"Totgesagte leben länger"

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"Totgesagte leben länger"

... oder: "Macht Corona alles gut?" Die Corona-Pandemie hat große Veränderungen gebracht. Für die Reifenbranche ist bei genauer Betrachtung nicht alles schlechter geworden, teilweise ganz im Gegenteil.

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Krisen bringen immer deutliche Veränderungen, verstärken Trends und dienen vielen Optimierungen als Vorwand. Schatten und Licht, kein Nachteil ohne Vorteil: In manchen Bereichen bringen sie auch Verbesserungen, wie eine Analyse der heimischen Reifenbranche zeigt.

Zu Beginn der Analyse muss man natürlich die -bereits mehrfach beleuchtete -Konsolidierung des Reifenvertriebs setzen. Das Ausscheiden von Ruhdorfer, Bruckmüller sowie (in Form der Integration in Conti Trade) auch Reifen John als starke Player in Österreich hat in den vergangenen Jahren deutlich Marktdruck genommen. Die Finn-Tyre-Pleite, aus der jüngeren Geschichte, hat internationalen Markt-und Preisdruck reduziert. Und dann erst kam Corona.

Überschaubare Einbußen
Die grundsätzlichen Einbußen durch die Pandemie sind in der Reifenbranche - vor allem im Vergleich zu anderen Branchen - überschaubar. Natürlich haben die Lockdowns und vermehrtes Home-Office die Kilometerleistung und damit den Reifenbedarf reduziert. Gleichzeitig sind mehr Menschen mit dem Auto anstatt mitöffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zur Arbeit, die Urlaubsreisen erfolg(t)en verstärkt mit dem Auto.

Vorteil: keine Überproduktion
So viel zum Absatz. Beim Einkauf haben alle Hersteller mit Lieferproblemen zu kämpfen. Selbst wenn eine grundsätzlich ausreichende Zahl an Reifen prognostiziert wird, wird es Einschränkungen geben. Warum soll gerade die Reifenbranche von Rohstoff-Mangel, Logistik-Engpässen und generellen Verteuerungen verschont bleiben. Das Gute: Überproduktionen, die bislang zu Dumpingpreisen über den Kontinent und teilweise über den Globus verschickt wurden, gibt es derzeit kaum. Das stark reduzierte Angebot der internationalen Online-Börsen bringt mehr Geschäft zu den regionalen Reifenpartnern. Diese Situation wird durch Probleme im grenzüberschreitenden Transport verstärkt, zudem haben die überforderten Paketdienste wenig Freude mit dem großvolumigen Produkt Reifen. Das Ergebnis: Der regionale Großhändler wird (siehe Einstieg) noch einmal gestärkt.

Von Low-Budget zu Budget
Dazu kommen Verschiebungen in Positionierung und Preisgefüge. Low-Budget-Produkte aus Asien rechnen sich kaum mehr: Eine Verdreifachung der Logistik-Kosten hat auf einen Billigst-Reifen deutlich stärkere Auswirkungen als auf ein Premium-Produkt. Das Fehlen der Low-Budget-Pneus führt aber auch zu einem Vakuum bei Budget-Reifen, die ja oft von etablierten Herstellern angeboten werden. Auch hier kommt es zu Verknappungen. Bei eingeschränkten Rohstoff-Ressourcen werden naturgemäß eher die Premium-Produkte der Palette produziert. Eingeschränkte Verfügbarkeit führt natürlich zu höheren Preisen, oder sagen wir vielleicht: zu leichter durchsetzbaren Preiserhöhungen, wie sie im heurigen Winterreifengeschäft schon einmal konsequent von allen Herstellern durchgeführt wurden. Für den Herbst ist mit einer zweiten Erhöhungsrunde zu rechnen. Das Thema ist überschaubar, wenn das steigende Preisniveau an den Kunden weitergegeben werden kann. In Verbindung mit deutlich wachsenden Größen -19 Zoll aufwärts, der SUV-Siegeszug lässt grüßen -steigen in jedem Fall die Umsätze. Das sollte letztlich auch der Marge helfen.

Österreichische Lösung
Die Verknappung, die Komplexität und Vielfalt sowie das sinkende Online-Angebot stärken die Position des etablierten Reifenfachhandels, sowohl beim Kunden als auch bei Wiederverkäufern wie Autohäusern und Werkstätten, die nun ihren Nachbarn stärker nutzen. Neben den ohnehin bekannt starken Namen in den österreichischen Regionen hat point-S seine Partner mit Prime Tire für den B-Handel noch weiter gestärkt. Die Vision von der österreichischen Lösung (siehe REIFEN&Wirtschaft 3/2020) mitösterreichischen Großhändlern und einem starken regionalen Reifenfachhandel scheint Realität geworden zu sein.

Die Rohstoff-Krise, der Container-Stau, die Logistik-Engpässe und -Preissteigerungen: All das wird sich wieder legen. Dann liegt es an den handelnden Personen (Endkunden, B2B-Kunden, Handel, Industrie), ein System, das in der Krise und auch in der ersten Zeit nach der Krise perfekt funktioniert hat, auch weiterhin loyal zu nutzen.
 

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