16 Generationentreffen

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16 Generationentreffen

Fritz Knöbl

Fritz Knöbl stellt sich im Interview über 35 Jahre A&W den Fragen des jüngsten Redakteurs Franz Verworner.

Franz Verworner: Vielleicht können wir mit einer kleinen Anekdote beginnen: Gibt es eine Geschichte, die Ihnen in 35 Jahren A&W besonders in Erinnerung geblieben ist?
Fritz Knöbl: (Lacht) Mein Motto war immer, mehr Sex ins Heft hineinzubringen. Die Idee war einfach: Der berühmte Pirelli-Kalender war nicht allein am Markt. Da hätte man eine tolle Reportage machen können. Das war allerdings etwas schwierig mit meinen Partnern, mit denen ich das gegründet habe. Die sind auf diese Idee leider nicht so angesprungen. Deshalb hat sich das auch nicht durchgesetzt.

Franz Verworner: Was waren Ihrer Meinung nach vor 35 Jahren die größten Herausforderungen, und welche sehen Sie aktuell?
Fritz Knöbl: Früher hat man geglaubt, jedes Gewerbe, jede Sparte müsste ihr eigenes Blatt haben, auch in der Kfz-Branche. Jede Innung hat damals ein Mitteilungsblatt gebraucht und aus Kammerbeiträgen mitfinanziert. Dadurch hatten sie auchHerausgeberrechte, von Unabhängigkeit war insofern keine Rede. Wir wollten deshalb ein Blatt für alle machen, die von und mit dem Auto leben. Wir waren unpolitisch und hatten den Vorteil, viel kritischer berichten zu können. Den Mitteilungsblättern waren in gewissem Maße die Hände gebunden. Das hat auch gut funktioniert, allerdings war es zu Beginn zu breit gestreut. Wir waren bei einer Auflage von rund 22.000, das geht natürlich ins Geld. Dadurch war auch die Werbung teurer, was in Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit natürlich nicht optimal war. Das hat zu unserer Fokussierung auf Handel und Gewerbe in der Kfz-Branche geführt. In meinen Augen wird es auch in Zukunft wichtig sein, die starke, mittelständische Wirtschaft in der Berichterstattung abzubilden.

Franz Verworner: Wenn Sie die Arbeitsweise der Gründungszeit mit der heutigen vergleichen, welche Unterschiede, aber auch welche Gemeinsamkeiten sehen Sie?
Fritz Knöbl: Ich kann mich gut daran erinnern, dass Journalisten zur damaligen Zeit nicht den besten Ruf hatten. Ein Spruch, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, beschreibt das damalige Bild wohl besonders gut: "Räumt's die Wäsche weg, die Journalisten kommen." Ich denke, das hat sich mittlerweile doch stark verändert. Auch das Aufgabenbild des Journalisten hat sich stark geändert. Zeitdruck und Belastung für Journalisten haben immens zugenommen. Besonders im Printbereich wird von Journalisten heute verlangt, viel mehr Tätigkeiten selbst zu übernehmen. Das ist natürlich zeitintensiv. Zeit, die in anderen Bereichen fehlt. Durch die stetige Veränderung der technischen Aufgaben befindet sich auch der Journalismus selbst in einem ständigen Wandel. Wir als Journalisten sind Informationshändler. Persönliche Treffen und Pressereisen sind wichtig, um Anregungen und Informationen zu erhalten. Ich habe immer gesagt, die halbe Miete ist es, die Kollegen gut auszuhorchen. (Lächelt) Durch die aktuellen Umstände ist das natürlich deutlich schwieriger geworden.

Franz Verworner: Sie sprechen die aktuellen Umstände an. Corona hat die ganze Welt und auch die Autobranche schwer getroffen. Wie beobachten Sie die aktuellen Entwicklungen?
Fritz Knöbl: Für mich ist die momentane Situation insofern verblüffend, weil es die ganzen Jahrzehnte nie eine Autoknappheit gegeben hat. Die Hersteller haben immer danach getrachtet, noch mehr in den Markt hineinzupressen. Dabei haben sie den Händlern immer die Karotte vor die Nase gehängt. Allerdings immer so weit vor dem Kopf, dass sie die Karotte nie erreichen konnten -wie beim sprichwörtlichen Esel. So wollten sie die stetige Überproduktion in den Markt hineinbringen. Jetzt haben wir aber erstmals eine Knappheit. Halbleiter bewegen sich immer in einem Schweinezyklus. Für mich ist der Engpass in der Autobranche selbst verschuldet, weil die Elektronikbranche mit ihren Konsumartikeln viel besser gezahlt hat als die Autoindustrie. Das rächt sich in Zeiten einer Knappheit. Die entscheidende Frage ist, wie viele Chips sind in einem Tesla verbaut und wie viele in einem Elektroauto von VW. Viele Hersteller haben momentan viel zu viele Steuerungsgeräte für jede einzelne Komponente. Man muss künftig alle Funktionen auf einem höherwertigen Chip integrieren, wie es auch die Militärelektronik gezeigt hat. Diesen Übergang muss die Autoindustrie bei uns erst schaffen. Ich denke, das wird vier bis fünf Jahre dauern. Tesla hatte es hier natürlich leichter, weil man nicht auf irgendwelche Vorgängermodelle Rücksicht nehmen musste.

