von 10 Prozent, bei Motorrädern über 650 Kubikzentimeter gibt es ein Plus von 3 Prozent, wobei dieses Segment im Vorjahr bereits stark zugelegt hatte und es sehr beachtlich ist, dass eine weitere Steigerung erzielt werden konnte." Was Fischer gar nicht erfreut: Dass im Zuge der Diskussion über neue Vertriebsmodelle "absoluter Stillstand" herrsche.

"Wir haben bis heute keine Antwort bekommen, weder was Ideen betrifft, wie die Vertriebsmodelle der Zukunft aussehen könnten, noch ist eine Steigerung der Ertragskraft in Sicht. Das ist der Wermutstropfen für den Handel, weil Umsatz nicht gleich auch Gewinn ist." Man freue sich natürlich, dass die Hersteller größere Umsätze und Gewinne gemacht hätten, "aber der Handel freut sich nur sehr bedingt, weil wir nach wie vor dort sind, wo wir nicht sein sollten: nämlich ganz tief unten. Und einige Kollegen leider auch teilweise in der Verlustzone."

Trotz Zuwächsen habe sich nämlich die Ertragslage nicht verbessert. Auch das Reparaturgeschäft könne den Ertrag nicht wesentlich verbessern: "Grundsätzlich läuft das Werkstattgeschäft recht gut, allerdings unterscheiden wir uns vom Autohandel dadurch, dass wir die Mindererträge bei Fahrzeugverkäufennicht mit der Werkstatt kompensieren können, weil wir dort 5 Monate witterungsbedingte Pause haben."

Thema Ertrag kann nur der Hersteller lösen
Deshalb sei die Frage der Ertragskraft des Neufahrzeugverkaufs im Zweiradhandel noch wesentlich brennender als im Pkw-Fahrzeughandel. Auch Werkstatt-Sonderaktionen in den Herbst-und Wintermonaten könnten das generelle Problem nicht lösen. "Winter ist einfach motorradfreie Zeit, da können wir Modelle noch und nöcher entwickeln, damit lässt sich maximal eine kleine Verschiebung erreichen -etwa durch ein Abhol-und Bringservice für die Bikes. Das machen manche Händler, aber lösen können wir das Thema nicht. Lösen kann das Thema Ertrag nur der Hersteller beziehungsweise Importeur, aber da gibt es nach wie vor keine Anzeichen, dass der Wille dafür vorhanden ist."

Mehr freuen darf sich Fischerüber Österreichs treue Zweiradkunden, an denen die aktuelle Klimadiskussion scheinbar spurlos vorüberzuziehen scheint: "Die Hysterie und Irrationalität der derzeitigen Klima- Debatte hat sich noch nicht bis zu unseren Kunden durchgewühlt", versichert Fischer, "wobei ein Umstieg auf elektrischeZweiräder derzeit maximal ein Thema für Roller im urbanen Bereich ist. Ob sich das beim Motorrad durchsetzen wird, können wir aus heutiger Sicht noch nicht sagen -das wird die Zukunft zeigen. Harley-Davidson wird bei den Motorrädern Vorreiter sein: man bringt Ende des Jahres die Life-Wire auf den Markt!"

"Im Gegensatz zum Autohandel können wir Mindererträge nicht mit der Werkstatt kompensieren", Ferdinand O. Fischer