Reifen-Glaskugel?

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Reifen-Glaskugel?

Martin Krauss (Bridgestone), Günther Riepl (Falken), Harald Kilzer (Apollo Vredestein), Ing. Kurt Bergmüller (Continental), Mag. Tassilo Rodlauer (Goodyear), Reinhard Münzker (Pirelli), Andreas Wirth (Hankook), Mag. Roland Steinberger (Michelin)

Die Prognosen für das kommende Winterreifen-Geschäft waren schon lange nicht mehr so schwierig wie heuer. Aus der Reifen-Industrie kommen dennoch interessante Aussagen.

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A&W: Wie sehen die Verfügbarkeit und die Preis­entwicklung für das Winterreifengeschäft aus?

Kilzer, Apollo Vredestein: Reifenhersteller werden in diesen unberechenbaren Zeiten durch Energiekosten, Rohstoffe und Seefrachten gezwungen sein, so effizient wie nur möglich zu produzieren. Dadurch entsteht zwar kein generelles Verfügbarkeitsproblem, kann aber Auswirkungen auf einzelne Dimensionen haben. Was die Preisentwicklung bei aktuellen Winterreifen angeht, wird in den kommenden 6 Monaten kaum etwas passieren – in beide Richtungen! Die Erhöhungen der letzten Monate waren unumgänglich und notwendig angesichts der wirtschaftlichen Lage. Ich persönlich rechne aber damit, dass sich die Reifenpreise im kommenden Jahr wieder auf ein reelles Preis-Niveau einpendeln werden.

Riepl, Falken: Die Verfügbarkeit ist heuer leider ein großes Thema, es ist zweifellos schwieriger geworden, die passenden Reifen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellen zu können, weil viele Prozesse durch diverse Einflüsse kaum mehr planmäßig ablaufen, sei es im Bereich Logistik, wo Fahrer fehlen und weiter Container Mangelware sind, sei es im Bereich Rohstoffe, die schwer zu bekommen sind, etc. Da die Rohstoff-, Logistik- und Personalkosten weiter steigen, ist eine Preiserhöhung, spätestens ab Jänner, nicht auszuschließen.

Bergmüller, Continental: Die Verfügbarkeit von sowie die Preise für Rohstoffe und Energie zur Reifenproduktion beeinflussen derzeit stark den Reifenpreis. Die aktuelle Inflation setzt der Preisentwicklung weiter zu. Trotz des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes sehen wir derzeit keine von den vergangenen Jahren abweichende Lieferfähigkeit unserer Konzernprodukte. Die Anfang 2022 berechtigterweise befürchteten Herausforderungen hinsichtlich Rohstoffengengpässen konnte unser Zentraleinkauf durch alternatives Sourcing souverän lösen. Daher waren wir punkto Verfügbarkeit bisher gut aufgestellt. Die jüngsten Winterreifentests belegen die exzellente Performance unserer Reifen und führen seit der ­Veröffentlichung zu gesteigerter Nachfrage.

Krauss, Bridgestone: Bridgestone verfolgt die Situation sorgfältig, plant weit vorausschauend und implementiert bei Bedarf flexibel neue und nachhaltige Lösungen – immer mit Fokus auf den Interessen unserer Kunden und Partner. Es ist unser Ziel, der Nachfrage im Markt entsprechend unserem Serviceversprechen umfassend nachzukommen und dieses zuverlässig zu erfüllen. Diesbezüglich bemerken wir bereits eine noch stärkere Nachfrage nach unseren Produkten. Dies betrifft unseren Premiumreifen Blizzak LM005 mit seiner herausragenden Performance auf Nässe und kalten Untergründen gleichermaßen wie auch unseren 2020 eingeführten Firestone Winterhawk 4, der dank seiner zuverlässigen und ausgewogen Leistung auf Nässe, Schnee und Eis eine Top-Alternative im Mid-Segment ­darstellt.

