Chef(in), ich will nicht mehr!

Chef(in), ich will nicht mehr!

Nicht zu Unrecht empörte sich Ing. Josef Schirak, seines Zeichens Sprecher des Fahrzeugeinzelhandels, in der AUTO-Information 2483 vom 16. 08.2019 über die von Dipl.-Ing. Jürgen Papadopoulos, Automotive Business Consultant, ventilierte Empfehlung, Autoverkäufern Verkaufsassistenten zur Bewältigung ihrer meist nichtbezahlten Herstellervorgaben beizustellen.

Tatsächlich führt derartiger Bürokratismus mittlerweile zahlreich zu Selbstkündigungen betroffener Verkäufer. Und des Beraters Annahme, dass "assistenz-unterstützte" Verkäufer den Mehraufwand durch vermehrte Fahrzeugverkäufe wiederum kompensieren würden, verweist Schirak ins Reich der Träume.

Immer mehr Markenhändler lassen sich zu Subpartnern herabstufen, um den vom Hersteller oft vertraglich geforderten Extraleistungen zu entgehen. Die aktuellen Margen geben das nicht mehr her. Auch nicht im Service, da sind die Arbeitszeitvorgaben und die damit verbundenen Aufzeichnungspflichten dermaßen ausgeufert,dass selbst lang gediente Mechaniker den Job hinwerfen und sich eine stressfreiere Beschäftigung suchen, auch wenn sie dabei etwas weniger verdienen.

Unlängst besuchte ich ein Dealer-Management- System-Seminar mit 60 anwesenden Markenvertretern. Während sich der Schulungsmann des DMS-Anbieters virtuos durch das Servicemenü navigierte, hatten die in der Praxis damit Beschäftigten ihre liebe Not damit. Die Schnittstellenvielfalt und ständig variierende Hersteller-Vorgaben machen das Arbeiten damit zunehmend zur Qual.

Langjährige MitarbeiterInnen ziehen aus diesem Grund die Reißleine. Sie wollen -können -nicht mehr! Dem Verkaufs-und Administrationspersonal wächst vieles über den Kopf, weil die Chefleute toben, durch versäumte und unvollständige Berichte Bonuszahlungen nachhecheln zu müssen.

In der Werkstatt nervt das Personal Arbeitszeitvorgaben und ständige Kontrolle im Tagesgeschäft. Den Herstellern ist das zur Sucht geworden, obwohl sie selber mit regelmäßigen Rückrufaktionen für schlechte Imagewerte beim Autohalter sorgen. Ausbaden müssen das in der Regel die Vertragspartner, und das zu reduzierten Verrechnungssätzen.

Exemplarisch zitiere ich mit dessen Einwilligung Serviceleiter Thomas Sollich vom Fiat-,Peugeot-, Citroën-und Opel-Betrieb Bertrand in Wuppertal: "Die wollen z. B. bei Garantiefällen Bilder von mir, obwohl ich Geräusche suche. Leute der Hersteller verstehen oft ihre eigenen Vorgaben nicht!" Der Garantiefall wurde mangels Bilder bislang abgelehnt.

Viele Chefs wissen das und sind dennoch weitestgehend machtlos gegen die vom Hersteller variabel oktroyierten Anforderungen. Derweilen verlieren Arbeitgeber und Marke ihre besten Leute.

Waren das noch Zeiten, als der Mitarbeiter in den Augen der Hersteller das wichtigste Gut war.