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Mangelware Automobil: Wie reagieren die Kunden?

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Mangelware Automobil: Wie reagieren die Kunden?

Josef ­Frischmuth, Anton Reiser, Bernhard Radauer, Wolfgang Rötzer, Rudi Lins, Roman Keglovits-Ackerer, Gernot Keusch, Dietmar Schöggl, Stefan Kneisz

Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich die davor ohnehin schon schwierige Lage in der Autowirtschaft weiter verschärft. Privat-und Firmenkunden, die kaufen, müssen oft mit langen Lieferzeiten rechnen. Wie reagieren sie darauf? Wir haben nachgefragt.

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Frischmuth (Danner): Zu wenig Ware
"Der Privatkunde ist derzeit fast nicht vorhanden. Die Firmenkunden nehmen Verzögerungen bei der Lieferung zähneknirschend hin, aber sie kaufen Fahrzeuge", sagt Josef Frischmuth, Geschäftsführer Auto Danner/Schlüßlberg. "12 Monate sind schon ein geflügeltes Wort, die Frage ist, ob der Kunde sein Fahrzeug überhaupt in 12 Monaten erhält." Auch die Privatkunden reagierten derzeit verhalten, "denn die Mobilität, die derzeit angeboten wird, ist nicht das, was der Kunde möchte". Dieser habe zwar die E-Mobilität im Hinterkopf, erkenne aber oft sehr rasch, dass er sich diese nicht leisten könne und wolle. "Das Dilemma ist derzeit, dass wir viel zu wenig Ware bekommen." 

Reiser: Kunden mobil halten
"Unsere Fuhrparkkunden reagieren oft verständnisvoll, weil auch sie unter den Folgen der Krise leiden, einige bestellen bereits vorausschauend Fahrzeuge, weil sie wissen, dass sie diese im kommenden Jahr benötigen", so Anton Reiser, Geschäftsführer Autohaus Reiser/Straßwalchen. "Wir bieten Gewerbe-und Privatkunden auch bei längeren Lieferzeiten einen garantierten Netto-Preis, auf etwaige Steuererhöhungen oder Änderungen, die der Bund oder das Land beschließen, haben wir keinen Einfluss. Die Kunden sind sehr gut informiert, das Verständnis steigt. Wir versuchen, Kunden auf jeden Fall mobil zu halten und haben als NebengewerbeAutovermietung angemeldet, um rechtlich abgesichert zu sein."

Radauer: Tag und Nacht unterwegs
"Für uns zählt in der jetzigen Situation nur eines: Der Kunde steht im Mittelpunkt, in Zeiten wie diesen ist er die einzige, relevante Konstante. Wenn man mit den Kunden im Lauf der Jahre eine entsprechende Bindung aufgebaut hat, lässt sich auch diese schwere Krise überstehen", ist Komm.-Rat Bernhard Radauer, Geschäftsführer Autohaus Radauer, St. Veit a. d. Glan, Neumarkt und St. Lamprecht, überzeugt. "Ich bin Tag um Nacht unterwegs, um Fahrzeuge anzukaufen, da lange Lieferzeiten oft die Kauflust trüben. Wenn ich Kunden ihr Wunschfahrzeug nicht besorgen kann, dann versuche ich, ihnen etwas anderes zu verkaufen."

Rötzer (Dosenberger): Gewerbekunden toleranter
"Grundsätzlich zeigen Gewerbekunden -die Beschaffung der Ware und die Liefersituation ist sehr, sehr schwierig -mehr Verständnis für die augenblickliche Lage als Privatkunden", erklärt Ing. Wolfgang Rötzer, Geschäftsführer Autohaus Dosenberger/Innsbruck. "Leider können wir auch oft Unternehmen nicht immer sofort mit Fahrzeugen aushelfen, weil auch unser eigener Fuhrpark reduziert wurde." Die Krise habe sich durch den Ukraine-Krieg noch weiter verschärft. "Der Großteil der Privat-Käufer ist momentan noch mobil, nur wenige brauchen dringend ein Auto, und diese sind auch bereit, je nach Verfügbarkeit der Ware Kompromisse einzugehen."