Franz Verworner: Wie sind Sie als Jurist zum Journalismus gekommen, und was macht für Sie den Reiz dieser Arbeit aus?
Fritz Knöbl: Eigentlich war es reiner Zufall. Ich habe Jus studiert, und weil in der Kartellrechtsabteilung der Wirtschaftskammer kein Posten frei war, bin ich in die Presseabteilung gekommen. Ich bin also, wie viele andere auch, über die PR-Schiene zum Journalismus gekommen. Ich wollte aber nicht immer nur das schreiben, was die Firma sich wünscht. Somit habe ich als Freelancer begonnen, journalistisch zu arbeiten. Bis heute freut es mich, dass meine erste Geschichte für den "Trend" eine Titelgeschichte wurde. Nach meiner Zeit als Freelancer bin ich selbst Medienmacher geworden. Der A&W Verlag war mein viertes Verlagsprojekt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon meine Anwaltskanzlei. Die lag im selben Gebäude wie die Redaktion. Auf Dauer war das meiner juristischen Tätigkeit nicht unbedingt zuträglich, weil Journalisten und Anwälte aus Prinzip recht gegenteilige Aufgaben haben, Stichwort Schweigepflicht. Als Anwalt hatte ich aber den Vorteil, über ein immenses Backgroundwissen zu verfügen -natürlich ohne meine Verschwiegenheitspflicht zu verletzen. Einem Anwalt vertraut man schließlich eher als einem Journalisten. Im Lauf der Zeit ist die Intensität in der Kanzlei stetig gestiegen und somit die Tätigkeit im Verlag etwas in den Hintergrund gerückt. Mit der Zeit bin ich immer mehr zueiner Art Betriebsrat geworden. Wer sich ausweinen wollte, weil etwas nicht gepasst hat, hat einen Schlenker zu mir ins Büro gemacht. Mit meiner Abwanderung war dann aber auch mein Zusammenhang mit dem A&W Verlag stark reduziert. Intensiver wieder eingestiegen bin ich, als ich mit 65 Jahren meine Kanzlei an meinen Nachfolgerübergeben habe. Ich wollte wieder das machen, was viel Spaß macht -Journalismus.

Franz Verworner: Was hat der Verlag in Ihren Augen früher besser gemacht, oder was macht er heute besser als früher?
Fritz Knöbl: Besser ist jedenfalls, und da war ich zu Beginn sehr skeptisch, die breitere Diversifizierung. Besonders in Hinblick auf die wirtschaftliche Absicherung. Es birgt aber auch Schwierigkeiten, wenn ich B2B und B2C kombiniere. Ich muss nämlich immer auch das B2B-Geschäft berücksichtigen und kann daher vielleicht nicht so unabhängig berichten, wie ich das eigentlich möchte. Auf der anderen Seite kann ich dazu aus eigener Erfahrung sagen, dass sich diese Zweige nicht in die Quere kommen müssen. Ich kann mich gut aneine Geschichte aus meiner Zeit vor A&W erinnern. Nachdem wir eine kritische Geschichte publiziert haben, die einem unserer großen Inserenten nicht geschmeckt hat, hat dieser alle Inserate gestoppt. Nach einem halben Jahr ist aber alles wieder in normalen Bahnen gelaufen. Mit solchen Geschichten gewinnt der Verlag an Gewicht. Das zeigt für mich, dass einander kritische Berichterstattung und B2B-Geschäft nicht ausschließen.

Franz Verworner: War früher wirklich alles besser?
Fritz Knöbl: Ich würde nicht sagen, besser, aber es war einfacher. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit, einer Zeit des Informationsüberangebots. Hier Fuß zu fassen und wirtschaftlichen Erfolg zu haben ist meiner Meinung nach schwieriger.

Franz Verworner: Wo liegen in Ihren Augen die größten Unterschiede unserer Generationen, und was sollten wir voneinander lernen?
Fritz Knöbl: Dass die jungen Generationen digital aufwachsen, das ist für mich der wesentlichste Unterschied. Die älteren Generationen tun sich da von Haus aus schwer. Ich sehe es an mir selbst, ich nehme teure Nachhilfestunden, weil ich selbst blogge. Deshalb muss ich mich mit dem entsprechenden IT-Wissen ausstatten, obwohl ich es in meiner früheren Tätigkeit als Anwalt eigentlich immer abgelehnt habe, den Computer selbst zu bedienen. Das Mittelalter tut sich da schon leichter, auch weil sie gewusst haben,dass sie noch länger etwas davon haben. Das Wissen im digitalen Bereich überholt sich in einem Fünfjahreszyklus. Was ich jetzt lerne, ist in nur fünf Jahren wieder obsolet. Allerdings bringt die Digitalisierung für mich auch Positives mit sich, gerade im Journalismus. Die Qualität der Recherche hat meines Erachtens durch das Internet stark zugenommen.

Franz Verworner: Abschließend eine zukunftsgerichtete Frage. Wie stellen Sie sich die Autobranche in 35 Jahren vor? Fritz Knöbl: Mobilität ist ein natürliches Bedürfnis. Niemand will im hinteren Zillertal geboren werden, dort wieder sterben und dazwischen einmal im Leben nach Innsbruck gekommen sein. Deshalb wird individuelle und leistbare Mobilität auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Gerade in nicht urbanen Gebieten wird sich das nicht so schnell ändern. Natürlich werden aber auch autonomes Fahren und Carsharing in Ballungszentren stark an Bedeutung gewinnen. Hier wird die Branche mit neuen Fragen konfrontiert, zum Beispiel der Reinigung dieser Fahrzeuge. Eines ist nämlich sicher, wenn das Auto nicht mir gehört, werde ich es auch nicht reinigen. Auch im Handel werden die kommenden Jahrzehnte große Veränderungen bringen. Schauen wir nur nach England. Hier findet ein starker Konzentrationsprozess im Vertrieb statt. Auch in Deutschland lassen sich ähnliche Trends schon beobachten, wie das Beispiel des Agenturmodells zeigt. Für diese Themen sollte die Branche Konzepte erstellen, um sich für die Zukunft zu rüsten. 16
 

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