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Ein bisserl mehr könnte es sein …

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Ein bisserl mehr könnte es sein …

Klaus Zellmer, Vorstandsvorsitzender von Škoda

Škoda-Vorstandsvorsitzender Klaus Zellmer über Auftragseingänge und die Situation in Österreich.

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AUTO-Information: Wie geht es Škoda heuer bei den Auslieferungen und Neubestellungen von Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr, das ja auch für Ihre Marke sehr schwierig war?

Klaus Zellmer: Was wir berichten können und dürfen ist, dass Škoda im 1. Halbjahr weltweit 20 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt hat. Wir haben 35 Prozent mehr Ergebnis gemacht, das heißt, wir können sagen, uns geht es gut. Aber natürlich kann es immer ein bisschen besser sein. Wir haben zum Jahresendspurt noch einiges vor uns, damit wir wieder ein richtig gutes Jahr schreiben. Mit den Produkten, mit denen wir jetzt gerade unterwegs sind, habe ich da ein ganz gutes Gefühl.

Auch Škoda hatte zuletzt Probleme bei den Lieferzeiten. Wo ist hier die Toleranzgrenze der Kunden und wo beginnt es für alle Beteiligten, richtig weh zu tun?

Zellmer: Es normalisiert sich, der Engpass durch die Halbleiter-indizierten Lieferzeiten hat uns natürlich massiv getroffen. Mittlerweile sind wir wieder in einer ganz guten Versorgungssituation. Jetzt hat man gerade mit den Zahnkränzen ein kleines Problem, weil ein Zulieferer (eine durch das Hochwasser von Anfang August geschädigte Firma in Slowenien, Anm. d. Red.) den ganzen Konzern und viele andere Hersteller auch nicht versorgen konnte. Da haben wir ein bisschen gelitten, aber grundsätzlich sind wir wieder gut unterwegs. Deswegen arbeiten wir auch gerade unsere hohen Auftragsbestände ab und sind in einem vernünftigen Bereich. Beim Enyaq sind wir beispielsweise bei rund drei Monaten. Da waren wir noch kürzlich sogar deutlich über einem Jahr. Das heißt, wir kommen wieder in eine Normalität hinein, damit die Leute früher zu dem Fahrzeug kommen, das ihr Herz begehrt.

Man hört immer wieder, dass der Kundenzuspruch auch bei anderen Marken aufgrund der hohen Belastungen jetzt eher gering ist. Wie ist die Situation in den Schauräumen in den einzelnen Ländern bei Škoda?

Zellmer: Wir sehen natürlich eine wirtschaftliche Entwicklung um uns herum mit hoher Inflation und Zinsentwicklung; das verknappt die Ausgabebereitschaft. Das betrifft alle Bereiche, den Immobilien-Bereich genauso wie den kulturellen oder den gastronomischen. Im automotiven Bereich spüren wir das natürlich auch, aber wir sind ganz gut unterwegs und mit unseren Auftragseingängen immer noch zufrieden. Ein bisserl mehr könnte es immer sein. Man muss aber sehen, dass wir von einer Unterversorgung der Märkte jetzt wieder in eine Situation kommen, in der wir um jeden Kunden noch mehr kämpfen müssen. Da werden wir wohl bei den Anreizsystemen etwas nachschärfen und bei der Werbung etwas lauter werden müssen.

Österreich war bekannt als Diesel-Land, auch beim Škoda-Flaggschiff Kodiaq war die Diesel-Version bisher sehr wichtig. Ist der Diesel vielleicht doch noch nicht ganz tot, wie es manchmal den Anschein hat?

Zellmer: Wir haben bei Škoda eine Philosophie, die besagt: Wir respektieren den Kundenwunsch. Deswegen verkaufen wir natürlich auch den neuen Kodiaq mit Diesel. Wir müssen aber in vielen Bereichen auch sehen, welche andere Möglichkeiten wir für gewisse Fahrprofile haben.
Wir haben jetzt auch den Plug-in-Hybrid im Kodiaq am Start. Ein toller Antrieb mit 100 Kilometer rein elektrischer Reichweite. Das verbindet die beiden Welten sehr gut. Das ist mitunter auch eine schöne Möglichkeit, sich an die E-Mobilität -heranzupirschen.

In Österreich hält Škoda recht stabil knapp 10 Prozent Marktanteil. Ist Österreich für Ihre Marke eine Art Vorzeigeland?

Zellmer: Wir haben dort eine tolle Vertriebsorganisation, das sind kurze Wege. Auch ich persönlich bin regelmäßig in Österreich, und zwar nicht um Urlaub zu machen, sondern um mich mit den Kollegen auszutauschen. Ich glaube, wir haben eine kulturelle Nähe, deswegen liegt uns dieser Markt auch sehr am Herzen.

Wäre beim Marktanteil noch mehr drinnen als diese 10 Prozent?

Zellmer: Die Frage ist, wie wir diese Transformation gestalten. Wir haben uns jetzt für sechs weitere batterie-elektrische Fahrzeuge entschieden. Schauen wir einmal, wie schnell die Länder da in der richtigen Strategieschiene unterwegs sind. Wir werden aber auch weiterhin mit dem Fabia im Einstiegssegment auf dem Markt sein, ebenso sind wir mit dem Kamiq und dem Karoq super am Start. Wir haben das breiteste Portfolio ever bei Škoda, da müssten wir eigentlich auch mehr Marktanteile machen.

Leichte Nutzfahrzeuge sind für Sie nach wie vor kein Thema?

Zellmer: Ich denke, das ist der Vorteil im Konzern: Man muss sich da nicht gegenseitig auf die Füße steigen. Wenn einer einen klaren Raum für sich definiert hat – wie zum Beispiel den Bereich der Nutzfahrzeuge –, dann lassen wir das so. Wir suchen unseren Wettbewerb außerhalb des Konzerns, und da gibt es genügend zu tun.

Eine andere Art Nutzfahrzeuge sind die Škoda-Modelle im Rallyesport. Überlegt man in diesem Gebiet eine neue Strategie?

Zellmer: Im Moment nicht. Wir werden natürlich im Bereich unseres Rallye-Engagements das Thema Nachhaltigkeit immer mehr mit reinbringen. Wir fahren schon mit E-Fuels und wir gehen so weit, dass wir uns anschauen, ob wir bei Rallye-Fahrzeugen auch recycelbare Materialien stärker integrieren. Wir forschen auch im Bereich Öl auf biologisch basierter Technologie. Motorsport muss in die Zeit passen – und in die Zeit passt alles, was nachhaltig ist.

 

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