Münzker, Pirelli: Bekanntlich fokussiert sich Pirelli auf Automobile der Premium- und Prestige-Segmente und dort insbesondere auf Reifen ab 18 Zoll. Die Produkte sind auch im kommenden Winterreifen­geschäft verfügbar. Wie sich die allgemeine Kosten­entwicklung bei Rohstoffen, Energie, Transport und Arbeit auf die Reifenpreise auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Dies hängt von verschiedenen globalen Entwicklungen und regionalen ­Faktoren ab.

Rodlauer, Goodyear: Die Verfügbarkeit unserer Produkte ist zum Glück verhältnismäßig gut, da Goodyear keinen einzigen Produktionsausfall durch die Ukraine-Krise hinnehmen musste und die Logistikkette entsprechend kurz ist. Die Tatsache, dass wir in Europa produzieren, ist gerade jetzt ein großer Vorteil für uns – und damit für unsere Handelspartner. Hinsichtlich der Preisgestaltung sehen wir uns leider wie alle Marktteilnehmer gezwungen, unsere Konditionen entsprechend den allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Vorhersagen zu diesem Thema sind angesichts der derzeit überaus volatilen Situation nicht möglich.

Steinberger, Michelin: Die Preisentwicklung sehe ich für den österreichischen Markt stabil auf dem aktuellen Niveau. Die Verfügbarkeitssituation ist im Tagesgeschäft sicherlich eine Herausforderung, kann von uns jedoch dank guter Partner und Netzwerke zuverlässig gemanagt werden.

Wirth, Hankook: Die aktuellen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben spürbaren Einfluss auf die Logistikketten. Dies beeinflusst nicht nur Produktionsstätten in Übersee, sondern genauso die Zulieferketten für europäische Werke. Weshalb wir für die kommende Wintersaison mit unseren Kunden eine noch frühere Planung als ohnehin angestrebt haben. Wo wir, trotz des von unseren Partnern entgegengebrachten Vertrauens und früher Bestelleingänge, die angespannte Situation der Lieferketten spüren, sind wir bemüht, individuelle Lösungen zu finden, sodass wir mit Einsetzen der Wintersaison die bestmögliche Verfügbarkeit sicherstellen können.
 

Wie schätzen Sie das Konsumentenverhalten ein? Rechnen Sie mit Änderungen hinsichtlich der Preiskategorien oder mit genereller Kaufzurückhaltung?

Münzker, Pirelli: Sämtliche Unternehmen agieren in einem Szenario, das von einer hohen Volatilität geprägt wird. Insofern verbietet sich eine Prognose über das allgemeine Konsumentenverhalten in den kommenden Monaten. Hinsichtlich des kommenden Winterreifengeschäfts gehen wir von einem Volumenwachstum im High-Value-Segment aus. Dabei erweist sich die Pirelli Perfect-Fit-Strategie mit der Fokussierung auf maßgefertigte Reifen für Automobile der Premium- und Prestigesegmente auch in der aktuellen Situation als robust und zukunftsorientiert. Pirelli kann seine Position als führender Reifenlieferant im Premium- und Prestigebereich ausbauen, auch weil diese Fahrzeuge in der Gesamt­relation gesehen weniger von Produktionsausfällen betroffen sind. Somit kann – relativ – ein Wachstum des Marktanteils in den strategischen Zielsegmenten erzielt werden.

Wirth, Hankook: Dank unserer loyalen Partner und der frühzeitigen Planung lassen uns die aktuellen Bestelleingänge und Lieferpläne positiv in die anstehende Saison blicken. Auch die vermeintlich tiefere Wechselquote in dieser Sommersaison lässt grundsätzlich eine gute Nachfrage im Winter erwarten.Speziell für das Tagesgeschäft und den Abverkauf im Handel wird einmal das Wetter den „Treiber“ ­darstellen.

Steinberger, Michelin: Grundsätzlich ist die aktuelle Situation für fast alle Branchen gleich. Auch die Reifenbranche wird von einer gewissen Zurückhaltung im Konsumverhalten geprägt werden. Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, auf Qualität zu achten, sodass man so lang wie möglich von den Stärken eines Produktes profitieren kann. Michelin-Reifen vereinen Langlebigkeit und Peformance vom ersten bis zum letzten Kilometer, heißt, Michelin-Reifen können problemlos und sicher bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Profiltiefe gefahren werden. Auf lange Sicht tut dies sowohl dem Geldbeutel als auch der Umwelt gut.

