Der digitale Gutachter

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Der digitale Gutachter

Bis uns die künstliche Intelligenz in Form eines Roboter-Butlers zuhause alle Wünsche von den Augen abliest (oder vielmehr errechnet), wird noch einige Zeit vergehen. In der Schadenkalkulation ist die selbstdenkende Software schon Realität.

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Künstliche Intelligenz (KI), hochwertige Kameras (im Smartphone) und hohe Rechenleistungen bringen neue digitale Lösungen im Bereich der Schaden-Begutachtung und -Kalkulation. So hat kürzlich DAT seine neue Software vorgestellt, die bis Ende des Jahres Teil der Schadenkalkulation SilverDAT werdensoll. Mithilfe von FastTrackAI soll laut DAT die digitalisierte Schadensabwicklung angestoßen werden. Das A und O, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, sei dabei die Bildqualität, erklärt Helmut Eifert, Managing Director International Business bei DAT. Die Anwendung helfe dem Benutzer dabei, die richtigen Fotos zu machen. Die KI-gestützte Software erkennt die beschädigten Teile und die Schadensart. Dem Anwender werden dann die unterschiedlichen Reparaturwege wie Smart Repair, umfangreiche Lackierarbeiten etc. beschrieben. Danach erstellt das System auf Basis der SilverDAT-Kalkulation und aktueller Fahrzeug-und Reparaturdaten eine holistische Schadenkalkulation sowie eine Restwertprognose.

Audatex: KI bereits im Einsatz
Bei Audatex kann die KI-gestützte Schadenkalkulation schon jetzt (optional) in der neuen Schadenkalkulation Qapter Claims genutzt werden. Über die (mittels Zeichenerkennung erkannte) Fahrgestellnummer wird eine Maske des betroffenen Fahrzeugs im Smartphone eingeblendet. Damit wird der Nutzer - das kann auch der Kunde gleichnach dem Schaden sein -genau durch den Foto-Prozess geführt, kann exakt erkennen, in welchem Winkel er welche Fotos machen muss. Danach folgt ein Kalkulationsvorschlag, wo genau die beschädigten Teile erkennbar sind. Auch hier kann der Fachmann danach jederzeit korrigierend eingreifen, falsche Beschädigungen wieder ausblenden oder fehlende ergänzen, auch der Reparaturumfang kenn jederzeit verändert werden.

Scan-Portal und -Boxen
Neben der Schadenkalkulationüber die Smartphone- App gibt es auch Systeme, die den optischen Zustand des Fahrzeuges in Sekundenschnelle überprüfen. Der Digital Vehicle Scan des TÜV SÜD ist ein Durchfahrtscanner, der den Fahrzeugzustand optisch inklusive Unterboden analysiert (und bei Bedarf mit einem Sollzustand vergleicht). Auch der TÜV SÜD arbeitet gerade an einer automatischen Schadenerkennung mittels künstlicher Intelligenz, "die Schäden am Fahrzeug erkennt und kategorisiert und damit den Gutachter unterstützt", so das Statement. tScan Solutions verspricht das schon jetzt, zumindest für Smart-Repair-Schäden wie Dellen, Kratzer oder Lacksplitter. "Die Software kalkuliert anhand des Schadensberichtes automatisch die anfallenden Kosten und unterstützt bei der Erstellung von Angeboten und Gutachten." Auch hier kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz.
 

Zusatzangebote und Zustands-Dokumentation
Diese Portalscanner spielen derzeit zwar (noch) keine Rolle im Bereich der echten Unfallschaden-Kalkulation, sie bieten aber noch andere Möglichkeiten: Bei Rücknahme von Flotten- und Mietwagen, aber auch Gebrauchtfahrzeugen wird der tagesaktuelle Zustand des Fahrzeuges dokumentiert. Bei der Reparatur­annahme können Dellen oder Kratzer rasch erkannt werden, um dem Kunden Zusatzleistungen anzubieten oder um den Fahrzeugzustand gegen spätere ­Reklamation zu dokumentieren.

Wahrscheinlichkeits-Angaben
Die angeführten Systeme sind noch nicht perfekt. Bei den Schadenkalkulations-Systemen von Audatex und DAT werden beispielsweise Wahrscheinlichkeiten angegeben. Wie wahrscheinlich ist es, dass es sich bei dem markierten Teil tatsächlich um eine Delle und nicht um einen Wassertropfen oder eine Spiegelung handelt. Zumindest derzeit braucht es noch den Menschen, den Fachmenschen, der die Prognose der Maschine mit der Realität abgleicht. Es braucht auch noch den Fachmann im Lack- und Karosseriebetrieb, um den tatsächlichen Reparaturumfang und die Reparaturmethode für eine fachgerechte Arbeit festzulegen. Dieser Fachmann muss auch entscheiden, wie die Reparatur auf Basis der vorhandenen Möglichkeiten, also Ausstattung der Werkstätte sowie Kompetenz und Ausbildungsstand der Mitarbeiter, umgesetzt werden kann. Das wird in Zeiten des Facharbeitermangels zunehmend zum Thema.
Neue digitale Lösungen werden die Abläufe verändern, sie können zu Verbesserungen bei Qualität, Effizienz, Abwicklung und auch beim Kundenkontakt führen. Die letzte Entscheidung muss und wird aber immer der Mensch haben, der die Reparatur durchführt und sie letztlich auch verantwortet. Entscheidend ist: Die Lack- und Karosseriebetriebe müssen diesen Entwicklungen offen gegenüberstehen.

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