Das Ölpreis-Barometer

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Das Ölpreis-Barometer

Dr. Fritz Knöbl ist emeritierter Rechtsanwalt und Publizist

Der Preis des Rohöls ist ein Indikator für die weltweite Wirtschaftsentwicklung. Er reagiert auf die geopolitische Großwetterlage höchst sensibel.

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Derzeit zeichnet sich weltweit für Rohöl eine stabile Hochpreislage ab. Das dämpft die Konjunkturaussichten im energiearmen Europa. Gekoppelt mit einer jahrelangen Geldschwemme der Europäischen Zentralbank zeichnet sich damit eine Stagflation ab, also die Kombination von Inflation und Stagnation. Das ergibt eine besonders schwer zu bekämpfende Wirtschaftskrise. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die US-Innenpolitik orientiert sich an den Spritpreisen an den Zapfsäulen. Die gingen nach oben, als Donald Trump 2019 Sanktionen gegen Venezuela und dessen Ölexporte -die einzige Devisenquelle des Landes - verhängte. Als Retter niedriger Spritpreise halfen die Russen aus. Parallel dazu haben die Lobbyisten in Washington alle Hindernisse für das umweltfeindliche Öl-Fracking aus dem Weg geräumt. Womit die USA zum größten Ölproduzenten der Welt - vor Russland und Saudi-Arabien - aufgestiegen sind.

Das Konjunktur-Hoch nach der Corona-Krise (und der damit verbundene Energiehunger) erforderte in den USA - trotz enormer Eigenproduktion - weiterhin Öl-Importe. Das reichte, um den russischen Lückenbüßer zum zweitgrößten Ölproduzenten zu machen. Nun hat US-Präsident Joe Biden jedoch ein weiteres Embargo verkündet - diesmal gegen Russland, worauf prompt die Preise an den Tankstellen nach oben schnellten.

Am 8. November stehen in den USA die Midterm-Elections an, in denen Bidens knappe Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus auf dem Spiel stehen. Biden hat nun die Wahl, das Embargo gegen Venezuela aufzuheben. Was für ihn schwierig ist, da Venezuela auf der Seite Russlands steht. Oder er kann die OPEC auffordern, ihre Fördermengen anzuheben. Ein Schritt, der aber bereits am russischen Veto in der OPEC gescheitert ist.

Da bliebe noch eine Einigung mit den Mullahs in Teheran. Den Schritt könnte Biden seinen Wählern damit verkaufen, damit einen Fehler seines Vorgängers Donald Trump zu korrigieren, der 2018 mit der Aufkündigung des internationalen Atomabkommens aus 2015 zum Ausfall dieses potenten Öllieferanten geführt hat. Doch an diesem Abkommen war auch Russland beteiligt, das auf nuklearer Basis mit Teheran eng zusammengearbeitet hat. Das dürfte die Wiederbelebung dieses Abkommens infrage stellen.

Biden kann nun der EU "empfehlen", bis zu den Wahlen - somit während der nächsten sechs Monate - ihre strategischen Öl-Reserven anzuzapfen. Wo in den kalten Wintermonaten dann die für uns nötige Energie - sei es Öl oder Gas -herkommen soll, bleibt offen. Die von der EZB seit Jahren kontinuierlich aufgeblähte Geldproduktion befeuert die Inflation. Die gleichzeitig von Brüssel den EU-Mitgliedern vorgeschriebenen Wirtschaftssanktionen werden die Produktivität drosseln. Wir alle werden damit deutliche Wohlstandseinbußen hinnehmen müssen. Die USA kann sich energiepolitisch dank hoher Eigenversorgung von dem sich abzeichnenden europäischen Konjunkturtief abkoppeln. Die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und ihre EZB-Kollegin Christine Lagarde werden die Schuld an dieser Misere auf Russland und auf die von den USA und England forcierten Embargo-Maßnahmen schieben. Und auf die der Ukraine geschuldete Solidarität. Europa wird damit zum Verlierer, China und die USA werden uns wirtschaftlich davonziehen. Politische Schuldzuweisungen bringen nichts. Der zur Bekämpfung der Klimakrise propagierte Ausstieg aus fossilen Energieträgern wird Europa langfristig von seiner derzeitigen geopolitischen Energieabhängigkeit befreien. Kurzfristig hilft das wenig. Das trifft besonders mittelständische Unternehmer, die ihre osteuropäischen Geschäfte nicht in die USA oder nach China verlagern können.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.

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