Rodlauer, Goodyear: Ich bin überzeugt davon, dass die Konsumenten vorsichtiger sind und sehr genau überlegen, wenn es um die Anschaffung neuer Reifen geht. Unsere Kunden berichten uns bereits über einen Trend zu günstigeren Reifen, wie groß dieser beim Winterreifenkauf sein wird, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit stehen trotz aller Diskussionen um Einsparungen ebenfalls im Fokus, natürlich erwartet man, gleichzeitig keine Kompromisse bei der Sicherheit machen zu müssen. Hier hat Goodyear die perfekte Lösung im Ganzjahresreifen: Wir freuen uns ganz besonders über die kürzlich erhaltene Auszeichnung des Magazins „Auto Bild“, der den Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 zum Testsieger mit dem zusätzlichen Prädikat „Grüner Reifen“ gekürt hat. Ein weiterer Beweis, dass Goodyear Sicherheit und Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau kombiniert.

Krauss, Bridgestone: Auch in der aktuellen Situa­tion sind einige Trends im Markt weiterhin deutlich: Stabil zeigt sich hier die Nachfrage nach Premium-HRD-Reifen (High-Rim-Diameter). So bleibt der Trend zu Reifen mit einem Felgendurchmesser von 18 Zoll und größer weiterhin bestehen. Dass in diesem Segment auf Bridgestone Premiumreifen vertraut wird, ist ein Beleg für die herausragende Leistungsstärke unseres Portfolios. Um bei etwaigen Veränderungen des Konsumverhaltens stets flexibel zu bleiben, bieten wir unseren Kunden und Partnern im Handel eine kompetente Beratung zur Bevorratung, die wichtige Informationen darüber geben kann, welche Reifen im Lager verfügbar sein sollten und welche Produkte auch während der Saison lieferbar sind. Zudem bietet Bridgestone mit bewährten Prämienaktionen eine wirkungsvolle Verkaufsunterstützung – damit unsere Partner bei der bevorstehenden Wechselsaison die Nummer eins für ihre Kunden sind.

Riepl, Falken: Mit einer Änderung im Kaufverhalten ist teilweise zu rechnen, weil die hohen Energiekosten und generell steigenden Lebenshaltungskosten ihre Wirkung zeigen werden und viele Personen mehr sparen ­wollen oder müssen. Die Entscheidung, ob ich einen ­neuen Reifen brauche oder nicht, wird ja von zahlreichen Faktoren beeinflusst – wofür Geld ausgegeben wird. Es steht aber fest, ein abgefahrener Reifen stellt auch immer ein Sicherheits­risiko dar, gerade auf winterlichen Straßen, und muss ersetzt werden. Wir sehen uns aber hier mit unseren Marken Falken und Sumitomo richtig positioniert – weil wir Produkte zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Kilzer, Apollo Vredestein: Ich bin der Meinung, dass der Konsument beim Thema Preis-Leistungs-Verhältnis bedachter sein wird! Wir haben in Österreich qualitätsbewusste Autofahrer, die den Winter kennen, und ich kann nur die Empfehlung aussprechen, ein Winterreifenprodukt zu kaufen, bei dem die sicherheitsrelevanten Parameter am besten zum Preis passen.

Bergmüller, Continental: Alle Optionen sind theoretisch möglich: von unverändertem Kaufverhalten über den Sinneswandel zu Budget-Produkten sowie auch Konsumreduktion. Aber auch der Wechsel von Budget- zu Quality- oder sogar zu Premium-Produkten ist denkbar. Als Beispiel denke ich an jene Fahrzeugbesitzer, die von Sommer- und Winterreifen auf All-Season-Reifen umsteigen. Habe ich nur noch eine Reifengarnitur, welche unter allen Straßenbedingungen performen muss, oder ein hohes Sicherheitsbedürfnis, so würde ich persönlich nur den besten Reifen kaufen. Geht man davon aus, dass alle sicherheitsrelevanten Komponenten eines Fahrzeuges ordnungsgemäß funktionieren, so bestimmt ausschließlich der Reifen die Kürze des Bremswegs oder die Seitenführung auf kurvigen Straßen. Und antriebsstrake Fahrzeuge – also besonders Elektro- und Hybridfahrzeuge benötigen höchste Traktion. Also keinerlei nachvollziehbare Gründe, um am ­Reifen zu sparen.


