Wartezeiten ohne Ende

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Wartezeiten ohne Ende

Viele Neuwagen sind nach Monaten der Werksschließungen nicht - oder nur sehr schwer - verfügbar: Doch wer ist schuld an der Misere? Waren die Importeure und Händler nach dem Lockdown beim Bestellen zu vorsichtig? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Print-Ausgabe von AUTO&Wirtschaft.

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Es sind deutliche Zahlen, die die Statistik Austria erhoben hat: Um 33,65 Prozent lagen die Neuzulassungen in den ersten 7 Monaten hinter jenen des Vorjahres zurück, auch der August brachte mit einem Minus von 30 Prozent nicht die erhoffte Trendwende.

Zahlen sind die eine Sache, die Situation im Alltag die andere: Natürlich bemerken die Autohändler aller Marken eine massive Kaufzurückhaltung, vor allem im wichtigen B2B-Bereich, der für weit mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen verantwortlich ist. Große Firmen wie die deutsche SAP, die auch in Österreich tätig ist, appellieren an ihre Mitarbeiter, ihre Dienstwagen künftig ein Jahr länger zu fahren.

Ähnliches berichtet (hinter vorgehaltener Hand) der Finanzvorstand einer großen, international tätigen Versicherung. Und bei einem weltweit agierenden Papierkonzern sollen die Mitarbeiter ihre Dienstfahrzeuge nicht mehr wie bisher nach 100.000 Kilometern tauschen, sondern nach 140.000: Doch diese sind in Zeiten, wo es immer weniger Dienstreisen gibt, umso schwerer zu erreichen.

Doch es gibt sie noch immer, die Neuwagenkäufer: Es sind vor allem Menschen, die von der Corona- Pandemie nicht so getroffen wurden. Zum Beispiel (Neo-)Pensionisten, die fürchten, dass ihre Abfertigung bald weniger wert sein wird. Und natürlich all jene, denen (auch durch die Werbung der Importeure) suggeriert wird, dass sie jetzt, und nur jetzt, ein wirklich tolles Angebot bekommen.

Auch manche Elektroautos fehlen

Das ist ein Teil der Geschichte. Der andere? In der Branche mehren sich seit Wochen die Stimmen der Händler, die über massive Probleme berichten. Lieferzeiten von einem Jahr mögen einst bei begehrten Fahrzeugen der Premiumhersteller der Fall gewesen sein, jetzt betreffen sie Alltagsware, aber auch manche Elektroautos. Bitter für so manche Händler, wenn sie jetzt, wo die Förderungen für die E-Autos in Österreich angehoben wurden, ihren Kunden das begehrte Fahrzeug nicht liefern können.

Schuld ist, natürlich, Corona - und ganz konkret die Schließung der Werke: Was in China im Jänner begann, setzte sich in Europa ab März fort und dauerte teilweise bis in den Juni. Auch jetzt noch gibt es kaum ein Werk, das mit voller Kraft läuft - auch bedingt durch Probleme in der Zulieferkette, die durch die Covid-Schutzmaßnahmen alles andere als optimal läuft.

Wir haben daher einen Rundruf unter österreichischen Händlern gestartet: Klar ist: Autohändler und Importeure schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Fast alle Hersteller sind betroffen

Schwierig ist die Situation derzeit offenbar nicht nur beim VW-Konzern, wo vor allem die besonders gefragten SUVs im Klein-und Kompaktwagen- Segment nur mit langen Lieferzeiten zu bekommen sind. Ähnlich schlecht sieht es auch im PSA-Konzern aus; hier sind es vor allem die Opel-Händler, die den neuen Realitäten unter straffer Führung ins Auge sehen müssen. Aber auch bei Renault müsse man bei besonders gefragten Modellen wie dem Clio oder dem Captur als Händler mit dem Drücken des Bestellknöpferls schnell sein, um die Autos auch zu erhalten, erfahren wir aus dem Markt.

Kaum noch Kurzzulassungen

Die oft kritisierten Kurzzulassungen haben sich in den vergangenen Jahren zu einem eigenen und wichtigen Marktsegment entwickelt. Bei manchen Marken hat sich eine eigene Kundenklientel dafür entwickelt, die aufgrund des günstigeren Preises nicht zu einem Neuwagen gegriffen hätten. Dieses volumenstarke Segment der Jungwagen fehlt gänzlich. Mittlerweile fehlen sogar die Serviceersatzfahrzeuge: Alles verkauft!

Liquidität stand im Vordergrund

Es war vor allem die Vorsicht, die zu dieser unhaltbaren Situation führte: Zuerst stand die Liquidität im Vordergrund, das Lager musste abgebaut werden. Dann wusste niemand, wie sich die Situation nach dem Lockdown entwickeln wird, geht es aufwärts? Bleibt es so bescheiden? Oder geht es weiter bergab? Klar, dass in einer solchen Situation kaum ein Händler mehr Fahrzeuge bestellt, als er nach realistischer Einschätzung der Situation verkaufen kann. Und seit viele Importeure ihre eigenen Lager weitgehend aufgelassen haben und sämtliches Risiko an die Händler ausgelagert haben, hat sich die Situation verschärft.

Damit rächen sich die Fehler in der Vergangenheit. Leidtragende sind viele Markenhändler, die ihre - zu Recht verärgerten -Kunden ständig mit neuen Lieferzeiten vertrösten und mit irgendwelchen Fahrzeugen, die sie noch auftreiben können, über Monate bei Laune halten müssen, bis endlich die bestellten Neuwagen eintreffen.

Freuen dürfen sich aber auch die Gebrauchtwagenhändler: Vorausgesetzt, sie haben genügend Ware eingelagert! Denn auch die Verfügbarkeit von Gebrauchtfahrzeugen wird (mangels Jungwagen und mangels Rückläufern) zunehmend zum Problem. Eine umfangreiche Berichterstattung finden Sie in unserem "GW&Wirtschaft", das dieser Tage bei den Abonnenten per Post eintrifft.

Ob diese Verknappung auch zu einer Reduktion der Schleuderei führt, bleibt abzuwarten.

Was die 15 von uns befragten Autohändler unterschiedlichster Marken (und aus allen Bundesländern) zu diesem Thema sagen, steht in der gedruckten September-Ausgabe von "AUTO&Wirtschaft".
 

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