Wie dünnes Eis

Wie dünnes Eis

Die Veranstalter des Genfer Automobilsalons haben bereits auf den Teilrückzug der Autohersteller von Messen reagiert.

Dass sich derüber Europa hinaus international maßgebliche Autosalon heuer nicht vom Trend abkoppeln kann, dass einige Volumenhersteller Messen meiden, war aufgrund in die Ausstellung integrierter Restaurantbereiche und attraktiver Oldtimerschauen nicht zu übersehen. Wer sich für besondere, hochklassige Autosinteressierte, war in Genf jedenfalls richtig. Für ihre 90. Ausgabe, die vom 5. bis 15. März 2019 stattfand, setzte die Messe, die heuer unverändert eine internationale Plattform für die "Big Shots" der Automobilwelt darstellte, dem Wandel jedenfalls neue Konzepte entgegen.

Der Genfer Salon verbucht bereits digitale Erfolge

Dass die Geneva International Motor Show ("GIMS") in der Gegenwart angekommen ist, belegen vielleicht 5,8 Millionen Instagram-Impressionen ebenso wie 154.000 Facebook-Fans oder dass auf Twitter #gimsswiss 345.000 Mal geteilt wurde; die neue Website erfreute sich während der Messedauer des Zugriffs von 1,5 Millionen Besuchern: "Der Besucher kommt heute nicht nur physisch, sondern auch digital an den Salon", sagt Salon-Direktor André Hefti. Natürlich war die Stimmung der Unsicherheit, die der Autoindustrie seitens der zum Teil vom Aktionismus getriebenen Politik und in der Folge von der Kundschaft entgegenschlägt, angepasst: Während sich die großen Hersteller punkto Antriebsstränge so breit wie möglich und so vielfältig wie für den Verkauf nötig aufstellen, ist die Hoffnung, mit der politisch forcierten Umstellung auf Elektroantriebe und den Verkauf im Internet (am besten zugleich) und meistens in Großbritannien oder Skandinavien beginnend, auch im Vertrieb einige Schritte weiterzukommen. Die gemeinsame Nutzung der vom Kunden gesammelten Daten - stets entsprechend den verschärften Datenschutzbestimmungen - passt bei der vielzitierten durchgehenden Betreuung der Kunden auf der gesamten "Reise" (customer journey) von der ersten Suche bis zum Autokauf gut zum Vertrieb, bei dem Hersteller und Händler künftig Hand in Hand gehen sollen. Dass die Verkaufsstückzahlen in stagnierenden Märkten jeweils noch weiter steigen sollen, wird bei den meisten Fabrikaten mit dem Produkt begründet, das der Markt willig aufnimmt oder das im besten Fall sogar zu Lieferzeiten führt - auch wenn das wie bei vielen Elektroautos mit dem derzeitigen "Flaschenhals" Batterieproduktion zusammenhängt.

(Dr. Nikolaus Engel, Matthias Pilter und Mag. Bernhard Katzinger)

Hinweis: Fotos aus Genf finden Sie hier.