Wie verändert die E-Mobilität das Geschäft (Dimensionen, Qualität, Abnutzung, Kompetenz der Betriebe)?
Steinberger, Michelin: Im Zuge des Marktwachstums für E-Autos entstehen ebenso neue Herausforderung an die Reifen und deren Entwicklung. Dementsprechend wird es in Zukunft noch mehr Reifen geben, die speziell auf Elektroautos ausgelegt sind. „Tall and narrow“-Reifen sind für kleinere und leistungsärmere Elektrofahrzeuge eine gute Wahl, weil sie durch ihre geringe Breite den aerodynamischen Luftwiderstand reduzieren und durch ihre Höhe Platz für eine großzügig dimensionierte Bremsanlage lassen. Bei größeren und leistungsstärkeren E-Fahrzeugen müssen breitere Reifen mit höherem Traglastindex, sogenannte High-Load-Reifen, zum Einsatz kommen, um das hohe Drehmoment auf die Straße zu bekommen und das höhere Gewicht auszuhalten. Welcher Reifen für welches Fahrzeug der richtige ist, hängt also von vielen Faktoren ab. Bei Michelin beschäftigen wir uns schon seit vielen Jahren mit der Entwicklung von speziellen E-Reifen – und können unseren Kunden je nach Fahrzeugklasse unterschiedliche Lösungen bieten. Die Dimensionsvielfalt bei E-Reifen und die neuen technischen Kriterien stellen für den Handel und die Betriebe ein weiteres Portfolio dar, was sicherlich ebenso eine gewisse Komplexität schafft. Hier gilt es, dass wir als Premium-Reifenhersteller maßgeblich unsere Partner dabei unterstützen Aufklärungsarbeit zu leisten. Was können rollwiderstandsoptimierte Reifen wirklich leisten? Wie können Reifen sich positiv auf die Reichweite der Batterie auswirken? Werden Reifen durch das erhöhte Drehmoment mehr abgenutzt? Das sind alles neue Fragen, die potentielle Käufer stellen. Bei rollwiderstandsoptimierten Reifen entstehen aus entwicklungstechnischer Sicht einige Zielkonflikte, z. B. Nassbremsen versus Reichweite. Hier wird schnell ersichtlich, dass nur wenige Premium-Hersteller diese Herausforderungen managen können. Wir bei Michelin sehen großes Wachstum in diesem Segment und geben hierzu die passenden Antworten und Lösungen.

Riepl, Falken: Die Änderungen durch die E-Mobilität sind zwar noch zu wenig sichtbar, aber wir als „Falken“ sind bereits seit einigen Jahren durch enge Partnerschaften mit führenden Fahrzeugherstellern am Puls der neuesten Technologien – mit diesen Erkenntnissen entwickelte Produkte werden wir in den nächsten Monaten auf den Markt bringen, wir sehen uns für diesen Geschäftsbereich gut gerüstet. Bereits im Frühjahr haben wir einen Reifen auf der Messe in Köln für E-Fahrzeuge präsentiert, den Falken e.ZIEX. Dieser Reifen ist speziell für E-Fahrzeuge konstruiert und gehört zu den besten Reifen in puncto Energieeffizienz, den die Sumitomo Rubber Group jemals ent­wickelt und hergestellt hat. Auch werden sich die Service-Stationen weiter auf die Zunahme der ­E­-Mobilität einstellen.

