Was kostet das Zusperren?

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Was kostet das Zusperren?

Für viele Kfz-Betriebe in den roten Zahlen wäre es vernünftiger, ihren Betrieb rechtzeitig zu schließen. Aber können sie sich das überhaupt leisten? Eine Analyse.

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Der bekannte Wiener Renault-Händler Anton Cserna hat nach mehr als 41 Jahren beruflicher Selbstständigkeit seinen Betrieb Ende Oktober 2015 zugesperrt. Er war bereit, die damit verbundenen Probleme für die Leser von "AUTO&Wirtschaft" anhand konkreter Zahlen offen darzulegen. Gemeinsam mit seiner Frau hat Cserna das Unternehmen vor mehr als vierzig Jahren von null weg gestartet. Inzwischen wurde daraus ein klassisches Kfz- Autohaus mit Jahresumsätzen zwischen 4 und 5 Millionen Euro. Als Subhändler von Renault Wien beschäftigte er für Renault und Dacia zuletzt 25 Mitarbeiter; hinzu kamen noch 4 weitere im Spezialfahrzeugbau. Seine Frau ist vor vier Jahren in Pension gegangen. Für ihn selbst war klar, dass er persönlich aus gesundheitlichen Erwägungen spätestens Ende 2015 aufhören will.

"Wir haben leider keine Kinder, da haben wir bei der Nachfolgeüber Alternativen nachgedacht." Schon vor fünf Jahren wurden die entsprechenden Weichen gestellt. Da der Spezialfahrzeugbau ein ganz spezielles -über die normale Kfz-Technik hinausgehendes -Know-how erfordert, war in erster Linie eine innerbetriebliche Nachfolge geplant. Auf Basis entsprechenderBewertungsgutachten war ein auch finanziell abgesicherter Unternehmensverkauf am Papier schon unter Dach und Fach, als beim präsumtiven Nachfolger ein familiärer Schicksalsschlag alle diese Pläne über den Haufen warf. Daraufhin hat Cserna sein Unternehmen Renault angeboten. "Die wollen nur den Markt und die Kunden, für einen Betriebskauf haben sie kein Geld", bringt er seine Gespräche mit dem Importeur auf einen kurzen Nenner. Das Hauptproblem bei einem derartigen Kfz-Betriebsverkauf ist nämlich, dass mit dem normalen Geschäft nichts mehr zu verdienen ist. "Meine vier Leute im Fahrzeugbau haben vier-bis fünffach höhere Gewinne erwirtschaftet als meine fünfundzwanzig mit Dacia und Renault." Daher sah Cserna für einen Nachfolger -ohne das lukrative Zusatzgeschäft des Fahrzeugbaus -als normaler B-Händler keine Überlebenschancen.

"Das kann sich für einen Pächter nie ausgehen"

Eine Alternative wäre gewesen, den Betrieb zu verpachten. "Da muss man bei dieser Betriebsgröße eine Pacht zwischen 12.000 und 20.000 Euro kalkulieren." Daher war für Cserna angesichts der Ertragslage im Autohandel klar: "Das kann sich für einen Pächter nie ausgehen." So kam er letztlich zum Entschluss: zusperren.

Mit einem muss man bei einer Betriebsschließung jedenfalls rechnen: "Die Gewerkschaft ist immer dabei", resümiert Cserna. Die Arbeitsmoral sinkt -je näher der Schließtag umso katastrophaler, sogar bei 25-jähriger Betriebszugehörigkeit, was bei Cserna immerhin 2/3 der Belegschaft betraf. Eine Treue, die bei den Abfertigungskosten kräftig zu Buche schlägt. "Die im neuen System sind gleich in den Krankenstand gegangen." Dennoch braucht sich Cserna um Gesundheit und Zukunft seiner Mitarbeiter keine Sorgen zu machen. Die meisten fanden aufgrund ihrer guten Schulung bei anderen Betrieben nahtlosen Anschluss.

Ersatzteillager fast nichts wert

Mit zur Planung gehört jedenfalls der rechtzeitige Abbau des Ersatzteillagers. "Wir hatten vor zwei Jahren noch ein Lager im Wert von 250.000 Euro, nun ist uns ein Rest von 50.000 Euro übriggeblieben." Dafür gibt es faktisch keine Verkaufschancen: "Die Kollegen können"s nicht brauchen, sonst verfehlen sie ihre Ziele. Und die anderen brauchen"s nicht." So muss Cserna diese Ersatzteile zum Verschrotter karren. Insgesamt summierten sich bei Cserna die Schließungskosten auf 800.000 Euro. "Wir haben das schon seit Jahren geplant, sonst kann man das gar nicht finanzieren." Daher sollen sich nach seiner nunmehrigen Erfahrung Kfz-Unternehmer keine Illusionen über Erträge aus dem Abverkauf des Betriebsinventars machen. "Bei einem Buchwert von 1.956.355,44 Euro erziele ich alles in allem keine 100.000 Euro." So ist etwa das ganze Werkzeug zu einem Einkaufspreis von einer Million laut Schätzung der damit betrauten Versteigerungsfirma nicht mehr als 30.000 Euro wert. Das gesamte teure Renault-Spezialwerkzeug hat letztlich einen Listenpreis von 1.500 Euro.

"Der Wert des Betriebes besteht nur aus der Liegenschaft. Das ist das einzige, was man verkaufen kann." Cserna hat Glück, dass in seiner Gegend der Quadratmeterpreis bereits auf 1.000 Euro gestiegen ist.

Mittlerweile ist fix, dass Ing. Gernot Keusch (Auto Stahl) ab 2016 am bisherigen Cserna-Standort als Vollvertragspartner für Kia und Nissan sowie als Servicepartner für Honda (und möglicherweise auch für Renault und Dacia) tätig sein wird. Für Cserna ist das Kapitel "Autohaus" erledigt.

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