39 Morgen fliegen wir. Nein, morgen fliegen wir!

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39 Morgen fliegen wir. Nein, morgen fliegen wir!
Renault

Schon zu Beginn des letzten Jahrtausends träumte der Mensch vom fliegenden Auto. Seitdem hat sich viel getan, dennoch sind wir am Boden geblieben. Wann entfliehen wir dem Stau tatsächlich durch die Luft?

Renault hat einfach ein feines Gespür. Passend zur Planung dieses Artikels in der Sonderausgabe anlässlich des 35. Geburtstags der AUTO&Wirtschaft schickt uns der französische Automobilhersteller eine Aussendung zum Air4. Wer sich das Wortspiel auf der Zunge zergehen lässt, braucht nicht einmal ein Foto dazu, um sich einen R4 vorzustellen, der in die Luft geht. Renault bedient sich des uralten Traums vom Fliegen sowie seines Jubilars -der kultige Kleinwagen wurde letztes Jahr 60 -und lässt beides als ultramodernen Quadrocopter aufleben. Lasst uns die Lüfte erobern! Aber halt, nicht so schnell: Wie war das eigentlich bisher mit den fliegenden Autos, und werden wir eines Tages tatsächlich von autonomen Drohnen ins Büro gebracht?

Aller Anfang ist schwer
Nachdem Carl Benz sein dreirädriges Auto vorgestellt hatte, dauerte es nur etwas mehr als 30 Jahre, bis das Autoplane von Glenn Curtiss in den USA abhob. Doch aller Anfang war schwer: 1917 schaffte es das Vehikel mit den ausladenden Doppeldecker-Flügeln nur kurz, vom Boden abzuheben. Fast 20 Jahre lang saßen die flugbegeisterten Automobilisten dann auf dem Trockenen, ihre Wünsche schienen keinen Widerhall in der Industrie zu finden. Mit einem Wettbewerb des U.S. Department of Commerce -gesucht wurde eine "Tin Lizzie"* der Lüfte -loderten dann wieder kleine Flammen in ihren Augen auf. Die Pitcairn Aircraft Company absolvierte schließlich 1936 mit dem Pitcairn Autogyro AC-35 einen Flug über Washington. Zur Abrundung wurde der geflogene Weg nach einem kurzen Umbau auf Straßentauglichkeit auf Rädern wieder zurückgelegt -der ultimative Beweis für das Funktionieren des Konzepts. Dennoch kam es nie zur Serienfertigung. Nicht nur der Zweite Weltkrieg, auch das Aufkommen der ersten serienmäßigen Hubschrauber und nicht zuletzt der hohe Preis machten alle Hoffnungen eines Fluggeräts für jedermann zunichte. Etwas näher dran war da schon Waldo Waterman, der an seinem Aerobile (Erstflug 1937) in verschiedenen Varianten feilte. Mit vielen Gleichteilen von Ford, Austin, Studebaker und Co schaffte er es, die Preisversprechen niedrig zu halten, zudem mussten die Flügel auf der Straße nicht mitgeführt werden, was dem Look des Vehikels guttat. Sogar eine eigene Aufbewahrungsidee für das Flügelwerk hatte sich der amerikanische Erfinder und Flugpionier ausgedacht. Auch hier kam es nie zu einer Serienfertigung.

