Elektroautos: Zieht das Geschäft an?

Elektroautos: Zieht das Geschäft an?

Markus Höller, Michael Schmidt, Marina Aichlseder, Wolfgang Rötzer, Otto Falkensteiner, Andreas Leodolter, Gernot Keusch, Gerald Auer, Peter Nemeth (v.l.n.r.)

Die Pkw-Neuzulassungen sind im 1. Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spürbar zurückgegangen, Zuwächse gab es - wenn auch nur auf niedrigem Niveau - bei E-Autos. Zieht das Geschäft mit Stromern nun an? Wir haben nachgefragt.

Massiver Umstieg kommt nicht

"Im 1. Halbjahr hat es bei Elektroautos großes Interesse gegeben, wobei in den vergangenen Wochen die Nachfrage etwas nachgelassen hat", sagt Markus Höller, Geschäftsführer Auto Höller/Eugendorf. "Wir haben allerdings bei einzelnen Modellen - sehr attraktive Produkte - Probleme mit Lieferzeiten und manchen Kunden dauert das zu lange." Errechne aber nicht damit, dass ein massiver Umstieg auf Elektromobilität stattfinden werde. "Der Anteil von reinen E-Fahrzeugen wird sich auf 10 bis maximal 20 Prozent steigern lassen, meiner Meinung nach stehen die Chancen für Hybrid-und Wasserstofftechnologie besser."


Geschäft relativ unverändert

Das Geschäft mit alternativen Antrieben sei in den letzten 3 Jahren "relativ unverändert", erklärt Michael Schmidt, Geschäftsführer Denzel Höglinger/Linz. "Wir bewegen uns damit auf einem Niveau, mit dem wir halbwegs zufrieden sind, bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen verkaufen wir weiter sehr gut den i3, ein Mini-Modell wird als reines E-Auto bald angeboten werden können. Auch neue Plug-in-Modelle wie der BMW 7er, der gerade gekommen ist, sowie 3er oder 5er als Allrad und X5 werden bald folgen, wobei wir uns von diesen Modellen sehr viel erwarten." Dergewerbliche Anteil des i3 betrage "zwischen 75 und 80 Prozent."


Nachfrage wird steigen

"Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage bei Renault mit dem neuen Zoe weiter steigen wird", meint Mag. Marina Aichlseder, Geschäftsführerin Autohof Klagenfurt und Sprecherin des Renault Händlerverbandes. Schon nach dem 1. Batterieupgrade, das deutlich mehr Reichweite brachte, sei das Interesse seitens der Kunden gestiegen. Mit dem neuen Modell, das im Herbst auf den Markt kommt, über einen größeren Akku und damit einenoch höhere Reichweite sowie auch über die Fähigkeit zum Gleichstrom-Schnellladen verfügt, "haben wir ein attraktives Angebot, das auf entsprechende Kunden-Resonanz stoßen wird."



Kunden warten ab

Die momentane Absatzsituation von E-Fahrzeugen sei im Moment nicht "sehr erfreulich", berichtet Ing. Wolfgang Rötzer, Seniorchef der Dosenberger Gruppe/Innsbruck. "Wir haben vor zwei Jahren deutlich mehr Fahrzeuge verkauft. Das Ganze ist schon im vergangenen Jahr etwas zurückgegangen und auch heuer sind wir rund 40 Prozent unter den Zahlen von 2017. Ich glaube, dass die sogenannte 1. Welle von Kunden, dieInteresse hatten, abdeckt wurde und diese entweder gekauft haben oder noch abwarten, weil das Angebot in den kommenden Monaten und im Lauf des nächsten Jahres deutlich steigen wird."


