• Home
  • ÖL
  • Die Nachfrage ist stärker als das Angebot

Die Nachfrage ist stärker als das Angebot

Printer
Die Nachfrage ist stärker als das Angebot

Die Schmierstoffbranche kämpft mit Lieferschwierigkeiten und Kostendruck. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Auswirkungen für die Kfz-Betriebe weitgehend überschaubar.

Die Situation wirkt paradox und ist doch die schmerzhafte Realität. In - oder bald nach - der größten Pandemie seit hundert Jahren ist die Wirtschaft nicht mit Nachfrage-, sondern mit Angebotsproblemen konfrontiert. Nahezu die komplette wiederaufstrebende Industrie kämpft mit großen Problemen, die von Rohstoffmangel über Logistikschwierigkeiten bis zu massiven Preissteigerungen reichen.

Mittlerweile auch dem Endkunden bestens bekannt sind die Lieferschwierigkeiten in der Automobilindustrie: Allen Unkenrufen zum Trotz wären die Konsumenten in Kauflaune. Alleine: Die Hersteller können nicht liefern. Als Hauptgrund wird hier der Halbleitermangel genannt -die laufend wachsende Zahl an Elektronikchips ist nicht ausreichend verfügbar.

Im vergangenen LACK&Wirtschaft berichteten wir über die Preissteigerungen bei Farben und Lacken, weil nahezu allen wichtigen Chemiekalien deutlich teurer geworden sind. Die Bauindustrie "beklagt" Auftragsüberforderung, und sogar der Holzindustrie fehlt die Ware, wobei hier der Borkenkäfer ebenso seinen Anteil hat wie die Nachfragesteigerung.

Überall das gleiche?
Wenig überraschend klagen nun auch die Schmierstoff-Firmen über Lieferprobleme und Kostenerhöhungen. Nicht alle Schwierigkeiten sind Corona-begründet, vielmehr ist es auch hier eine Mehrzahl an Parametern, die gemeinsam auftreten.

"Da ist zum einen der Kälteeinbruch in Texas im Februar, wo die gesamte Additiv-Industrie versammelt ist", erklärt Ulrich Ruckenbauer, Europa-Verkaufsdirektor bei Lukoil Lubricants: "Damit fehlen die notwendigen Additive." Wie vor 2 Jahren der Brand der Lubrizol Additiv-Fabrik in Rouen in Frankreich sind es auch hier unvermeidbare Einzel- Ereignisse, die eine ganze Branche beeinträchtigen.

Zudem haben die Raffinerien ihre Wartungsarbeiten erledigt, weil der Verbrauch durch Corona zurückgegangen ist", so Ruckenbauer. "Dadurch gab es weniger Produkte von den Raffinerien für die Basisöle." Ähnlich analysiert Johann Berger, Geschäftsführer des Energiespezialisten MaierKorduletsch: "Aufgrund der Tatsache, dass durch den geringen Bedarf an Kraftstoffen, insbesondere an Kerosin, die Raffinerieproduktion im Euroraum deutlich zurückgefahren wurde, kommt es seit Anfang dieses Jahres zu Engpässen bei der Versorgung mit Basisölen und Additiven. Hinzu kommt, dass sehr viele Rohstoffe, Halb-und Fertigerzeugnisse in den asiatischen und nordamerikanischen Wachstumsmarkt fließen."

Wie auch in anderen Industrien benötigt der enorme Wirtschaftsaufschwung, zuerst in China und mittlerweile auch in den USA, enorme Ressourcen. Das beeinträchtigt den Restart Europas, das in der Pandemiebekämpfung hinter den USA und China liegt, massiv.

Logistik, Container und Suez
Zum Rohstoffmangel kommen enorme Schwierigkeiten in der Logistik. "Das Hauptthema sind die Containerprobleme in Asien", erklärt Ulrich Ruckenbauer. Über die massiven Kostenerhöhungen beim Containerverkehr haben wir ja bereits in unserem REIFEN&Wirtschaft berichtet. Ein ausgewogenes System an Containertransporten über die ganze Welt ist ins Wanken geraten, weil plötzlich zu große Mengen nur mehr in eine Richtung transportiert werden.

"Der Suez-Kanal-Stau hat sein Übriges dazu getan. Alles zusammengefasst gibt es jede Menge Probleme, die es erschweren, am Markt Produkte zu bekommen", analysiert Ulrich Ruckenbauer, der mit konzerneigenem Basisöl in Lukoil-Werk in Wien produziert und dadurch gut lieferfähig ist. Last but not least treffen die Rohstoff-und Lieferschwierigkeiten auch auf die Verpackungen und die Gebinde zu, die nicht ausreichend lieferbar und teurer sind.

Vom Verkäufer zum Verteiler
Für den Schmierstoff-Vertrieb stellt sich damit eine gänzlich neue Situation ein. Während in den vergangenen Jahren der Verdrängungswettbewerb samt Preiskampf immer größer geworden ist, waren die Verkäufer heuer gefordert, ihre Ware unter ihren Kunden möglichst gerecht aufzuteilen. Das war auch wichtig, um inoffiziellen Wiederverkäufern die Türen geschlossen zu halten. Grauimporte und Dumpingpreise sind damit vorerst eingeschränkt, alle Hersteller und Vertriebspartner mussten die Preise (mehrmals) erhöhen.

Das Ende der Überproduktion und Marktüberflutung kann letztlich auch positive Entwicklung bringen. Kleine Preiserhöhungen seitens der Industrie gefährden die Margen der Kfz-Betriebe schließlich weniger als Dumpingpreise im Endkunden-Onlinehandel.

 

"Gut durch die Krise gekommen"

"Gut durch die Krise gekommen"

Denzel-Vorstandssprecher Mag. Gregor Strassl zieht trotz der Corona-Krise eine positive Bilanz und erwartet ein Wirtschaftswachstum für zumindest zwei Jahre, von dem die Kfz-Branche profitieren wird.

Mehr als 300 Kaufverträge

Mehr als 300 Kaufverträge

Die Lieferprobleme beim Isuzu D-MAX sind fast überwunden – auch mit Hilfe von Lieferungen aus Deutschland. Österreich-Chef Marco Sampl rechnet auch 2022 noch mit guten Pick-up-Verkäufen in Österreich.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren, können Sie unsere RICHTLINIEN FÜR DATENSCHUTZ UND VERWENDUNG VON COOKIES aufrufen.

OK