China-Marken: Chance oder Risiko?

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China-Marken: Chance oder Risiko?

In den nächsten Jahren sollen 15 bis 20 chinesische Automarken nach Europa kommen. Sind sie Chance oder Gefahr für den etablierten Fahrzeughandel?

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China rüstet sich massiv für den Export der dort produzierten Fahrzeuge. Im Fokus stehen die batterieelektrischen Modelle, weil hier in den vergangenen Jahren ein Technologie- und Kostenvorsprung erarbeitet werden konnte. So werden nach den Kapazitäten für die Produktion nun jene für die Logistik deutlich ausgebaut. Zielmarkt ist in erster Linie Europa. Von den knapp 100 Herstellern (der größte Teil ist übrigens jünger als 10 Jahre) sollen nach Experten-Einschätzung 15 bis 20 in den nächsten zwei Jahren zu uns kommen, einige sind ja bereits da!

Kein China-Klumpert
In den Bereichen Vernetzung und Entertainment liegen die chinesischen Hersteller vorne, für die Elektromobilität gilt das zumindest hinsichtlich der Kosten. Entgegen vieler Stammtisch-Meinungen – und früheren Erfahrungen – sind die chinesischen Auto-Hersteller längst in der Lage, Qualität bis hin zu Premium herzustellen. 

Dabei sind die chinesischen Konzerne hinsichtlich Qualität, Strategie, Produktportfolio und Vertriebsnetz nicht pauschal zu beurteilen, es gibt nicht „die Chinesen“. So sind einiger der größten Anbieter bereits – vorbildlich – in Europa angekommen. 

SAIC (MG, Maxus) und BYD setzen in Österreich auf einen Privatimporteur, der nicht zufällig Denzel heißt. Hier besteht das Vertrauen der Händler zum Importeur: Ersatzteilversorgung, Garantieabwicklung, Schulung, Marketing: um all das kümmert sich ein bewährter Importeur. So konnte Denzel für beide Marken in Kürze ein hochwertiges Händlernetz realisieren. Und diese etablierten Händler braucht es wiederum, um das Vertrauen beim Kunden aufzubauen. 

Wer kommt nach SAIC, BYD und Polestar?
Geely ist mit Volvo, Polestar aber auch mit Lotus und Smart längst in Europa (und in Österreich) verankert und hat mit Lynk & Co und vor allem mit Zeekr weitere große Pläne.

Chery hat angekündigt, in Kürze mit dem Verkauf des Modells Omodo 5 in Österreich zu starten. Zu einem Importeur, der offiziell gesucht wird, gibt es allerdings noch keine Information. Aiways sucht eine „Handelsgruppe“ in Österreich. Great Wall Motors (GWM) startet nun mit Emil Frey-Gruppe – offenbar nach Beilegung der Differenzen über das Vertriebssystem – ebenfalls in Europa durch, Österreich ist noch offen. 

Bei Elaris handelt es sich um ein deutsches Unternehmen, das Fahrzeuge in China – mit eigener Software – produzieren lässt. Hier baut man in Österreich mit einer eigenen Niederlassung gerade ein Händlernetz auf.

Braucht es den Händler?
Der Tesla-Erfolg (ohne Netz) ist nicht zu kopieren, einige neue Marken haben diesbezüglich ihre Strategie schon adaptiert. Zukünftig werden neue (chinesische) Anbieter wohl nur mit etablierten Systemen und Händlernetzen rasch erfolgreich sein können. Dazu gehört ein starker Privatimporteur oder eine entsprechende Importorganisation, mit gesicherter Ersatzteilversorgung, Garantie-Abwicklung, Reparatur-Information, Schulung sowie mit Finanzierungs- und Versicherungs-Lösungen bzw. -Kooperationen. Entscheidend ist das Vertrauen des Kunden, das wohl nur der Händler aufbauen kann. Dann wird es für beide Seiten Sinn machen. Neue Marken sind also eher Chance für (zukunftsorientierte) Betriebe.

Für die Händlerschaft sind die Herausforderungen dabei allerdings groß. Vor allem im Volumenbereich wird die Verdrängung größer. Betrachtet man etwa ehemals marktanteilstarke Marken wie Opel oder Ford, braucht es dringend neue Brands, um nur einigermaßen das Volumen zu halten, vor allem für die Werkstatt.

Gleichzeitig ist es für erweiterungswillige (oder erweiterungsgezwungene) Händler schwierig, Entscheidungen zu treffen, solange die neuen Anbieter ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben. Erweiterung ist notwendig, mit entsprechender Sorgfalt in der Marken-Wahl.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.

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