Hauptsächlich Gewerbekunden

"Aktuell hat sich das Geschäft mit Elektrofahrzeugen rückläufig entwickelt", berichtet Otto Falkensteiner, Teilhaber, Geschäftsleitung und Verkauf Auto Rhomberg/Hard. Das liege zum einen daran, dass der Markt in Vorarlberg momentan gesättigt sei, andere Automarken auch mit E-Modellen auf dem Markt seien und "wir zum anderen unser neues Modell, von dem wir uns einiges erwarten, erst im Herbst bekommen", so Falkensteiner. Wichtige Motive für den Kauf eines E-Autos seien vor allem die Förderungen und die Vorsteuerabzugsberechtigung, "weshalb die meisten Kunden auch Firmenkunden sind". Mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage punkto E-Fahrzeuge rechnet Falkensteiner vorerst nicht.


Lange Lieferzeit schreckt ab

"Die Nachfrage nach Elektromobilität erfolgt bei uns derzeit in homöopathischen Dosen. Das liegt aber auch daran, dass der Hersteller nicht liefern kann, derzeit beträgt die Wartezeit je nach Modell bis zu 12 Monate, sagt Andreas Leodolter, geschäftsführender Gesellschafter Autohaus Ebner GmbH/Oeynhausen. Leider schrecke die Lieferzeit derzeit potenzielle Kunden ab, die sich zu rund 70 Prozent gewerblich und zu 30 Prozent privat für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge interessierten. "Meiner Meinung nach kann Elektromobilität nur dann einen Schub erfahren, wenn die Politik den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigtund der Hersteller die Fahrzeuge massentauglich zu einem vernünftigen Preis bauen kann."


Spezielle Zusatzprodukte

"Man merkt, dass bei E-Mobilität mehr Marktteilnehmer mitspielen", unterstreicht Mag. Gerald Auer, Geschäftsführer Vogl+Co/Graz. Auch die Lieferfähigkeit bei einzelnen Modellen ist schwierig." Es dürfte derzeit global eine hohe Nachfrage nach Akkus bestehen, bei der die Produktion momentan nicht ganz mithalten könne. Das Kundeninteresse bewege sich auf dem Niveau der letzten beiden Jahre, vor Modellwechseln gebe es allerdings die eine oder andere Kaufzurückhaltung. Um Kunden wirklich zufriedenzustellen, bedürfe es aber bei der E-Mobilität auch spezieller Zusatzproduke: "Wir bieten unseren Kunden in Kooperation mitder Energie Steiermark die Installation einer Wallbox oder eine Tankkarte mit Flatrate an."


Nachfrage auf niedrigem Niveau

"Es ist punkto Elektromobilität mehr Interesse da, es gibt auch mehr Abschlüsse", so Ing. Peter Nemeth, Geschäftsführer Autohaus Nemeth/Eisenstadt und Präsident der Burgenländischen Wirtschaftskammer. Grundsätzlich bewegten sich die Stückzahlen aber auf einem sehr niedrigen Niveau. "Nachdem viele Marken in Zukunft sehrviel Geld investieren werden und auch neue Marken in den Startlöchern stehen, werden Interesse und Marktanteil wohl steigen." Derzeit seien die Preise für E-Fahrzeuge noch nicht so attraktiv, um auch Normalverbraucher anzusprechen, "da gibt es noch kein adäquates Elektroauto, das wir anbieten können".


Schwieriges Marktumfeld

"Wir vermarkten E-Fahrzeuge von insgesamt 3 Marken, bei Kia haben wir im 1. Halbjahr eine hohe Stückzahl absetzen können, bei Nissan stagniert der Absatz und im Premium-Segment bei Jaguar konnten wir die bestellten Fahrzeuge ausliefern", so Gernot Keusch, Geschäftsführer Auto Stahl/Wien. Prinzipiell spiele der Markt aber momentan verrückt, "weil das Geschäft nicht gut geht und das Marktumfeld sehr schwierig ist". Daran könnten auch Zuwächse bei der Elektromobilität nichts ändern. Auch die politische Situation sei derzeit ein Thema: So habe das lange Warten auf eine Regelung bei der NoVA zu viel Unsicherheit und Kaufzurückhaltung bei den Kunden gesorgt.