Rodlauer, Goodyear: Die Electric Drive Technology von Goodyear umfasst ein breites Spektrum an verschiedenen Technologien, die einen Reifen speziell für Elektrofahrzeuge geeignet machen. Gefragt ist hier unter anderem z. B. ein möglichst geringer Rollwiderstand für hohe Reichweite und ein eher geschlossenes Profil, um das hohe Drehmoment in Traktion umzusetzen. Betreffend Vielfalt der Dimensionen: Hier kann man durchaus von einer „explosionsartigen Entwicklung“ sprechen, denn zusätzlich zu der ohnehin schon seit Jahren anhaltenden Entwicklung in der Erstausrüstung kommen nun auch noch die Dimensionen der speziell für Elektroautos geeigneten Modelle dazu. Und es ist vorläufig kein Ende in Sicht! Das macht die Disposition und Lagerhaltung für unsere Kunden enorm schwierig, aber auch für uns steigt die Komplexität in Produktion und Lagerhaltung deutlich. Für manche unserer Kunden wird der Reifen aufgrund des geringeren Wartungsaufwandes von E-Autos ein immer wichtigerer Baustein zur Kundenbindung. Umso wichtiger wird es – trotz aller Unsicherheiten – daher sein, mit der Planung für die Disposition der Saisonen rechtzeitig zu ­beginnen.

Bergmüller, Continental: Es findet ein rasanter Dimensionszuwachs statt. Raddurchmesser 19 Zoll und darüber nehmen zu, die Reifen müssen bei den leistungsstarken und schweren Fahrzeugen ebenso größer werden bzw. müssen verstärkte Karkassen zum Einsatz kommen, um den hohen Radlasten gerecht zu werden. Die Komplexität steigt zusätzlich durch unterschiedliche Reifendimensionen an Vorder- und Hinterachse bei einigen Fahrzeugherstellern. Hier ist zukünftig besonders die Beratungs- und Planungskompetenz der Betriebe gefragt.

Kilzer, Apollo Vredestein: Wir und Konsumenten unserer Produkte können sich freuen, da wir mit dem Wintrac Pro und dem Wintrac nun das gesamte Winterprogramm auf den Markt gebracht haben und unsere Winterprodukte somit aktuell auf dem neuesten Stand der Technik sind. Auch in dem immer gefragter werdenden Ganzjahresreifen-Segment sehen wir uns als starke Benchmark durch 3 Jahrzehnte Erfahrung und viel Pionierarbeit in diesem Bereich. Schulungen über die Erneuerungen unserer Produkte werden immer wichtiger. Unser Team wird regelmäßig durch unser eigenes „Tyre Information Center“ geschult, um unseren Partnern noch bessere Kenntnisse, und somit Verkaufsargumente, zu liefern.

Münzker, Pirelli: Vollelektrische und Plug-in-­Hybrid-Fahrzeuge bilden in den nächsten Jahren voraussichtlich einen der wichtigsten Trends der Automobilindustrie. Bereits jetzt beeinflussen sie den Reifenmarkt. Denn diese Pkws benötigen aufgrund ihrer Eigenschaften spezielle Reifen. So belastet ihr Batterie-bedingt höheres Gewicht die Reifen beim Bremsen, beim Beschleunigen und in Kurven derart, dass die Struktur der Reifen für E-Autos noch belastbarer sein muss. Zudem verfügen Elektromotoren über ein hohes und sofort anliegendes Drehmoment, was in einer plötzlichen, starken Beschleunigung mündet. Reifen für Elektroautos müssen daher sogleich maximalen Grip bieten, ohne dadurch frühzeitig zu verschleißen. Darüber hinaus müssen sie sich durch einen geringen Rollwiderstand auszeichnen, um die Reichweite der Batterie zu maximieren. Nicht zuletzt kommt es darauf an, dass die Reifen die leise Fahrt eines E-Autos nicht durch ein lautes Abrollgeräusch konterkarieren. Mit ELECT hat Pirelli eigens für E-Automobile eine spezielle Reifentechnologie entwickelt. Damit stattet der Konzern nicht nur seine Sommer- und Ganzjahresreifen aus, sondern auch seine Winterreifen. Insgesamt gesehen brachte die Entwicklung in der E-Mobilität einen neuen Reifentyp hervor. Daraus resultiert ein noch größeres Spektrum an Profilen und Dimensionen. Hinsichtlich der Kompetenz der Reifenhändler lässt sich bezüglich der Pirelli ELECT Reifen sagen: Aufgrund der Produktschulungen sowie des Angebots an technischen Informationen verfügen sie über eine sehr gute Wissensbasis, um ihre Endkunden mit der ­erforderlichen Kompetenz zu beraten.

