Britische Sportler im ehemaligen Kuhstall

Britische Sportler im ehemaligen Kuhstall

Mitten im Mühlviertel hat sich der Importeur von Caterham und Lotus angesiedelt: Hier, in Münzbach, werden die Autos aber nicht nur verkauft, sondern auch serviciert und umgebaut. Doch was wird der Brexit bringen? Martin Jung, der Chef des Importeurs, hat die Antwort.

Nein, der Berufsweg zu Lotus und Caterham war für Martin Jung so gar nicht vorgezeichnet: "Ich war Kälteanlagentechniker und habe viel im Ausland gearbeitet." Doch das wahre Interesse galt schon immer den schnellen Autos: "Da habe ich ein Fahrzeug für die Rennstrecke gesucht, das leicht ist und das man auch finanzieren kann." Erraten: Da kommt man an Caterham nicht so leicht vorbei.

Auch in der Freizeit sei er, so erzählt Jung, "mehr in der Werkstatt als bei meiner Lebensgefährtin" gewesen. Da kam es, wie es kommen musste: Jung machte das Hobby zum Beruf. "Caterham hatte Probleme mit dem damaligen Importeur und ist auf uns zugekommen." Es begann mit einem 100 m 2 großen Schauraum samt 50 m 2 Werkstätte in Perg; seit 11 Jahren ist die Firma in der Mühlviertler Hügellandschaft. Wie er auf den ehemaligen Bauernhof kam? "Er gehört dem Baggerunternehmer, der mein Privathaus gebaut hat. Den habe ich mir dann höflichkeitshalber angeschaut, und wir haben den Mietvertrag per Handschlag besiegelt."

Unterschiedliche Kunden bei Lotus und Caterham Was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist, kann sich sehen lassen - vor allem der neue 400 m 2 große Schauraum. Lotus habe sich im Laufe der Jahre "dazu entwickelt", so Jung: "Die Fahrzeuge hatten gleiche Motoren wie Caterham, daher sind auch Lotus-Fahrer zu uns gekommen." Ganz gleich, wer in Österreich in der wechselhaften Geschichte von Lotus gerade Importeur war: "Wir haben parallel dazu unser Süppchen gekocht." Und nach dem Konkurs des bisherigen Importeurs sei Jung gefragt worden, ob er sein Engagement ausweiten wolle: "Das war eigentlich nur ein Formalakt, seither sind wir als Importeur gelistet."

Die Kunden der beiden Marken sind ziemlich unterschiedlich: "Caterham ist für viele ein Motorrad-Ersatz, weil das Fahrerlebnis jenem auf einem Motorrad am nächsten kommt", erzählt Jung: "Bei Lotus haben manche Kunden bis zu 20 Fahrzeuge. Andere wieder haben 15 Jahre gespart oder kaufen sich das Auto mit der Abfertigung." Manche Kunden entschließen sich nach einer Probefahrt rasch zu einem Kauf, andere hadern jahrelang: "Oft sagen dann die Frauen, dass ihre Männer endlich kaufen sollen, wenn sie es sich schon seit 10 Jahren wünschen."

Vorsorge für den Brexit, doch keine Angst Der Neuwagenverkauf sei "bis 2018 immer gestiegen, heuer schwächelt es etwas", so Jung. "Ich sehe das entspannt. Auch 2008/09 hatten wir eine schwierige Zeit, und dann haben wir umso mehr verkauft." Die Kunden für Lotus-Neuwagen kommen großteils aus Österreich, dazu gesellen sich noch einige aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Bei Caterham reicht das Netzwerk zusätzlich bis Norditalien und Slowenien. Werksbesuche mit Kunden, bei anderen Marken gut etabliert, gibt es laut Jung kaum: "Bei Lotus eher selten, und Caterham sieht es nicht so gerne."

Und der Brexit? "Die Werke sorgen vor und haben Niederlassungen auf dem Kontinent gegründet, um die Teile leichter hin-und herschieben zu können." Auch Jung wird das Teilelager vorsorglich aufstocken und vermutlich jemanden einstellen, der sich um die Verzollung kümmern wird. "Bei der Lieferzeit der Fahrzeuge wird sich nicht viel ändern." Standard-Autos seien bei Caterham binnen12 Monaten verfügbar, bei Lotus sogar innerhalb von 3 Monaten: "Hier hat der Einstieg von Geely mit neuem Personal sehr gut getan."

Große Erwartungen setzt Jung in das von Lotus für Anfang 2021 angekündigte SUV: "Vermutlich auf Basis des Volvo XC60. Den Leichtbau macht dann Lotus." Für ein derart sportliches, leichtes SUV gebe es sicher Potenzial am Markt: "Und man hat ja bei Porsche gesehen, wie toll sich die Marke seit dem Cayenne entwickelt hat."

Werkstätte ist weltweit gefragt Das zweite Herzstück ist aber zweifellos die Werkstätte, die sich weit über Österreichs Grenzen hinaus einen guten Namen gemacht hat. Und die Mitarbeiter?"Wir sind hier quasi im Nichts und bekommen immer wieder g'scheite Leute aus kleinen Werkstätten, wo noch repariert wird." Es gebe jedenfalls viele Anfragen für eine zwei-oder dreitägige Probezeit: "Aber da kann es schon vorkommen, dass ein junger Mann, der ein Getriebe reparieren soll, auch nach drei Stunden nicht weiß, wie er es angehen wird", erzählt Jung.

Während die Mitarbeiter "alle aus dieser Gegend" kommen, ist die Werkstätte europaweit tätig: "Wir haben auch Ideen für eigene Getriebe und Steuergeräte und lassen Kleinserien fertigen." Es sei ein hoch spezialisiertes Geschäft, so Jung, und man habe Partner dafür in den USA und in Malaysia. Auch Kunden anderer Marken, sogar von Porsche, lassen in Münzbach spezielle Dinge anfertigen.

Doch vom Verkauf und von der Werkstätte alleine kann Jung mit seinem Team nicht überleben: "Daher haben wir JUBU als eigene Marke geschaffen." Es geht um Tuning, um Rennstreckenbetreuung, etwa um die Einstellung des Fahrwerks. Geboten werden aber auch spezielle Erlebnisse mit halb professionellen Fahrern für Kunden vor Ort -etwa in Hockenheim, am Slovakia-,Hungaro-oder Pannoniaring. "Und im Winter in Spanien: Dort kann man ja schon im Februar in die Saison starten."

Fliesen? Mahagoni? Das ist hier egal!

Große Vorgaben hinsichtlich der CI seitens der Hersteller gibt es übrigens nicht: "Lotus hat erst im August sein Logo geändert, das müssen wir natürlich schnell im Briefpapier und auf den Visitkarten umsetzen. Im Schauraum haben wir bis Mitte 2020 Zeit." Ob die Neuwagen auf einem Boden aus Mahagoni oder auf Fliesen stehen, ist den beiden britischen Herstellern aber egal. "Ordentlich und sauber muss es sein." Dass das auch in einem 300 Jahre alten ehemaligen Kuhstall möglich ist, zeigt man in Münzbach eindrucksvoll.