37 Vom Fahrer zum Passagier

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37 Vom Fahrer zum Passagier

Automatisiertes Fahren ist mehr als technische Entwicklung. Werden wir befreit oder entmündigt?

Wer die Entwicklung von Assistenzsystemen in Automobilen -bis hin zu Formen des voll-oder teilautomatisierten Fahrens -nur als technische Entwicklung betrachtet, klammert eine ganz wesentliche Frage aus: Was passiert mit dem Menschen, der vom Fahrer zum Passagier im eigenen Auto wird? In den Sinn kommt eine Szene aus dem Blockbuster "I, Robot" aus dem Jahr 2004. Der von Will Smith verkörperte Held, der einen Roboter jagt, welcher des Mordes verdächtigt wird, muss in einer wüsten Verfolgungsjagd am Steuer seines Audi feindliche Roboter abschütteln. Just in diesen Sekunden will das Auto die Kontrolle übernehmen, um seinen Fahrer zu schützen. Dieser muss sich behaupten, mit Gewalt das Lenkrad wieder an sich reißen -ein Bild mit prophetischem Charakter?

Erst überfordert, dann entkoppelt
Persönlicher Zugang: Die Welt war in Ordnung, damals anno 1990, wir waren jung und hatten das Leben noch vor uns. Das erste Auto hatte eine Handschaltung, Knöpfe, Hebel und Schalter. Elektronik passierte bei der NASA. Dass für die Altvorderen auch jene Fahrzeuge schon gravierende Schritte zur Vereinfachung hinter sich hatten, war dem damaligen Einsteiger nicht bewusst. Dabei ist die Geschichte des Automobils seit seiner Etablierung auch eine der "Überforderung", glaubt man dem Philosophen und Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Christof Windgätter, der an der Universität in Berlin lehrt und im Wintersemester 2021/22 als Senior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien arbeitete. Seine Gedanken und Theorien zur Anthropologie des Automobils reflektierte er in seinem im Februar gehaltenen Vortrag "Wen kümmert's, wer fährt". Mehr als um eine Bewertung geht es Windgätter um eine Prognose der Auswirkungen des autonomen Fahrens auf Fahrer, Passagiere und das Autofahren selbst.

Am Beginn, geprägt von jener bereits erwähnten Überforderung, steht eine Dreiteilung des Autofahrenden in Mechaniker, Lenker und Passagier. Beim autonomen Fahren gibt es nur noch Letzteren. Wobei schon das Armaturenbrett der erste Schritt zur Entkoppelung des Fahrers vom Fahrzeug war, wie Windgätter zeigt. Schritt für Schritt sei die anfängliche "Überforderung" reduziert worden. "Wobei es zu kurz greift, die Entwicklung als eindeutige Vereinfachungsgeschichte zu sehen. Gerade moderne Fahrzeuge erfordern viel Lernaufwand, was in deutlichem Gegensatz zur gern behaupteten intuitiven Bedienbarkeit steht."

Konzepte werden Realität
Das autonome Fahren bedeutet laut Windgätter das Ende der klassischen Hierarchie im Auto. "Heute bestimmt der Fahrer, was alle anderen Insassen tun. Die Kinder hinten müssen ruhig sein, damit er sich konzentrieren kann, der Beifahrer navigiert oder reicht einen Schokoriegel rüber. Im autonomen Fahrzeug ergibt sich eine ganz andere anthropologische Konstellation." Könnte das bedeuten, dass deutlich weniger Familienausflüge unternommen werden? Die Konzepte autonomer Fahrzeuge -oft schon entlarvend als "people mover" bezeichnet oder gar von Anfang an als Cargo-Studien präsentiert - finden sich seit Jahrzehnten auf den Messen. Doch mehr und mehr werden diese Visionen Realität: Angesichts des Cockpits des Mercedes-Benz EQS kommt einem unwillkürlich die Windgättersche Formulierung von der "Eskalation der Bildschirme" in den den Sinn. Das autonome Fahrzeug - gern als kommunikationsfördernde Zelle mit einander zugewandten Sitzen gezeichnet -sieht Windgätter als mehrschichtiges Interface, das die Sitze, die Scheiben, den Klangraum im Auto mit einschließt und das dazu dient, den Menschen in einen Cyberspace zu entführen, in dem er seine Daten zu Markte trägt. "In den Plänen der Hersteller sollen die Leute in diesen Autos genau dasselbe tun, was sie heute tun,wenn sie vor ihren Computern oder Handys sitzen. Sie sollen Daten generieren, die es erleichtern, ihnen Produkte zu verkaufen. Sie sollen digitiale Spuren hinterlassen, die dann kommerzialisierbar sind. Außerdem wird mit Daten heute Politik gemacht. Insofern muss man sehr kritisch beobachten, wasdiese Entwicklung für demokratische Gesellschaften bedeutet." 37
 

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