Krauss, Bridgestone: Um auf die spezifischen Anforderungen der Elektromobilität einzugehen, entwickelt Bridgestone immer mehr Reifen, die auf die besonderen Eigenschaften von Elektrofahrzeugen ausgelegt sind. Aufgrund des höheren Gewichts sowie des größeren Drehmoments der entsprechenden Fahrzeuge muss die Bereifung eine optimale Haftung, kurze Bremswege, ein hervorragendes Handling und eine hohe Verschleißresistenz aufweisen. Um eine maximale Reichweite und Lebensdauer zu erreichen, ist zudem ein geringerer Rollwiderstand von großer Bedeutung, was dank des Einsatzes innovativer Technologien erreicht wird. Zusätzlich ist auch bei E-Fahrzeugen eine deutliche Nachfrage nach HRD-Reifen im Markt zu vermerken. 50 Prozent der EVs stehen auf 17 Zoll oder größeren Felgen. Daher bauen wir unser Portfolio an Premiumreifen kontinuierlich mit Dimensionserweiterungen im HRD-Bereich aus.


Welche Neuheiten im Bereich Produkte, Dienstleistungen und Schulungen dürfen die Betriebe aktuell bzw. in naher Zukunft von Ihrem Unternehmen erwarten?

Riepl, Falken: Wir bieten heuer im Winter Segment step by step zwei neue Profile an: den Falken HS02 im Standardbereich und den Falken HS02Pro - einen speziellen Reifen im boomenden SUV Segment. Im Bereich Dienstleistungen und Schulungen werden wir unsere ständigen Investitionen fortsetzen und weiter div. Verbesserungen wie beispielsweise in unserem Web Shop vorantreiben und auch künftig wie gewohnt Schulungen für unsere Kundeninnen und Kunden bedarfsgerecht anbieten.

Krauss, Bridgestone: Auch in diesem Jahr gilt der Bridgestone Blizzak LM005 als Highlight-Produkt, auf das Autofahrer im Winter vertrauen können. Renommierte Fachmagazine und Organisationen – darunter ÖAMTC, auto motor und sport, Auto Bild Sportscars, Auto Zeitung oder Auto Straßenverkehr – sind von der hervorragenden Perfomance unseres Winterspezialisten, insbesondere bei Nässe überzeugt. Darüber hinaus ergänzt der Blizzak DM-V3 das Bridgestone Angebot für die herausfordernden Bedingungen im österreichischen Winter. Er überzeugt durch seine Laufleistung und eine exzellente Performance speziell auf Eis. Der spikelose Winterreifen für SUV und Off-Road-Fahrzeuge verfügt über eine größere Aufstandsfläche, was die Haftung bei gefrorenen Oberflächen und Schnee erhöht. Um unseren Kunden und Partnern die optimale Basis für kompetente Beratungsgespräche zu bieten, stehen umfassende und informative Trainingsangebote zur Verfügung. Das Schulungsprogramm von Bridgestone setzt sich neben nützlichen Verkaufstipps aus wissenswerten Informationen rund um die Technologien, Testerfolge sowie aktuellen Trends der Branche zusammen und stellt praktisches Expertenwissen aus erster Hand zur Verfügung. Die Webinare umfassen dabei Bridgestone Highlight-Produkte wie den Bridgestone Potenza Sport sowie das Ganzjahresreifen-Angebot für Transporter und spezielle Schulungen zum aktuellen Trend E-Fahrzeuge. Die informativen Inhalte sind jederzeit flexibel online abrufbar oder können auf direktem Weg vor Ort oder an zentralen Standorten durchgeführt werden. Prämienaktionen wie die kostenfreie Bridgestone Reifengarantie ergänzen unser Angebot an Serviceleistungen. Dazu gehören ebenso die Aktionen „TEST OUR BEST“ oder der „Firestone Reifenhit“, bei denen Kunden beim Kauf von Bridgestone oder Firestone Reifen das ganze Jahr über von attraktiven Prämien profitieren. 

