Der letzte Kongress vor Corona

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Der letzte Kongress vor Corona

Während in Österreich schon alle größeren Veranstaltungen wegen des Corona-Virus abgesagt wurden, durfte man im benachbarten Bayern noch einen Kongress abhalten.

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Es ist einer der idealen Veranstaltungsorte, das "Dauphin Speed Event" in Hersbruck bei Nürnberg: Hinter einer großen Glaswand stehen rund 160 Oldtimer allererster Güte, oben in der Galerie mehr als 200 Motorräder. Dr. Konrad Weßner lud zum mittlerweile 16. Mal hierher, zum puls Automobilkongress: Die Veranstaltung wurde am 11. März durchgeführt, also unmittelbar vor dem Ausbruchder Corona-Krise: In Deutschland durfte man derartige Kongresse noch abhalten, während die österreichische Regierung bereits ein Verbot solcher Veranstaltungen angekündigt hatte -erstes "Opfer" war das zeitgleich geplante WERKSTATTFORUM des A&W Verlags.

Auch einige Besucher ausÖsterreich Doch zurück nach Hersbruck: puls Marktforschung hatte ein interessantes Programm aufgeboten, das auch einige österreichische Besucher anlockte. Aus dem Team des Hyundai-Importeurs in Wien kamen Marketingchefin Mag. (FH) Emanuela Novakovic und Dealer Change Manager Ing. Roland Bergmann,MBA. Aus dem Bundesgremium Fahrzeughandel nahm Dr. Gustav Oberwallner den Weg nach Hersbruck auf sich und auch der Linzer Autohändler Andreas Parlic (Autowelt) hörte sich die Referate an. Der Großteil der Besucher kam aber natürlich aus der deutschen Kfz-Branche.

Gleich zu Beginn rief Veranstalter Weßner die Autohändler auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. Eine Umfrage unter 600 Neuwagen-Interessenten habe ergeben, dass die Zukunftsfähigkeit der Händler für die Befragten mit großem Vorsprung an erster Stelle von 19 Parametern stehe. "Doch wer nur verteidigt, kann kein Spiel gewinnen", appellierte Weßner in Richtung der Händler.

"Im Moment ist Corona wichtiger"

Dennis Morgenstern, der für den automotiven Sektor zuständige Verantwortliche bei Google Deutschland, zog in seinem Referat einen Bezug zur Corona-Krise: Die 5 bis 6 Millionen Anfragen, die auf Google für die 4 Autohersteller BMW, VW, Mercedes und Audi pro Woche entfallen, seien relativ wenig im Vergleich zu den 30 Millionen Suchanfragen, die in den vergangenen 7 Tagen auf den Corona-Virus gekommen seien. "Momentan sind also andere Themen wichtiger als der Autokauf." Laut Morgenstern sollte die Autobranche verstehen, dass die Google-Nutzer 3 wichtige Eigenschaften haben: "Sie sind extrem neugierig geworden, sie sind extrem ungeduldig und sie sind sehr anspruchsvoll." Immerhin seien die Nutzer diesbezüglich aus anderen Branchen "verwöhnt", etwa von den Direktbestellungen bei Amazon oder den Urlaubsbuchungen bei Booking.com.

Auch Robert Lasek, Vice President bei Auto1.com in Berlin, konstatierte, dass der Autohandel noch immer in der digitalen Anfangsphase stecke, wenn man ihn mit anderen Branchen vergleiche. Das 2012 gegründete Unternehmen verkaufte 2018 mehr als 540.000 Autos, im Jahr davor waren es 420.000 gewesen. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Auto1.com hat mehr als 60.000 Partnerhändler in 33 Ländern Europas, die Fahrzeuge werden an rund 400 Filialen in 10 Ländern (in Österreich über www. wirkaufendeinauto.at) angekauft, in 140 Logistikzentren zwischengelagert und von dort an die ankaufenden Händler geliefert. Man wisse auch ganz genau, wo es an gewissen Autos das größte Interesse gebe: So werden unter anderem in Südspanien angekaufte Autos bis nach Finnland geliefert. "Daher kennenwir auch für jedes Auto, das reinkommt, den erzielbaren Preis -egal ob es ein 20 Jahre alter Toyota Corolla ist oder ein Jahreswagen", sagte Lasek.

Mehr als 30.000 Autos in einem Jahr Für Spannung sorgte dann vor allem das Referat von Wilfried Wilhelm Anclam, Vorstandsvorsitzender von Autoland Aktiengesellschaft. Nachdem er in den vergangenen Jahrzehnten 22 Filialen in den östlichen Bundesländern Deutschlands aufgebaut hat, drängt Anclam nun auch in die westlichen Bundesländer. Dazu will er auch in Shopping Malls vertreten sein, wo 10-12 Autos ausgestellt und dann virtuell verkauft werden. Ziel sei es, bis 2022 an 30 Standorten vertreten zu sein, mit 12.000 Autos im Bestand und 1.200 Mitarbeitern. Anclam verkaufte im Vorjahr 24.500 Fahrzeuge aller Marken an Endkunden und 6.500 an Händler.

Die Autos kauft ein Team in ganz Europa bei Herstellern, Importeuren und anderen Händlern sowie bei Privatpersonen ein. Um Kunden zu gewinnen, hat Anclam die Öffnungszeiten massiv ausgebaut: wochentags von 8 bis 20 Uhr, an Samstagen von 9 bis 18 Uhr. "Ich verkaufe jeden Samstag 150-170 Fahrzeuge. Würde ich schon um 13 Uhr sperren, wären es vielleicht 30." Anclam hat auch strikte Vorgaben an seine Mitarbeiter: "Kein Kunde darf länger als 3 Minuten auf einen Verkäufer warten." Damit die Verkäufer die von ihnen in Zahlung genommenen Gebrauchtwagen schneller absetzen, erhalten sie von Anclam dafür die dreifache Provision. Prof. Hannes Brachat, Herausgeber der Zeitschrift Autohaus und Moderator des Kongresses, glaubt übrigens, dass der Markenhandel in Zukunft an Bedeutung verlieren werde: Hingegen werde der freie Autohandel an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Autohändler seien nicht mehr bereit, die Vorgaben der Autohersteller zu erfüllen.
 

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