Zwischen Science Fiction und Missionierung
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg flammte die Hoffnung auf fliegende Autos, nicht zuletzt gepusht durch fantastische Science-Fiction-Stories, immer wieder auf. Das US-Unternehmen Aerocar etwa stellte bereits ab 1949 die ersten flugfähigen Modelle her -fun fact: Auf der Straße wurden die abmontierten Tragflächen per Anhänger mitgeschleppt -und schaffte es bis zu einem Model III im Jahr 1968. Als die Serienreife dann endlich in Sichtweite schien, wurden die Zulassungsbestimmungen verschärft, und auch dieser Traum war ausgeträumt. Die Wichtigkeit strenger Vorgaben bestätigte der Crash des AVE Mizar 1973, eine Mixtur aus Ford Pinto und Cessna Skymaster, bei dem Firmengründer Henry Smolinksi starb. Nicht ohne für die Geschichte der Flugautos war das Bemühen von Paul Moller. Der Kanadier begann ab 1964 daran zu tüfteln und zeigte schon Studien zu autonom fliegenden Moller Skycars. 2014 scheiterte schließlich eine Crowdfunding- Kampagne, nachdem Moller selbst bereits 200 Millionen US-Dollar in seine Ideen gepumpt hatte. Hehre Ziele hatte der Missionar und Techniker Steve Saint vor Augen, als er den I-TEC Maverick 2010 zur Zulassung brachte: Das Gleitschirmbasierte Flugauto mit Subaru-Motor soll nach wie vor dabei helfen, Gottes Wort auch in abgelegenen Gebieten zu verbreiten, indem es weggespülte Straßen, eingestürzte Brücken etc. einfach überfliegt und dann am Boden weiterfährt.

Die Multicopter übernehmen
Mittlerweile ist man vom klassischen "Auto, das fliegen kann" eher abgekommen. Die neue Utopie sind Multicopter, die man am besten gar nicht selbst besitzt. Mit den Erfolgen von Uber, Abomodellen und Co im Straßenverkehr und zudem der fortgeschrittenen Autonomisierung sieht der Traum anders aus. Flugtaxis sind das Gebot der Stunde, das deutsche Unternehmen Volocopter testet die senkrecht startenden Vehikel bereits seit 2019 - der Erstflug erfolgte über die Marina Bay in Singapur. Im Sommer 2021 war Paris dran, dort will man vor allem im Rahmen der Olympischen Spiele 2024 zu Bekanntheit gelangen. Allerdings: Im November 2021 -kurz nach einem weiteren Testflug mit dem 45 km/h schnellen 2X in Seoul -wurde bekannt, dass Volocopter seinen Börsengang vorerst cancelt. Lilium - gegründet von Münchner TU-Doktoranden -ist schon an der Börse und spricht nicht nur von Großaufträgen einer brasilianischen Fluglinie, sondern auch von Nordrhein-Westfalen als Modellregion und einem bayerischen Flugtaxi-Netzwerk. Zurück ins Private, wir kommen zur schwedischen Firma Jetson: "We intend to make everyone a pilot", heißt es dort. Vom Jetson One mit acht Elektromotoren sind zwölf Exemplare für 2022 schon konkreten Kunden versprochen, die 72 Produktions- Slots für 2023 sind ebenso fast schon ausverkauft. Ob daskompakte Modell aus Aluminium und Kohlefaser das Gelbe vom Ei für den Vorgarten ist? Wenn man bereit ist, 92.000 Dollar auszugeben, um ein zu 50 Prozent vormontiertes Fluggerät mit 20 Minuten möglicher Flugdauer selbst fertigzustellen, dann ja. Es scheint also noch ein weiter Weg zu sein, bis jedermann beim Verlassen des Hauses seinen Liebsten "Ich flieg jetzt los" zuruft. Mit dem AIR4 von Renault wird zumindest nicht auf eine Autosilhouette verzichtet. Das mit dem Designzentrum TheArsenale entwickelte, äh, Showcar (O-Ton Renault) setzt auf vier Doppelpropeller statt Reifen. Und keine Angst, dafür werden keine Oldtimer umgebaut, es handelt sich um einen vollständig aus Kohlefaser bestehenden Aufbau mit der Linienführung des französischen Klassikers. Mit fast 90.000 mAh Nennkapazität der Lithium-Polymer- Batterien kann es bis auf 700 Meter Höhe gehen, die horizontale Höchstgeschwindigkeit wird mit 94 km/h angegeben. Wenigstens hier -achten wir kurz nicht auf Äpfel und Birnen -schlägt sich der echte R4 besser, das Kultmobil knackte die 100-km/h-Grenze locker, auch wenn er lange bis dahin brauchte. 39
 

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