Kilzer, Apollo Vredestein: Wir und Konsumenten unserer Produkte können sich freuen, da wir mit dem Wintrac Pro und dem Wintrac nun das gesamte Winterprogramm auf den Markt gebracht haben, und unsere Winterprodukte somit aktuell auf dem neuesten Stand der Technik sind. Auch in dem immer gefragter werdenden Ganzjahresreifen-Segment sehen wir uns als starke Benchmark durch 3 Jahrzehnte Erfahrung und viel Pionierarbeit in diesem Bereich. Schulungen über die Erneuerungen unserer Produkte werden immer wichtiger. Unser Team wird regelmäßig durch unser eigenes „Tyre Information Center“ geschult, um unseren Partnern noch bessere Kenntnisse, und somit Verkaufsargumente, zu liefern.

Rodlauer, Goodyear: Bis 2027 werden wir die Welt der Reifen und des Service neu ausrichten und in all unseren neuen Produkten sensorgestützte und künstliche Intelligenz sowie die entsprechenden Daten mitliefern. Wir wandeln uns somit von einem Reifenunternehmen zu einem Mobilitätsanbieter. Die erste Phase dieser Goodyear SightLine-Funktionen mit Fokus auf Flotten umfasst die Erkennung von Reifenschäden, das Monitoring von Reifen geparkter Fahrzeuge und die Luftdrucküberwachung.

Bergmüller, Continental: Der Winterreifen-Testsieger 2022 Continental TS 870 setzt aktuell neue Maßstäbe. Weitere, performancestarke Reifeninnovationen für alle Fahrzeugtypen werden folgen. Als Schwerpunkte bei Dienstleistungen und Schulungen sehen wir maßgeschneiderte Lösungen und Schulungen sowie digitale Lösungen und Zukunftskonzepte, auch im Logistikbereich.

Münzker, Pirelli: Pirelli erweiterte in den vergangenen zwei Jahren seine Modellpalette in den drei Produktbereichen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen mit neuen Produkten. Für den Sommer mit dem CINTURATO P7™ (P7C2) sowie dem neuen POWERGY™, um Endkunden eine preisattraktive Komponente im Volumen- und Synergic- Segment von 17 bis 20 Zoll zu bieten. Für den Winter haben wir mit dem CINTURATO™ WINTER 2 sowie dem SCORPION™ WINTER 2 zwei neue Hochleistungs-Reifen im Portfolio. Als Neuheit im All Season Segment bietet der CINTURATO™ ALL SEASON SF 2 ein Höchstmaß an Performance für die definierten Anforderungen. Hinsichtlich des österreichischen Marktes wird Pirelli sich in den Jahren 2023 sowie 2024 darauf fokussieren, die erforderlichen Logistikwandlungen zu integrieren, um der wachsenden Komplexität des Produktportfolios im Tagesgeschäft auch weiterhin gerecht werden zu können. Für die Sommersaison 2023 sollte der Handel seinen Bedarf frühestmöglich anmelden, damit wir die benötigten Kapazitäten kennen und wir ihn zeitnah mit den benötigten Produkten beliefern können.

Steinberger, Michelin: Michelin setzt stark auf das Thema Nachhaltigkeit und recyclebare Materialien. Erst kürzlich haben wir einen Reifen vorgestellt, der aus bis zu 53 Prozent aus recyclebaren Materialen besteht. Gerade in Zeiten von Rohstoffengpässen, aber auch des sich stark wandelnden Bewusstseins von Autofahrern und Partnern sich aktiv am Umweltschutz in der Mobilitätsgestaltung durch den Kauf von den passenden Lösungen zu beteiligen, sehen wir die Wiederverwertung von Ressourcen als wichtige Säule für eine wegweisende Mobilität der Zukunft. Das Thema Elektromobilität wie auch das Geschäft mit 20-Zoll Plus wird uns in den kommenden Monaten ebenso stark beschäftigen. Schulungen für Betriebe haben wir mit dem VRÖ durchgeführt, erst kürzlich fanden Hochvoltschulungen in gemeinsamer Kooperation statt.

