Die da hinten sieht man nicht

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Die da hinten sieht man nicht
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Oft stehen die verkaufenden Kollegen im Schauraum im Vordergrund. Doch kein Autohaus könnte ohne funktionierende Werkstatt überleben. Eine Symbiose!

Es gibt sie zwar nicht, diese Umfrage: Doch angenommen, wir würden 1.000 Österreicher befragen, was ihnen sofort zum Stichwort "Autohaus" einfällt. Was glauben Sie, wäre die Antwort? Eine (nicht wirklich repräsentative) Umfrage unter Freunden und Bekannten ergab eine relativ deutliche Tendenz: Es sind die glänzenden Autos im Schauraum.

Das wundert mich nicht wirklich: Noch immer gilt für die überwiegende Mehrheit der Österreicher das Auto als Statussymbol. Zumindest so lange, als es unsereins perfekt funktionierend von A nach B bringt. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr um Jahr. Doch genau dafür benötigt man "die Werkstatt". Ein Bereich, den viele Kunden nur am Rande kennen, vom flüchtigen Hineinschauen. Ein für Außenstehende schwer verständlicher Kosmos mit Abläufen, die perfekt ineinanderpassen müssen, damit "am Ende des Tages" (und oft stimmt das wirklich) aus einem kaputten Vehikel, das in der Früh dort abgestellt wurde, wieder ein schönes Auto wird.

So wie die Kunden haben auch nicht alle Beschäftigten bei den Importeuren verstanden, wie wichtig eine Werkstätte ist: Denn wie sonst kämen die teils vernichtenden Urteile zustande, die wir auch diesmal wieder im Spätsommer/Frühherbst bei der Umfrage unter den Markenbetrieben erhoben haben.

Beim "Händlerradar" haben wir 505 Unternehmen befragt, je nach Höhe des Marktanteils zwischen 15 und 25 pro Hersteller. Die Ergebnisse sind ganz klar -und zwar über alle 25 Marken hinweg: Am meisten wünschen sich die Markenbetriebe mehr Unterstützung bei der Gewinnung von Werkstattkunden älterer Fahrzeuge. Wobei auch hier die Ergebnisse völlig unterschiedlich sind: Die Werkstätten von Volvo, Mazda, Seat und Skoda (deren Werbung auch unüberhörbar im Radio läuft) sind deutlich zufriedener als jene von Nissan, Jeep, Peugeot oder Citroën.

Rang zwei in den verbesserungswürdigen Punkten geht, eigentlich logisch, an die Vorgabezeiten für Wartungs-und Reparturarbeiten: Am zufriedensten sind hier die Suzuki-Händler, während ihre Kollegen von Jaguar/Land Rover am weitaus lautesten jammern und beispielsweise bei Hyundai ebenfalls keine sonderliche Zufriedenheit herrscht. Das drittschlechteste Zeugnis erhielten die Importeure für den telefonischen/digitalen Support bei technischen Problemen der Fahrzeuge: Machen Sie einen Blick auf ein paar Zitate im A&W Händlerradar, dann wissen Sie bestens Bescheid!

Opel ist in diesem Bereich abgeschlagener Negativ-Champion 4 der insgesamt 9 abgefragten Punkte liegen im Mittelfeld: Die Preise für wettbewerbsgefährdete Teile ebenso wie das Margen-und Bonussystem für Teile und Zubehör, die Angemessenheit der geforderten Investitionen in die Werkstattausrüstung und die Unterstützung des Werkstatt-und Aftersales-Geschäftes.

Am zufriedensten sind die Markenwerkstätten hingegen mit 2 Kategorien: Die Lieferfähigkeit von Teilen war offenbar auch im Pandemie-geprägten Jahr 2020 sehr gut. Spitzenreiter ist hier Mazda, am negativsten fiel Opel auf. Und auch die Garantieund Gewährleistungsabwicklung bei Neuwagen funktioniert im Schnitt relativ klaglos: Champion ist hier Honda, Schlusslicht Peugeot.

Wie gesagt: Die Werkstätte bringt im Lauf der Jahre einem Autohaus jenes Geld, das vorne (also im Schauraum) beim Verkauf eines Neuwagens nicht wirklich verdient wurde bzw. wegen der niedriger gewordenen Margen und der immer höheren Auflagen der Hersteller gar nicht verdient werden konnte. Die Rabattitis, die im österreichischen Neuwagenhandel weiterhin fröhliche Urständ' feiert, wollen wir natürlich nicht unerwähnt lassen (deutsche Fachleute sind immer wieder erstaunt über den extrem ausgebildeten Intrabrand-Wettbewerb in Österreich). Genau hier stehen wirnach dem Seuchenjahr 2020 vor einem Problem: Da in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Viertel weniger neue Autos abgesetzt wurden, werden diese in den folgenden Jahren in den Markenwerkstätten fehlen. Und das sind nicht wenige, nämlich rund 90.000 Einheiten, im Schnitt also einige Dutzend Fahrzeuge weniger für jede einzelne Werkstätte! Ein Prozess, vor dem nicht nur Bundesinnungsmeister Komm.-Rat Josef Harb warnt: "Jeder Werkstattbesitzer kann sich selbst ausrechnen, wie stark ihn das betrifft."

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