Lins: Zurückhaltung beim Kauf ist groß
"Wir arbeiten mit klassischen Instrumenten, wobei es bei Firmenkunden leichter ist, sie zufriedenzustellen, etwa mit einer Leasingverlängerung, oder wir bieten ihnen auch Überbrückungsmobilität an", sagt Mag. Rudi Lins, Landesgremialobmann des Vorarlberger Fahrzeughandels und Geschäftsführer Autohaus Rudi Lins/Nüziders. Das funktioniere ganz gut, während sich die derzeitige Verfügbarkeitssituation bei Privatkunden deutlich auswirke. "Wir merken, dass die Zurückhaltung beim Kauf groß und die Nachfrage gering ist. Viele, die kommen und hören, dass sie auf ihr Wunschmodell länger warten müssen, winken dann ab. Auch auf vorgeschlagene Alternativlösungen gehen die Kunden kaum ein."

Keglovits: Verkauf sehr stark gefordert
"Viele Kundenüberlegen, Abstriche bei Ausstattungsdetails zu machen, wenn sie dadurch schneller zu ihrem Neufahrzeug kommen", berichtet Roman Keglovits-Ackerer, Bundesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik und Geschäftsführer des Autohauses Keglovits Zwölfaxing und Trumau. "Mittlerweile ist der Verkauf sehr stark gefordert, die Beratung ist wesentlich aufwändiger geworden und nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch, wobei vielen Kunden bereits deutlich bewusst ist, dass sie mit längeren Lieferzeiten zu rechnen haben." Grundsätzlich würden Firmenkunden ihre Fahrzeuge oft relativ rasch benötigten. "Wir bieten unseren Kunden auch Mobilität in Form von Mietfahrzeugen."

Keusch (Stahl): Mit der Situation abgefunden
"Wir konnten in unserem Betrieb beobachten, dass sich ein Großteil der Kunden zwangsweise mit der momentanen Situation abgefunden hat", erklärt Ing. Gernot Keusch, Geschäftsführer Auto Stahl/Wien. Vereinzelt käme es vor, dass sowohl Kunden aus dem B2B-als auch aus dem B2C-Bereich kein Verständnis aufbrächten, "wobei es Zwangsverweigerer in allen Bereichen immer wieder gibt". Im Augenblick habe sich auch das Kundenverhalten insofern geändert, "dass jene, die in den Schauraum kommen, auch meistens nicht nur gustieren, sondern auch kaufen wollen". Gleichzeitig sei der Verkauf wegen des deutlich erhöhten Beratungsbedarfs stark gefordert.

Schöggl (Huber): Gespräche auf sachlicher Ebene
"Unsere Kunden reagieren zum Großteil mit sehr viel Verständnis, weil es mittlerweile generell Verfügbarkeitsprobleme bei der Ware gibt", berichtet Dietmar Schöggl, Standortleiter Kfz-Huber/Niklasdorf. "Wir führen sehr viele Gespräche. Es gibt auch Diskussionen, die aber zumeist auf einer sachlichen Ebene ablaufen, und kaumStornierungen." Im Gegensatz zu früher sei es nun notwendig, "das Auto nicht nur einmal, sondern zwei-bis dreimal anzugreifen, weil es beispielsweise eine Modelländerung gibt oder sich die Preise ändern". Man habe in den letzten 2 Jahren gelernt "mit dem Thema umzugehen, und wir haben das im Griff". Man sei auch bemüht, den Kunden Alternativen anzubieten, falls das gewünschte Modell nicht unmittelbar verfügbar sei.

Kneisz: Herausforderung für den Verkauf
"Generell wissen die Kunden -bis auf Einzelfälle -durchaus Bescheid, dass sie bei Kauf eines Neuwagens mit längeren Lieferzeiten zu rechnen haben", erklärt Stefan Kneisz, Landesgremialobmann des burgenländischen Fahrzeughandels und Geschäftsführer Autohaus Kneisz/Oberpullendorf. "Bis zu 6 Monate Lieferzeit werden in der Regel akzeptiert, längere Lieferfristen allerdings oft nicht. Das ist auch sehr herausfordernd für den Verkauf, denn Preise können sich ändern. Gleichzeitig gelten bei Finanzierungen, also Leasing oder Kredit, Zusagen von den Banken oft nur 3 bis 4 Monate, auch das kann bei langen Lieferzeiten Probleme machen,falls sich bei der Bonität der Kunden etwas verändert."

Lesen Sie dazu auch den Artikel über die Liefersituation der Marken: Es kummt net, kummt net
 

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