Wirth, Hankook: Mit dem iON Winter lancieren wir ab September 2022 den ersten Winterreifen unserer neuen Produktlinie, die speziell für Elektrofahrzeuge konzipiert wurde. Damit möchten wir einen entscheidenden Beitrag leisten, die Mobilitätswende hin zu emissionsfreien Fahrzeugen reifenseitig auch in der kalten Jahreszeit weiter voranzubringen. Der neue Hankook iON Winter ist nach dem Sommerprofil Hankook iON evo das zweite Mitglied der neuen, globalen „iON“-Reifenfamilie für Premium-Elektrofahrzeuge. Kennzeichen der Neuentwicklung sind ein reduzierter Rollwiderstand, ein besonders geräuscharmes Abrollverhalten und eine hohe Belastbarkeit. Im Vergleich zu konventionellen Bereifungen bedeutet dies für den E-Autofahrer: mehr Reichweite pro Batterieladung und ein besseres Fahrgefühl. Darüber hinaus sind die neuen Hankook iON-Produkte insbesondere auf die unmittelbar einsetzenden, hohen Drehmomente von leistungsstarken Elektrofahrzeugen ausgelegt. Als speziell für die Anforderungen von Elektroautos konzipierter Winterreifen verfügt der Hankook iON Winter über eine speziell entwickelte Laufflächenmischung, die einen möglichst niedrigen Rollwiderstand ohne Einbußen bei der Performance auf nassen und schneebedeckten Straßen gewährleistet. Die Verwendung pflanzlicher Öle trägt dazu bei, auch bei niedrigen Temperaturen den notwendigen Grip zu erreichen. Die besondere Flexibilität erlaubt einerseits eine Anpassung an die Straßenoberfläche und minimiert andererseits die Bewegung im Profil. Das Abrollgeräusch ist bei Winterreifen wegen des größeren Leerraums zwischen den Profilblöcken eine besondere Herausforderung. Hier reduziert das neue Laufflächendesign dank einer aktiven Führung und Reduzierung der Schallwellen die Lärmemissionen spürbar. Der Fahrkomfort des Hankook iON Winter profitiert von einer speziellen Verteilung der Blöcke entlang des Profils. Die in die iON-Produkte integrierte Sound Absorber™-Technologie von Hankook reduziert, in Verbindung mit dem spezifischen Reifenprofil, spürbar auch das Geräuschniveau im Innenraum. Der höheren Fahrzeugmasse von Elektrofahrzeugen – bedingt durch das erhebliche Gewicht der Antriebsbatterien – begegnet Hankook mit einer höheren Traglast. Die neue Laufflächen Mischung sorgt überdies für eine vorbildliche Dauerhaltbarkeit und sehr gute Abrieb-Resistenz. Der hohe Silica-Anteil sorgt dabei auf Mikro-Ebene für Halt auf nasser Fahrbahn, indem er der Bildung eines gefährlichen Wasserfilms zwischen Fahrbahn und Reifen entgegenwirkt. Zu den Besonderheiten der iON-Reifenfamilie zählt deren aerodynamische Optimierung, um auch hier Potenziale für mehr Effizienz und Reichweite zu nutzen und zusätzliche Luftverwirbelungen zu vermeiden. So ist das Reifenprofil derart gestaltet, dass der Luftwiderstand reduziert wird. Gleichzeitig wirken sich diese Maßnahmen positiv auf eine möglichst geringe Geräuschentwicklung aus. Der Hankook iON Winter wird ab Marktstart in Größen zwischen 18 und 22 Zoll angeboten. Als Sommerreifen ist der Hankook iON evo erhältlich. Weitere spezifische Produkt-Varianten sind in Vorbereitung. NSPECHND WEDEN WIR BEI Händlerveranstaltungen ein spezielles Augenmerk auf die EV-Reifen legen, sodass unsere Partner sich dem Mehrwert des Reifens für den Endkunden bewusst sind und diesen professionell anbieten können

 

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