Wer borgt mir was?

Printer
Wer borgt mir was?

Bonität und Liquidität sind die Schlagworte des Tages. Vor allem, da seit 2009 Banken unter dem Vorwand von "Basel III" bei Krediten jedes Risiko meiden. Finanzierungsalternativen - wie etwa Leasing oder Lieferantenkredite -setzen aber ebenfalls eine entsprechende Bonität voraus.

Advertisement

Die Banken sind gezwungen, auf ihre eigene Bonität zu schauen; diesen Druck geben sie weiter", erklärt Mag. Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer der Creditreform, die Tatsache, dass auch gut gehende Autohäuser ihren Kreditrahmen immer höher besichern müssen.

"Das Risikomanagement der Banken können wir nicht beeinflussen", betont sein Kollege Josef Wickenhauser die Tatsache, dass für die Kreditklemme nicht die Auskunfteien verantwortlich sind. Diese sammeln bloß die Fakten für die Bewertung von Unternehmen. "Aus allen öffentlich zugänglichen Quellen" wie etwa Bilanzen im Firmenbuch, Pfandrechte im Grundbuch oder das Gewerberegister. Dazu gehören auch die Eigendarstellungen der Unternehmen, die allerdings bei den Firmenchefs oder Geschäftsführern entsprechend hinterfragt werden. Und dazu zählen auch Rückfragen bei Lieferanten, bei denen die Zahlungsmoral ihrer Kunden abgefragt wird. Das ist vor allem deshalb wichtig, da seit einigen Jahren das Exekutionsregister nur noch Gerichten zugänglich ist.

Kompliziertes Berechnungssystem

Aus dieser Analyse ergibt sich bei der Creditreform ein Bonitätsindex von 100 bis 600. Die Note 100 gibt es nur für große internationale Unternehmen mit ausgezeichneter Bonität. 600 signalisiert, dass die Firma die Zahlung eingestellt hat. "Wir haben bei der Alpine die Bonität schon lange vorher ausgesetzt und sind trotz Interventionen dabei geblieben",verweist Weinhofer auf die Unabhängigkeit und Neutralität derartiger Kreditauskünfte.

Evidenz seit dem Jahr 1964

20.000 bis 30.000 Anfragen im Consumerbereich und 5.000 bis 8.000 Businessanfragen werden täglich im KSV1870 bearbeitet. "Wir kommen damit auf einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent", betont der für den Privatsektor zuständige Direktor Gerhard Wagner vom KSV1870 die Favoritenrolle seines Unternehmens. Er ist der Herr über die KKE, die "Konsumenten Kredit Evidenz". In ihr werden Privatkredite, Ratenpläne und Tilgungsprobleme gespeichert. Da sie -seit 1964 -im Auftrag der Banken geführt wird, können auch nur diese irgendwelche Änderungen oder Löschungen veranlassen.

Banken warnen gegenseitig vor "faulen" Kunden

Günther Fasching als Leiter der Wirtschaftsinformation stehen zusätzlich die WKE und die WL zur Verfügung. In die "Waren Kredit Evidenz"(WKE) können nur jene Mitglieder Einsicht nehmen, die auf "offene Rechnung" liefern. Ihr Zweck ist es, potenziellen Verkäufern Informationen über schlechte Zahlungserfahrungen (z. B. Klagen oder Zwangsvollstreckungen) zur Verfügung zu stellen, um so Ausfälle zu vermeiden. Die "Warn Liste"(WL) ist eine bankeninterne Evidenz, mit der sich Banken gegenseitig auf "faule" Kunden aufmerksam machen.

All diese Informationen münden letztlich in einem KSV-Rating von 000 bis 700. Die durchschnittliche Insolvenzquote aller österreichischen Unternehmen liegt bei 1,3 Prozent. Bei der Note 100 bis 199 gibt es im Vergleich zu diesem Durchschnitt kein Ausfallsrisiko. Bei 300 liegt ein Unternehmen genau im Durchschnitt: Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz beträgt in den nächsten sechs bis zwölf Monaten 1,3 Prozent.

Bei 500 bis 599 liegt das Risiko bereits zwischen 8,5 und 38 Prozent. Bei 700 ist das Unternehmen bereits zahlungsunfähig. "Ob daraus eine Insolvenz wird, ist eine andere Sache", sagt Fasching. Es gibt auch in solchen Fällen ein "Exit"-Szenario ohne Insolvenz.

Treffergenauigkeit von 90 Prozent

"Wir sind die Präventionsfuzzis, damit es zu keinen wirtschaftlichen Überraschungen kommt", erklärt Wagner, der stolz auf eine Treffergenauigkeit von 90 Prozent ist. "In neun von zehn Fällen haben wir einen Ausfall richtig vorausgesagt." Seine Kunden wissen somit, wem sie welches Ziel einräumen können. Eine Genauigkeit, mit der auch die Bonitätsbeurteilung der meisten Banken nicht mithalten kann.

Eine neue Spezialität des KSV ist ein Register zur Vermeidung von Doppelfinanzierungen. Ein Trick, mit dem sich die Luxusautoimporteure Karner und Grossegger jenseits der Legalität eine Zeit lang über Wasser gehalten haben. In dieses gemeinsam mit Leasingfirmen betriebene Mobilienregister werden die Fahrgestellnummern eingetragen: Bei einem neuerlichen Finanzierungsansuchen klingeln dann sofort die Alarmglocken. Eine Vorsichtsmaßnahme, auf die auch Gebrauchtwagenhändler zurückgreifen können.

Selbstauskunft für Unternehmer

In der Regel weichen die Expertisen von KSV, Creditreform oder Bisnode (ehemals Dun&Bradstreet) nicht weit voneinander ab. In allen Fällen können sie für die Liquidität eines Kfz-Unternehmens von entscheidender Bedeutung sein. "Wer kein Zahlungsziel bekommt, sollte beim Lieferanten hinterfragen, warum das so ist", rät Wickenhauser Autohändlern und Kfz-Werkstätten.

Beim KSV gibt es dafür die "Selbstauskunft für Unternehmer", mit der diese einmal jährlich alle in den KSV-Datenbanken gespeicherten Informationen abfragen können. Dieses Recht auf Gratisauskunft haben gemäß §26 Datenschutzgesetz auch alle Konsumenten -die deshalb auch nicht bereit waren, dafür bei "BoniFLEX" unnötige Gebühren zu bezahlen. Womit dieser "Bonitätspartner" im August selbst zum Insolvenzfall wurde.

Das beste Abo Österreichs

Das beste Abo Österreichs

Checkdrive von Lietz wurde bei der Studie von ÖGVS als beste Auto-Abo-Lösung Österreichs bewertet. Robert Lietz im Gespräch über die Entwicklung, die Erfolge und die Kunden.

Lösungen für  den Händler

Lösungen für den Händler

Alexander Reissigl leitet das Motornetzwerk von willhaben. Im Gespräch erzählt er von den Herausforderungen der Händler, von neuen Lösungen und den Stärken von willhaben.

Starker Partner an der Seite

Starker Partner an der Seite

2011 ist Thomas Prünster mit seiner TP Automobil Manufaktur GmbH in Gänserndorf gestartet, zunächst rein mit Karosserie- und Lackierarbeiten. Die hohe Nachfrage nach mechanischen Arbeiten hat in den Folgejahren zu einem Ausbau der Werkstattfläche geführt. Bei der Expansion stand Kastner, der Spezialist für Werkstättenausrüstung, gewichtig zur Seite.

Advertisement

Advertisement

Advertisement