"In Ausbildung vielfältiger"

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"In Ausbildung vielfältiger"

MMst. Roman Keglovits-Ackerer, BA

Welche Veränderungen plant MMst. Roman Keglovits- Ackerer, BA, der neue Bundesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik? Wie sieht er die Lage der Werkstätten? Und was kommt in Sachen Ausbildung auf die Betriebe zu?

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Wie sehen Sie die Lage der Werkstätten? In welche Richtung wird es in Zukunft gehen?
Keglovits-Ackerer: KIch glaube, dass es eine komplette Neuausrichtung der gesamten Kfz-Branche geben wird. Wenn wir rund 100 Jahre zurückblicken, dann gibt es Fotos aus New York, auf denen fast nur Pferde und einige Jahre später dann fast nur Autos zu sehen sind. Jetzt wird Ähnliches mit Elektroautos passieren, die es ja, was viele vergessen, schon vor gut 100 Jahren gegeben hat -nur ist man damals mit dem Verbrennungsmotor einen leistbaren Weg gegangen: Jetzt sehe ich durch die Weiterentwicklung der verschiedenen Antriebskonzepte und Assistenzsysteme für die Werkstätten viele Chancen, die wir nutzen müssen.

Was sind Ihre Ziele bei der Weiterbildung?
Keglovits-Ackerer: Ich bin derÜberzeugung, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften am besten durch die Lehrlingsausbildung gedeckt werden kann. Und es braucht Perspektiven, um den jungen Leuten aufzuzeigen, dass die Lehre eine große Chance zur Weiterentwicklung ist. Genau da setzt unser Grundsatzbeschluss an, den wir imBundesinnungsausschuss beschlossen haben. Es gilt, ein mehrstufiges, aufeinander aufbauendes System zu entwickeln, das die jeweiligen Bildungsziele und Qualifikationsstandards beschreibt. Im Mittelpunkt der Aus-und Weiterbildungskonzepte soll die Förderung des lebenslangen Lernens durch Qualifikationsschritte sein. Bei der Lehrausbildung Karosseriebautechniker und Kfz-Techniker könnte ich mir vorstellen, den ersten Teil der Grundausbildung gemeinsam zu absolvieren.

Wie sehen Sie die Rolle der "freien" Werkstätten?
Keglovits-Ackerer: Sie werden in manchen Bereichen näher mit Markenbetrieben zusammenarbeiten, zum Beispiel wenn das Kalibrieren von Assistenzsystemen nach einer Reparatur oder einem Austausch notwendig wird. Ich denke, dass kleine Betriebe bei Zeitwert-Reparaturen sehr flexibel sind oder sich auf spezielle Reparaturen konzentrieren, zum Beispiel auf das Aufbereiten eines Getriebes. Wir müssen Netzwerke bilden -auch wenn es um die Diagnose und Reparatur von Hochvolt-Batterien geht. Hier muss der Betrieb genau kalkulieren, welche Arbeiten der Partner-Betrieb erledigt, um eine qualitativ gute und preislich vernünftige Lösung anbieten zu können.

Welche Leistungen könnten solche Verbünde von Werkstätten sonst noch anbieten?
Keglovits-Ackerer: Mehrere Werkstätten teilen sich Fachpersonal, Spezialwerkzeuge und Messtechnik. Und wir müssen Mobilität anbieten: Wenn ein Kunde nur ein kleines Auto im Alltag hat, aber für den Urlaub oder fürs Übersiedeln ein größeres Fahrzeug braucht, dann könnten wir diese Fahrzeuge im Verbund anbieten. Oder wir könnten Schulungspackages für Kunden anbieten, zum Beispiel zum Thema: "Wie funktionieren Assistenzsysteme?"

Derzeit locken unter anderem die niedrigeren Preise manche Kunden zu den "Freien". Wird das auf Dauer so bleiben?
Keglovits-Ackerer: Da freie Werkstätten Daten zukaufen müssen, werden die Abstände in der Kalkulation zu markengebundenen Betrieben nicht mehr so hoch sein. Ich glaube, dass sich viele Betriebe auf 3-4 Marken spezialisieren werden. Für alles darüber hinaus sind die notwendigen markenspezifischen Ausstattungen für freie Werkstätten nicht sinnvoll.

Wie werden sich die Stundenpreise entwickeln?
Keglovits-Ackerer: Es wird sicher keinen Einheitspreis geben, denn 150 Euro wird niemand für eine Bremsenreparatur zahlen. Also wird es eine Reparatur um 100 Euro geben, während ein Hochvolt-Techniker 180 Euro kostet -und die Arbeitszeit eines Programmierers wieder einen anderen Preis hat. Es gibt ja in jeder Firma Fachleute mit unterschiedlicher Spezialisierung und die werden je nachAusbildung auch anders bezahlt.

Viele Betriebe klagen seit Jahren, dass sie keine guten Lehrlinge finden - vor allem in den Städten. Wie beurteilen Sie die Lage?
Keglovits-Ackerer: Wenn man alle Lehrlinge in unseren Sparten zusammenzählt, haben wir etwas mehr als vor 5 Jahren. Aber es ist richtig viel Arbeit, sie zu bekommen. Man muss rechtzeitig die Eltern und Schulen informieren, was wir tun. Wenn die Eltern sehen, welch hochwertige Ausbildung wir machen, dann hat man sie auf der Seite. Eine große Aufgabe ist die Filterungnach Kompetenzen, die die jungen Leute mitbringen müssen, um im ausgewählten Beruf erfolgreich sein zu können.
Wir haben in unseren beiden Betrieben immer rund 25 Schnupperlehrlinge pro Saison, von denen natürlich nicht alle geeignet sind. Aber insgesamt bilden wir im Schnitt 12 junge Leute in allen Lehrjahren aus -unter anderem auch im Fahrzeughandel, wo wir eigentlich Mobilitätsberater brauchen statt wie in der Vergangenheit den klassischen Verkaufsberater.

Gibt es nicht in vielen Fällen bei den Lehrlingen auch sprachliche Probleme oder fehlende Grundkenntnisse, etwa im Rechnen?
Keglovits-Ackerer: Was die sprachlichen Barrieren betrifft, zeigen sich die Herausforderungen stark regional unterschiedlich. Ich bin derÜberzeugung, dass der korrekte sprachliche Umgang im Betrieb immer wichtiger wird, da die Techniker immer mehr direkten Kundenkontakt haben werden. Hier sind wir als Gesellschaft gut beraten, Ressourcen aufzubauen. Kurse, die verpflichtend, aber kostenlos und begleitend angeboten werden, sodass Defizite gezielt aufgearbeitet werden können. Der Zugang kann auch über Webinare erfolgen. Wichtig dabei ist, die Lernziele auch laufend zu kontrollieren.
 

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